Kein Hochwasserschutzraum im Sommer

Wupperverband analysiert Unwetternacht und begründet gutgefüllte Talsperren

Der Überlauf der Wupper-Talsperre am 15. Juli, als das Wasser wieder kontrolliert abgelassen werden konnte.
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Der Überlauf der Wupper-Talsperre am 15. Juli, als das Wasser wieder kontrolliert abgelassen werden konnte.

Wuppertal. Warum ist die Wupper-Talsperre in der Nacht zum Donnerstag, 15 Juli, übergelaufen? Hätte das verhindert werden können durch früheres Ablassen der Talsperre?

Von Andreas Boller

Am Montagabend haben Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und Stadtdirektor Johannes Slawig die vom Hochwasser betroffenen Bewohner in Unter-Beyenburg besucht. Viele fühlten sich im Stich gelassen, da sie nicht rechtzeitig über die Lage informiert worden seien. Es müsse alles getan werden, um die Menschen bei künftigen Starkregen-Ereignissen früher und wirksamer warnen zu können, lautet die Erkenntnis des Ortstermins.

Eine Warn-Pegelmessstelle im Bereich Beyenburg gibt es bisher nicht. Die Warn-Messstelle Kluserbrücke sei nach mehreren korrekt übermittelten Warnwerten aufgrund der zusammenbrechenden Telekommunikation zeitweilig nicht mehr abrufbar gewesen. Im Bereich Beyenburg müsse so schnell wie möglich eine zusätzliche Warn-Messstelle vorgesehen werden, so Stadt und Wupperverband. Die Wiedereinführung von Sirenen und weiteren Warnmöglichkeiten ist geplant.

Der Redaktion liegen Aufzeichnungen aus dem Online-Hochwasserportal des Wupperverbandes vor, aus denen hervorgeht, dass die Wupper-Talsperre am Freitag, 9. Juli, bis knapp unter den Vollstau gefüllt war. Über das Wochenende stieg der Pegel über eine Orientierungslinie weiter an, bevor am Montag und Dienstag Wasser aus der Talsperre abgelassen wurde, um Stauraum zu schaffen. Der Pegel sank wieder knapp unter die Orientierungslinie. Der geschaffene Stauraum erwies sich als nicht ausreichend, die Wupper-Talsperre lief über. Dazu trug der extreme Zufluss aus dem oberen Verlauf der Wupper bei, da auch die Bever-Talsperre übergelaufen war. Außerdem verwandelten extreme Regenfälle alle Zuflüsse unterhalb der Wupper-Talsperre in reißende Flüsse.

Kein Hochwasserschutzraum im Sommerhalbjahr vorgesehen

Im Sommerhalbjahr sei in den Brauchwassertalsperren wie der Wupper-Talsperre kein Hochwasserschutzraum vorgesehen, teilte der Wupperverband mit. Möglichst hohe Wassermengen sollen demnach für die Abgabe aus der Talsperre an die Wupper in Trockenzeiten vorgehalten werden. Das extreme Regenereignis, das zu dem Hochwasser führte, sei in der dann auftretenden flächendeckenden Intensität für das Wuppergebiet so nicht frühzeitig vom Deutschen Wetterdienst vorhergesagt worden.

Innerhalb von 24 Stunden seien Niederschlagsmengen gefallen, die etwa einem Zehntel der durchschnittlichen Jahresmenge im Wuppergebiet entsprechen. Um diese enormen Regenmengen zu puffern, hätte der Wupperverband die Wupper-Talsperre in kürzester Zeit um mehr als die Hälfte des Stauinhalts entleeren müssen. „Um eine solche gewaltige Menge ohne schädliche Wirkung für die Unterlieger in Wuppertal abzuführen, reichte die Zeit von Montag an nicht aus“, heißt es in der Mitteilung des Wupperverbands.

2018 stieg beim Starkregenereignis in Elberfeld und Barmen der Pegel an der Kluser Brücke durch extremen Niederschlag auf 2,80 Meter an. In der Nacht zum 15. Juli wurde nach dem Überlaufen der Talsperre die Allzeit-Rekordmarke von 3,77 Meter gemessen. 2018 konnte durch einen verringerten Abfluss aus der Talsperre ein größerer Anstieg der Wupper verhindert werden. Das Starkregenereignis 2018 dauerte zwei Stunden und wurde mit der Stufe 11 von 12 eingeordnet. Das Unwetter 2021 dauerte 15 Stunden und dürfte dabei die Intensität der Stufe 10 gehabt haben.

Der Wupperverband legt Wert auf die Feststellung, dass das Zusammenfließen von zwei Flutwellen vor und hinter der Wupper-Talsperre verhindert werden konnte. Zu keinem Zeitpunkt sei das Hochwasser in der Wupper durch die Abgabe aus der Wupper-Talsperre verschärft worden. Die Talsperre habe die Wassermenge in der Wupper nicht zusätzlich erhöht. Allerdings konnte sie nicht gemindert werden, weil die Talsperre voll war. Die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes vom 10. bis zum 14. Juli hätten sich von Tag zu Tag in der Regenmengen-Vorhersage (pro 24 Stunden) weiterentwickelt: am 10. Juli bis zu 25 mm, bis zum 13. Juli mit bis zu 100 mm. Die tatsächlichen bis zu 160 mm am 14. Juli in zwölf Stunden seien nicht angekündigt worden. Auf die Prognosen habe der Wupperverband mit Warnungen im Hochwasserportal und in Mails an Berufsfeuerwehr, Leitstelle und verschiedene städtische Adressen am 13. und 14. Juli reagiert.

Hintergrund

Die Staumauern und Dämme hätten einwandfrei funktioniert, so der Wupperverband. Alle Wassermengen seien kontrolliert über die jeweilige Hochwasserentlastung abgegeben worden. Kein Damm oder keine Staumauer sei überspült worden. In der Spitze flossen am 15. Juli frühmorgens 190 Kubikmeter pro Sekunde ab.

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