Hohe Kosten

Wuppertals Feste kämpfen ums Überleben

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Der Vohwinkler Flohmarkt zieht jedes Jahr viele tausend Menschen an. 

WUPPERTAL Vohwinkler Flohmarkt und Karnevalszug sind gefährdet. Ruf nach städtischer Hilfe wird lauter.

Von Daniel Neukirchen

Auf Wuppertals Vereine kommt bei Stadtfesten immer mehr organisatorischer und finanzieller Aufwand zu. Erst die gestiegenen Sicherheitsauflagen und nun müssen sich die größtenteils ehrenamtlichen Veranstalter auch noch selbst um den Beschilderungsplan kümmern, weil die Stadt sich personell nicht mehr in der Lage sieht, diese Leistung zu erbringen. „Das hat in der Vergangenheit der Bereich Verkehrslenkung mitgemacht, der jedoch durch Krankheit und personelle Wechsel sowie die gestiegenen Anforderungen ausgelastet ist“, sagt Stadt-Sprecherin Martina Eckermann.

Für manche Ehrenamtler ist dieser Schritt ein Schlag ins Kontor. Verärgert ist Frank Varoquier, der die Vohwinkler Trödelmeile organisiert. Wenn unter den Schwebebahnschienen die Stände aufgebaut werden, müssen 3000 Schilder aufgestellt werden - von der Umleitung bis zum Parkverbot. Bislang arbeitete die Stadt den entsprechenden Plan freiwillig zum Nulltarif aus, jetzt müsste Varoquier ein externes Unternehmen damit beauftragen. „Ich weiß nicht, was das kostet. Aber das wird es sicher nicht für 2,50 Euro geben“, sagt Varoquier.

Ein Veranstalter, der in diesem Zusammenhang nicht namentlich genannt werden möchte, hat bereits einen Kostenvoranschlag eingeholt. Demnach soll ein Beschilderungskonzept für eine größere Veranstaltung rund 35 000 Euro kosten.

8000 Euro allein für die Müllabfuhr

Wie Eckermann feststellt, muss der Plan nicht jedes Jahr neu erarbeitet werden, sondern erst, wenn sich die Abmessungen des Fests verändern. Doch gerade deshalb findet Varoquier die Maßnahme der Stadt „schwer nachvollziehbar“: „Wenn sich nichts ändert, kann das nicht so ein großer Aufwand sein.“

Wilfried Michaelis, Präsident des Carneval Comitee Wuppertal, sagte unsere Zeitung angesichts der befürchteten Mehrkosten: „Wir werden als Ehrenamtler keine finanziellen Risiken eingehen.“ Der Karnevalszug 2020 ist damit ebenso in der Schwebe wie die nächste Trödelmeile.

Frank Varoquier sieht die Stadt in der Verantwortung: „Ich würde mir wünschen, dass da mehr kommt.“ Schließlich profitiere Wuppertal als Stadt auch von den Veranstaltungen der Vereine – wie dem Flohmarkt. Zumindest ein Gebührenerlass sei angebracht. Etwa bei der Straßenmiete oder bei den Müllgebühren. Der Veranstalter sagt: „Ich zahle allein für die Müllabfuhr 8000 Euro.“

AUSBLICK

FREIE GELDER Der Kampf um die freien Gelder – das ist noch Zukunftsmusik. Organisator Frank Varoquier malt für dieses Jahr ein düsteres Bild in Sachen Trödelmeile: „Finanziell ist es im Moment knapp bis richtig knapp.“ Auch das Crowdfunding – eine Spendensammelaktion im Internet – laufe derzeit noch schleppend. „Ich habe keine Ahnung, wie es weitergeht.“

Bislang greift die Stadt lediglich dem Carneval Comitee unter die Arme – im kleinen Rahmen. 2500 Euro gibt es jedes Jahr. Eine historisch gewachsene Zahlung aus Zeiten als Wuppertal noch über das Amt „Stadtwerbung“ verfügte. Zudem reinigt die Stadttochter AWG nach jedem Rosensonntagszug kostenlos. AWG-Chef Martin Bickenbach betont: „Das ist ein Sponsoring-Vertrag.“ Im Gegenzug werben die Karnevalisten für die Stadttochter. Bei anderen Festen wie der Trödelmeile oder dem Bleicherfest müssten jedoch normale Gebühren gezahlt werden. Bickenbach: „Das sind ja ein Stück weit kommerzielle Veranstaltungen.“

Stadtkämmerer Johannes Slawig könne den Wunsch nach einer städtischen Finanzspritze für die größeren Feste zwar verstehen, doch er weist auf den geringen Spielraum bei den freiwilligen Leistungen hin, weil sich Wuppertal im Haushaltssicherungskonzept befindet. Während die 2500 Euro an das Carneval Comitee Bestandsschutz haben, müsse jede neue freiwillige Leistung an anderer Stelle ausgeglichen werden.

Die freiwilligen Leistungen machen rund fünf Prozent des Haushaltsvolumens aus und schwanken zwischen 60 und 70 Millionen Euro, wie Slawig informiert. Davon profitieren Einrichtungen wie der Zoo, die Stadthalle oder die Wuppertaler Bühnen.

Wuppertal plant, nach 2021 wieder einen selbstbestimmten Haushalt ohne Sicherungsauflagen führen zu können. Slawig warnt vor zu großen Hoffnungen: „Es ist illusorisch, davon auszugehen, dass 2022 mehr Geld da ist.“ Zumal es für die möglicherweise frei zu vergebenen Mittel für den Haushalt 2022/23 viele Anwärter geben wird (" Kasten). Slawig nennt ein Beispiel: „Wir haben den Zuschuss für die Bühnen seit zehn Jahren nicht erhöht, was real ein Minus bedeutet.“

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