Auf Augenhöhe mit Riesenpapageien

Zoo Wuppertal eröffnet Aralandia für Besucher

Zoodirektor Arne Lawrenz ist begeistert von den blauen Hyazinth-Aras in Aralandia.
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Zoodirektor Arne Lawrenz ist begeistert von den blauen Hyazinth-Aras in Aralandia.
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Wuppertal. Gabi Hoensch hat diesem Tag entgegengefiebert: Seit Ende vergangener Woche ist die Freiflugvoliere Aralandia im Grünen Zoo Wuppertal für Besucher geöffnet.

Von Martin Lindner

Die 58-jährige Frau aus Menden im Sauerland, die in ihrer Heimatstadt selber 23 Vögel hält, ist ein leidenschaftlicher Papageien-Fan. „Für mich ist es gigantisch, hier zu sein und die großen Papageien so nah zu sehen“, schwärmt sie, am Wasserfall in der Anlage stehend und mit verträumtem Blick die blauen Hyazinth-Aras beobachtend.

Die Freundinnen Julia Loskill aus Düsseldorf und Yvonne Peters aus Bochum stehen noch vor der Anlage und warten darauf, hineingelassen zu werden. Sabrina Czarnetzki hält über das Walkie-Talkie Kontakt zu ihrer Kollegin am Ausgang: Wenn zum Beispiel drei Personen Aralandia verlassen, dürfen drei neue Gäste die Anlage über Türen, die automatisch öffnen und schließen, betreten.

Die Besucher werden gebeten, Abstand zu den Tieren zu wahren.

Als „erstes Speed-Dating Europas“ bezeichnet Zoodirektor Arne Lawrenz die neueste Attraktion, die durch Corona mehr als ein Jahr später als ursprünglich geplant für den Publikumsverkehr geöffnet wurde. Denn der Sinn von Aralandia ist es, die Riesenpapageien zu züchten und die bedrohten Tiere nachher auch wieder in ihrem natürlichen Lebensraum auszuwildern – als Beitrag für den Natur- und Artenschutz. Bisher sind die Zuchterfolge in Europa eher mager. „Bei Aras muss Liebe im Spiel sein“, schlussfolgert Lawrenz. In einer größeren Gruppe wie in Aralandia könnten sich die Paare selbstständig finden und eine Beziehung eingehen. Der Tierarzt geht davon aus, dass sich mittlerweile schon drei „harmonierende Pärchen“ gebildet haben.

„Hier ist nichts von der Stange.“

Zoodirektor Arne Lawrenz

Aufgrund technischer Probleme sei der Nachweis darüber noch nicht zweifelsfrei möglich. Wie sich die Tiere verhalten, also ob sie sich wie Menschen auch trennen und nachher wieder zusammenkommen, oder ob es bei ihnen so etwas wie „Liebe auf den ersten Blick“ gibt, soll noch eingehend untersucht werden, so Lawrenz. Die neue Anlage soll ihren Tribut leisten, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Aktuell bevölkern zehn Hyazinth-Aras, 18 Chile-Flamingos, 15 Sonnensittiche und ein Pudu, die kleinsten Hirsche der Welt, Aralandia. Dass die Aras sich in der Anlage wohlfühlen, können die Tierpfleger bei den Fütterungen beobachten und daran sehen, wie die Vögel miteinander herumtollen und herumfliegen. „Wir hatten im Zoo eine schlechte Haltung für Aras und waren uns bewusst, dass wir etwas Neues machen mussten“, beschreibt Lawrenz die Geburtsstunde der Idee von Aralandia, an der, wie er sagt, viele Spezialisten mitgewirkt haben. „Hier ist nichts von der Stange“, betont der Zoodirektor.

Das Netz ist eine spezielle Anfertigung, um den Schnäbeln der Aras, die die stärksten im Tierreich sind, standzuhalten. Derzeit wird die 1300 Quadratmeter große Anlage nur für wenige Besucher geöffnet, maximal 35 Besucher können gleichzeitig Aralandia betreten. Ein erstes Zwischenfazit, das Lawrenz nach einem halben Tag zieht, fällt positiv aus. Die Tiere wirkten auf ihn nicht gestresst, sondern seien neugierig angesichts der Besucher. Es sind eher die Menschen, die ihm Sorgen machen. „Aralandia ist kein Streichelzoo“, betont er. Da könne schnell der Finger ab sein, warnt Lawrenz.

Außerdem sollten die Tiere ihre natürliche Scheu vor den Menschen nicht verlieren. Das wäre für sie lebensbedrohlich, wenn sie wieder ausgewildert werden. Lawrenz wünscht sich noch eine richtige feierliche Eröffnung von Aralandia. Gerne würde er dazu dann auch die nordrhein-westfälische Umweltministerin und den brasilianischen Botschafter einladen. Aralandia sieht er als Vorzeigeprojekt.

Hintergrund

Freiflugvoliere: Die Anlage „Aralandia“ im Grünen Zoo ist 1400 Quadratmeter groß, die Netzhöhe beträgt 13 Meter. Die Kosten von 6,4 Millionen Euro trägt der Zooverein aus Vereinsmitteln, Spenden und über die Zoo-Service GmbH.

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