Intensivstation aufgebaut

Wuppertaler Soldatin hilft in Lissabon

Alexandra Pohlmann ist im Covid-19-Einsatz mit einem Team aus Ärzten und Pflegern.  
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Alexandra Pohlmann ist im Covid-19-Einsatz mit einem Team aus Ärzten und Pflegern.  

Alexandra Pohlmann ist Teil eines Bundeswehr-Teams, das in Portugal eine Intensivstation aufgebaut hat – in nur zweieinhalb Tagen.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Als das Telefon von Alexandra Pohlmann klingelt, ist es der letzte Samstag im Januar. Bereits am nächsten Tag macht sich die Wuppertalerin ins ostfriesische Leer zur Einsatzbesprechung auf. Am nächsten Mittwoch landet ein Bundeswehrflugzeug in der portugiesischen Hauptstadt. Ein medizinisches Bundeswehrteam von acht Ärzten und 18 Fachkrankenpflegern sitzt darin, darunter Alexandra Pohlmann. Mit an Bord: 50 Beatmungsgeräte, 150 Infusionsgeräte und Krankenbetten – Arsenal im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie.

Alexandra Pohlmann kommt in einem Land an, in dem Corona so heftig wütet wie sonst nirgendwo in Europa. Mehr als 5000 Portugiesen sind bereits an Covid-19 gestorben, fast die Hälfte davon im Januar. Das Gesundheitssystem ist überlastet, in Lissabon gilt eine Ausgangssperre. Pohlmann: „Wir sind in einer Geisterstadt angekommen.“ Die Straßen sind menschenleer, Polizisten fahren Streifen. „Wenn ich mir am Kiosk eine Cola kaufe, brauche ich einen Passierschein“, berichtet die 45-jährige Wuppertalerin.

Drei kräftezehrende Wochen liegen vor dem Bundeswehrteam. Pohlmann ist Fachpflegerin für Anästhesie und Intensivmedizin und arbeitet normalerweise im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz. Ihr ist der Umgang mit schwer erkrankten Covid-Patienten vertraut, trotzdem ist die Situation für sie eine ganz besondere. „Dass wir in Eigenregie eine Intensivstation betreiben, ist schon sehr ungewöhnlich“, bewertet sie den Spezialeinsatz.

Die Bundeswehrsoldaten arbeiten im Lissabonner Hospital da Luz in den Räumen einer eigentlich verwaisten Intensivstation. In nur zweieinhalb Tagen richteten die deutschen Gäste sich ein, besorgten Medikamente und organisierten Abläufe. Wie gut das geklappt hat, darauf ist Pohlmann ein Stück weit stolz. Das Team funktioniere gut, obwohl es sich in Portugal teils frisch finden musste. Pohlmann sagt: „Das ist ein Vorzug der Bundeswehr. Wir brauchen keine Einarbeitungsphase und wissen alle, was zu tun ist.“

Die Soldaten sind noch nicht alle durchgeimpft

Am vergangenen Montag nahm die neue Intensivstation ihre ersten vier Patienten auf. Alles Menschen im kritischen Zustand, für die in anderen Krankenhäusern kein Platz mehr war. Beeindruckt ist Pohlmann von der dramatischen Lage. Auf der Intensivstation in da Luz ist jedes einzelne Bett mit einem Menschen belegt, der beatmet wird. Natürlich wird da in der Öffentlichkeit die Frage gestellt, ob dieser Einsatz der Deutschen nicht nur der berühmte „Tropfen auf den heißen Stein“ ist. Maximal acht Betten können die Deutschen gleichzeitig betreuen. Doch Alexandra Pohlmann sieht ihren Einsatz keineswegs als einen symbolischen Akt: „Es geht um jedes einzelne Menschenleben.“

Die Arbeit mit den Covid-Patienten sei schwierig. „Die Lage kann bei diesen Patienten ganz plötzlich kritisch werden.“ Die Infizierten liegen in isolierten Boxen. Vor jedem einzelnen Eintritt müssen die Helfer sich umziehen, denn die potenziell verschiedenen Virus-Mutationen dürfen nicht von Bett zu Bett transportiert werden. Durch ihre Schutzausrüstung, die Masken und die Tatsache, dass sie bereits gegen das Virus geimpft ist, fühlt sich die 45-Jährige sicher. Doch wegen der Spontaneität des Einsatzes seien noch nicht alle Soldaten durchgeimpft, haben teils erst eine von zwei Spritzen erhalten, sagt Oberstleutnant Kieron Kleinert, der als 27. Mann mitgereist ist – als Pressesprecher.

Das Interesse der Portugiesen an der Unterstützung aus Deutschland ist groß. „Manchmal läuft der Fernseher im Hintergrund und jemand sagt: Schau mal, da landen wir wieder“, berichtet Stabsfeldwebel Pohlmann. Die Ankunft der Bundeswehr werde immer wieder gezeigt und auf der Straße wollten wildfremde Menschen Selfies mit den Deutschen. „Auf der Fahrt vom Flughafen hat uns sogar eine Frau mit Videokamera verfolgt.“

Nach drei Wochen – so der jetzige Stand – soll das Bundeswehrteam von anderen Kameraden abgelöst werden. Bis dahin arbeitet Sandra Pohlmann in vier aufeinanderfolgenden Zwölf-Stunden-Schichten, gefolgt von anderthalb Ruhetagen. So ist die Intensivstation 24 Stunden lang besetzt.

Die 18 Bundeswehrsoldaten leisten vor Ort eine Arbeit, zu der in Portugal immer weniger Menschen bereit sind. Guadalupe Simões von der Krankenpfleger-Gewerkschaft SEP sagte der Ärzte-Zeitung: „Derzeit fehlen in Portugal rund 20 000 Krankenpfleger, die aufgrund schlechter Bezahlung und Arbeitsbedingungen vor allem nach Großbritannien ausgewandert sind.“

Zur Person

Alexandra Pohlmanns Quartier ist der Katernberg. Sie hat im Bethesda-Krankenhaus ihre Ausbildung gemacht – wo sie auch geboren wurde.

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