Führung

Er zeigt Schloss Burgs gruselige Seite

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Seit Anfang des Jahres bietet Peter Wendland Gruselführungen auf Schloss Burg an. 

SOLINGEN Einmal monatlich bietet Peter Wendland Gruselführungen durch die alten Gemäuer an.

Von Manuel Böhnke

Peter Wendland trägt ein grünes, mittelalterlich anmutendes Hemd. An seinem großen Filzhut steckt eine Pfauenfeder. In seiner Hand hält der 50-Jährige eine rote Laterne. In einem Raum des frisch sanierten Bergfrieds erzählt er von der Ermordung Engelbert II., dass seine Gebeine im Kölner Dom liegen. In diesem Moment öffnet sich die Tür, drei Knochen-Attrappen fallen klappernd auf den hölzernen Boden. Unbeirrt fährt Wendland fort. Schließlich sind seine 20 Zuhörer für eine Gruselführung nach Burg gekommen.

Seit Anfang 2019 bietet der 50-Jährige die Führung regelmäßig an. Ähnliche Angebote führt er seit 2011 unter anderem im Schloss Drachenburg in Königswinter durch. Schloss Burg lernte der Musiktherapeut während eines beruflichen Engagements in Wermelskirchen kennen. „Ich war sofort begeistert, habe die Verantwortlichen angesprochen und mit den Planungen begonnen“, erzählt Wendland.

Das etwa zweistündige Programm beginnt, wenn um das Schloss Ruhe einkehrt und die Nacht über Burg hereinbricht. Die alten Mauern sind spärlich beleuchtet, im Inneren sorgen einzelne Strahler für einen besonderen Blick auf Ahnengalerie, Rittersaal, Kemenate und Kapelle. Damit sich trotz des wenigen Lichts alle Besucher orientieren können, erhält jeder eine Lampe in Sturmlaternen-Optik.

So geht für die Teilnehmer der Führung ganz entspannt los. Im Rittersaal spielt Peter Wendland Gitarre, stimmt ein mittelalterliches Lied an. Dazu gibt es Wein und Knabbereien. Von Grusel keine Spur. Doch das ändert sich auf dem stockdusteren Wehrgang und im komplett abgedunkelten Saal, den es zu durchqueren gilt. Alle Besucher müssen zudem beinahe blind durch einen Turm voller Nebel. „Ich mache Veranstaltungen dieser Art bereits seit vielen Jahren. Eine Nebelmaschine einzusetzen, war immer mein Traum“, erzählt Wendland. Auf Schloss Burg hat es endlich geklappt.

Die abwechslungsreiche Führung kommt bei den Besuchern gut an

Nun hat eine alte Burganlage bei Nacht per se unheimliche Züge. Verstärkt werden die bei Peter Wendlands Gruselführungen durch Musik undefinierbaren Ursprungs oder Kinderstimmen im Hintergrund. Ein unheimlicher Kapuzenmann ist es aber vor allem, der einigen Besuchern bei der Führung in der vergangenen Woche einen Schrecken einjagte. Er poltert, schreit, schleicht in der Dunkelheit oder im Nebel um die Besucher herum. Gruselig – aber nicht so schaurig, dass es nicht zum Aushalten wäre.

Doch Peter Wendland geht es bei seiner Führung nicht nur um einen möglichst hohen Gruselfaktor. An jeder Station erzählt er Grundlagen zur Geschichte von Schloss Burg und des Herzogtums Berg. Der Heimatkundler erklärt die Hintergründe zum Bau der Anlage, beschäftigt sich mit den Grafen von Berg und den Schlachten, die sie geschlagen haben. „Dabei geht es mir nicht darum, den Fokus nur aufs Bergische zu legen, sondern die Ereignisse hier in Zusammenhang mit den Entwicklungen im Rest des heutigen Deutschlands zu bringen“, erläutert Wendland, der in Königswinter wohnt.

GRUSELFÜHRUNG MIT PETER WENDLAND

KONZEPT Bis April kommenden Jahres finden die Gruselführungen mit Peter Wendland in ihrer derzeitigen Form auf Schloss Burg statt. „Dann wird der Wehrgang saniert“, erklärt der 50-Jährige. Ab September 2020 soll es nach der Sperrung mit neuen Inhalten weitergehen. TERMINE Die nächste Führung mit Peter Wendland findet am Donnerstag, 17. Oktober, von 19 bis 21 Uhr statt. Tickets kosten rund 30 Euro. In den Preis inbegriffen sind neben der Führung inklusive Zaubertricks, kurzer Livemusik-Einlage und den Gruselelementen auch ein Snack und ein kleiner Umtrunk. Jugendliche ab 13 Jahren dürfen in Begleitung eines Erwachsenen teilnehmen. www.schlossburg.de

Mit der Geschichte von Schloss Burg habe er sich neu beschäftigen müssen. Beeindruckt zeigte er sich vor allem von den Menschen im Bergischen, die ihr Wahrzeichen trotz mehrfacher Zerstörung in der Vergangenheit immer wieder aufgebaut haben.

Spaß und Geschichte verbinden auch die Rätsel, die die Teilnehmer der Führung lösen. Fragen müssen beantwortet, die nächsten Hinweise gefunden werden. Nebenbei zeigt Wendland Zaubertricks. „Das gesamte Konzept habe ich selbst erarbeitet“, sagt er.

Die Mischung aus historischen Fakten, Grusel und Unterhaltung kommt bei den Besuchern in der vergangenen Woche gut an. „Es war gruselig – man hat aber trotzdem viel gelernt“, sagt Sylke Kunitz aus Wermelskirchen. Ihre Begleiterinnen Gloria Hoyer und Laura Gierlich zeigen sich einig: „Das ist eine schöne Abwechslung zu normalen Führungen.“

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