Kultur

Wuppertaler Cinema steht vor dem Aus

Mustafa El Mesaoudi betreibt das Rex und Cinema. Archivfoto: afi
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Mustafa El Mesaoudi betreibt das Rex und Cinema.

Staatliche Hilfen sind bisher kaum angekommen.

Von Tanja Heil

Wuppertal. Schon zum zweiten Mal müssen Kinos dieses Jahr schließen, diesmal für vier Wochen. „Wir haben seit der Wiedereröffnung sehr viel Aufwand betrieben, damit sich die Leute wohl fühlen“, ärgert sich Mustafa El Mesaoudi, Leiter der Wuppertaler Kinos Cinema und Rex. Bundesweit habe es keine Hinweise auf Ansteckungen in Kinos gegeben. Viele Besucher sagten, dass sie sich im Kino sicher fühlen. „Umso mehr hat es uns überrascht, dass Einkaufen offenbar wichtiger ist als Kultur.“

Ähnlich sind auch die Erfahrungen des Kino-Komplexes Cinemaxx: „Wir haben enorm viel Zuspruch und Lob von unseren Gästen erfahren. Seit Jahren führen wir Kundenzufriedenheitsbefragungen durch und die Werte waren nie besser!“, sagt Sprecherin Ingrid Breul-Husar. Die Gefahr einer Ansteckung sei gering: Im Kino werde verbrauchte Luft erwärmt, steige zur Decke und werde dort abgesaugt.

Auch Mustafa El Mesaoudi hat extra seine Lüftungsanlagen testen lassen: „Jetzt bewähren sich unsere alten Lüftungsanlagen, die ohne Wärmerückgewinnung einfach die alte Luft absaugen und viel frische Luft in die Säle bringen.“ Zusätzlich hat er Spuckschutzwände aufgestellt und den Online-Verkauf von Tickets ausgebaut. Türklinken und Flächen werden mehrmals am Tag desinfiziert.

Schon als er zuletzt nur noch 20 Prozent seiner Sitzkapazitäten verkaufen durfte, konnte der Kinobetreiber damit seine Ausgaben nicht mehr decken. Der Lockdown ausgerechnet im November trifft ihn hart: „Das ist die wichtigste Kinozeit des Jahres, damit füllen wir unsere Kassen für den nächsten Sommer.“

Staatshilfen muss er wegen des Autokinos zurückzahlen

Von den versprochenen staatlichen Hilfen ist bisher kaum etwas bei ihm angekommen. Schließlich hatte er im Mai und Juni das Autokino auf dem Carnaper Platz veranstaltet. Nur durch deutliche Unterstützung von Sponsoren war er dabei überhaupt auf schwarze Zahlen gekommen. Doch da sein Umsatz in diesen beiden Monaten dadurch nicht unter 40 Prozent gefallen war, muss er nun sowohl die Überbrückungshilfe als auch zwei Drittel der Soforthilfe zurückzahlen.

„Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätten wir eine andere Lösung gesucht“, sagt Mustafa El Mesaoudi. Gerade schreibt er den Antrag auf die Überbrückungshilfe II. 23 meist langjährige Mitarbeiter in Voll- oder Teilzeit hat er, die er alle in Kurzarbeit weiterbeschäftigt.

Etwas Mut macht ihm das Zukunftsprogramm Kino II, das nächstes Jahr Kinos unterstützen soll. Denn für nächsten Sommer fehlen ihm auf jeden Fall Reserven, die üblicherweise im Winter eingespielt werden. 2022 muss Mustafa El Mesaoudi auch den Mietvertrag für das Cinema in Barmen neu verhandeln. „Zu den jetzigen Konditionen muss ich dann kündigen.“ Er hofft, dass ihm der Vermieter etwas entgegen kommt. „Alle Hilfen dienen nur dazu, das Minus zu verringern – es sind keine Hilfen, die einen retten.“

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