Ehrenamt

Zahntechnikerin aus Solingen gibt Menschen in Ecuador ihr Lächeln wieder

Dorothea Krieger zeigt auf dem Laptop, wie ihre Arbeitsbedingungen in Ecuador waren. Immer noch freut sie sich über die liebevollen Gastgeschenke, die ihr die Menschen dort gemacht haben. Foto: Christian Beier
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Dorothea Krieger zeigt auf dem Laptop, wie ihre Arbeitsbedingungen in Ecuador waren. Immer noch freut sie sich über die liebevollen Gastgeschenke, die ihr die Menschen dort gemacht haben.

Zahntechnikerin Dorothea Krieger arbeitete vier Wochen ehrenamtlich in Südamerika

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Ihr Lohn waren die wieder kompletten Gebisse in den dankbar lächelnden Gesichtern ihrer Patienten: Zahntechnikerin Dorothea Krieger nahm ihren Jahresurlaub bei ihrem Arbeitgeber, einer großen Dentalfirma, um im Oktober vier Wochen in der Missionsklinik Guadalupe, einem kleinen Ort in der Nähe des ecuadorianischen Zamora, Prothesen zu reparieren oder neue zu fertigen.

Seit Kurzem wieder zurück, zeigt die Solingerin beeindruckende Fotos auf ihrem Laptop: Abgekaute Backenzähne oder Löcher dort, wo Kunststoffzähne herausgefallen sind, dazu die Aufnahmen des in der Missionsstation eingerichteten bescheidenen Dentallabors. Seit vielen Jahren hat es sich der Verein Förderkreis Clinica Santa Maria mit Geschäftssitz am Bodensee in verschiedenen Projekten zur Aufgabe gemacht, die arme Landbevölkerung in lateinamerikanischen Ländern mit Zahnersatz zu versorgen.

„Das klingt im ersten Moment nicht zwingend lebensnotwendig“, sagt Dorothea Krieger, die über eine Kollegin auf diese Organisation aufmerksam wurde. „Aber wenn man sich mal bewusstmacht, dass es nicht nur ein optisches Problem ist, keine hinreichenden Schneide- und Kauwerkzeuge im Mund zu haben, sondern dass unter anderem Magen-Darm-Probleme Folgeerkrankungen sein können, bekommt das Ganze schon mehr Gewicht.“ Außerdem sei es „natürlich auch eine Frage des Selbstwertgefühls und der Würde“, ob man sichtbar schlechte Zähne habe oder nicht.

Annett Tümmler, so der Name von Kriegers Bekannten, war bereits in Jahren zuvor Teil einer deutschen ehrenamtlichen Arbeitsgruppe gewesen, die vor Ort mit Gips, Alginat, Füllmaterial, künstlichen Standardzähnen und vollen Acht-Stunden Tagen im schlicht eingerichteten Dental-Labor der Missionsstation mithalf.

Nun packte auch Dorothea Krieger ihre Koffer und startete mit Tümmler als weibliches Power-Duo. Allerdings ohne Auftrag der Organisation. Sie unterstützt den Standort Ecuador seit Mai nicht mehr, sondern möchte jetzt in Bolivien und Guatemala helfen. Die weit mehr als 40 Stunden dauernde Reise bis zum Ziel in Ecuador ging also finanziell jeweils auf eigene Rechnung der beiden Frauen.

„Wir wurden begeistert empfangen, denn dieses Labor vor Ort wird ausschließlich von immer wieder wechselnden Helfern betrieben. Manchmal liegen Monate dazwischen und durch Corona war es fast anderthalb Jahre her, seit sich zuletzt jemand der Zahnprobleme der Bevölkerung annahm.“

Untergebracht in einer sogenannten Recidencia auf dem Missionsgelände, krempelte das zahntechnische Duo Tümmler/Krieger nun Morgen für Morgen die Ärmel hoch, streifte Kittel und Handschuhe über und nahm Abdrücke bei Patienten, modellierte, formte, klebte, passte an und optimierte.

„Ich würde so etwas jederzeit wieder machen.“

Dorothea Krieger, Zahntechnikerin

„Die Dankbarkeit der Menschen war riesig“, betont Dorothea Krieger, immer noch sichtlich bewegt. „Man kann sich hier im reichen Europa nicht vorstellen, dass ein abgebrochener oder ausgefallener Zahn in Ecuador bei 96 Prozent der Bevölkerung eine echte Katastrophe ist, weil weder Personal noch Equipment zur Verfügung steht.“ Folglich hatten die beiden Frauen Materialien mitgebracht: Ein extra gebuchter Koffer beinhaltete Zahngarnituren, Abformmaterial, Schleifkörper, Anästhetika und Prothesenkunststoff.

„Ich würde so etwas jederzeit wieder machen“, sagt Dorothea Krieger, Mutter zweier erwachsener Kinder und Oma einer vierjährigen Enkeltochter, die natürlich auch viele Eindrücke von Land und Leuten mitgenommen hat. „Es ist etwas ganz anderes, ob man Tourist reist oder dergestalt hinter die Kulissen sieht.“ Jetzt steht ein Spanisch-Kurs auf ihrer To-do-Liste. Und dann? „Vielleicht beim nächsten Mal nach Bolivien“.

Förderkreis

Verein: Der Verein Förderkreis Clinica Santa Maria ist eine Gemeinschaft von Menschen aus allen Bereichen der Zahnmedizin und Zahntechnik.

Engagement: In der Organisation engagieren sich Zahnärzte, Oralchirurgen, Kieferchirurgen, Zahntechniker und Dentalhygienikerinnen.

Projekte: Es ist dieser Verbund an Fachwissen, der es möglich macht, in Latein-Amerika Projekte zu unterstützen und weiter zu entwickeln.

www.fcsm.org

Nach Ecuador hatte es auch eine weitere Solingerin gezogen: Kristina Baumkamp reiste als Ethnologin um die halbe Welt.

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