Regelungen

Wuppertaler halten 6000 geschützte Tiere

Schneeeulen, hier im Vogelpark, sind seit der Harry-Potter-Welle auch bei privaten Haltern sehr angesagt. Archivfoto: Christian Beier
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Schneeeulen, hier im Vogelpark, sind seit der Harry-Potter-Welle auch bei privaten Haltern sehr angesagt.

Das Spektrum reicht von der Schnee-Eule bis zur griechischen Landschildkröte.

Von Anke Strotmann

Wuppertal. In der vergangenen Woche sorgte ein entlaufener Serval in Wuppertal für Aufregung. Die Raubkatze war aus dem Gehege eines privaten Halters ausgebüxt. Mit Hilfe des Solinger Vereins Dogman Tierhilfe e.V konnte das Tier wieder eingefangen werden und seiner Besitzerin übergeben werden.

Doch wie ist die Haltung sogenannter exotischer Tiere eigentlich geregelt? Die Recherche ergibt, dass mehrere Ämter zuständig sind, wenn man ein Tier halten möchte, das nicht in unseren Breitengraden heimisch ist. Bei der Stadt Wuppertal befasst sich Marcel Drobny vom Fachbereich Umwelt und Artenschutz mit einer Vielzahl von exotischen Tieren. „Es kommt darauf an, ob das Tier meldepflichtig ist“, sagt Drobny. Wenn das Tier unter das Washingtoner Artenschutzübereinkommen falle und mit dem Tier gehandelt wird, dann muss es bei der Stadt registriert werden. Beim Kauf artgeschützter Tiere sollte man darauf achten, dass die behördlichen Dokumente die Herkunft belegen, so Drobny. „Wenn das Tier wildgefangen wird und nicht aus einer Zucht stammt, kann es beschlagnahmt werden.“

Mit der Meldepflicht werde das Washingtoner Artenschutzübereinkommen umgesetzt, um illegalen Tier- und Pflanzenhandel, zum Beispiel mit Tropenholz, aus kommerziellem Interesse einzudämmen.

In Wuppertal gibt es nach Angaben von Drobny mehr als 6000 artgeschützte Tiere. Darunter fallen auch Tiere wie die griechische Landschildkröte, die Schneeeule oder der Alpenbirkenzeisig, die auf den ersten Blick wenig exotisch wirken. Andere Tiere, die exotisch sind wie etwa Sittiche, sind hingegen nicht artgeschützt und damit nicht meldepflichtig. Marcel Drobny schätzt, dass es um die 5000 exotische, aber nicht meldepflichtige Tiere in Wuppertal gibt.

Schildkröten sind besonders geschickte „Ausbrecher“

Ob Tiere artgerecht gehalten werden – das überwacht das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt (BVLA). Dabei wird nach Angaben des Amtes „üblicherweise zwischen Haustieren und Wildtieren beziehungsweise zwischen sogenannten Nutztieren oder ‚lebensmittelliefernden Tierarten‘ und Heimtieren wie z.B. Hunden, Katzen und Zierfischen unterschieden.“ Eine Unterscheidung zwischen exotischen und nicht-exotischen Tieren gibt es nicht.

Bei der Haltung wird zwischen der gewerbsmäßigen und der Privathaltung unterschieden. Zoos, Tierparks und Zoohandlungen benötigen eine tierschutzrechtliche Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz vor Aufnahme der Tätigkeit. „Diese Betriebe werden auch ohne Vorliegen von Verdachtsmomenten regelmäßig überprüft“, teilt das Veterinäramt auf Anfrage mit.

Privathaltungen werden überprüft, wenn Hinweise auf mögliche Verstöße vorliegen. Nur in diesen Fällen dürften rein privat genutzte Grundstücke und Wohnräume zum Zweck der Tierschutzüberwachung durch amtliche Tierärzte betreten werden. „Verstöße können Strafverfahren und Ordnungswidrigkeitsverfahren nach sich ziehen. Eine Beschlagnahmung und Einziehung von Tieren, oder auch ein Halteverbot kann ausgesprochen werden“, sagt Marcel Drobny.

Dass Tiere ausbüxen, komme in Wuppertal verhältnismäßig selten vor, berichtet Marcel Drobny. Falls doch, dann stelle sich häufig heraus, dass die Tiere und ihre Fähigkeiten, ein Gehege zu überlisten, unterschätzt wurden. „Schildkröten können zum Beispiel gut klettern, selbst wenn sie so behäbig wirken“, sagt Marcel Drobny. Egal, wie sicher und gut geschützt das Gehege aussehe, schafften die behenden Tiere es häufig, es zu überwinden.

Gesetz

Das NRW-Gifttiergesetz reguliert seit Juni 2020 die private Haltung von sehr giftigen Tieren. Betroffen sind Tiere, die aufgrund ihrer starken Giftwirkung eine erhebliche Bedrohung für die Gesundheit von Menschen darstellen können (z.B. Giftschlangen, bestimmte Skorpion- und Webspinnenarten). Haltung und Neuanschaffung dieser Tiere sind ab 1. Januar 2021 verboten. Bestehende Haltungen können unter Voraussetzungen fortgeführt werden.

lanuv.nrw.de/verbraucherschutz/gifttiere

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