Mehr als 25.000 Besucher

Wuppertaler Ausstellung „Brücke und Blauer Reiter“ landet Publikumserfolg

Jeden Tag, wenn das Museum öffnet, bilden sich Schlangen vor der Tür. 
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Jeden Tag, wenn das Museum öffnet, bilden sich Schlangen vor der Tür. 

Wuppertal. Eine Wuppertaler Ausstellung sorgt überregional für Furore. Mit mehr als 25.000 Besuchern landet „Brücke und Blauer Reiter“ im Von der Heydt-Museum einen Publikumserfolg – in Coronazeiten.

Von Katharina Rüth und Monika Werner-Staude

Eine Wuppertaler Ausstellung sorgt gerade überregional für Furore: Mit mehr als 25.000 Besuchern landet die Expressionismus-Ausstellung „Brücke und Blauer Reiter“ im Von der Heydt-Museum einen Publikumserfolg – in Coronazeiten.

„Vor der Pandemie hätte ich Ihnen eine ganz andere Zahl nennen können“, ist sich Direktor Roland Mönig sicher, für den der Andrang auch beweist, dass es „ein Grundbedürfnis nach Kunst gibt, man mit tollen Themen und Bildern die Menschen begeistern kann“. Die am 21. November eröffnete Schau endet am 27. Februar, geht auf die Zielgerade. Der richtige Zeitpunkt für eine erste Bilanz.

Jeden Tag, wenn das Museum am Turmhof um 11 Uhr öffnet, bilden sich Schlangen – trotz der Zeitfenster, die vor kurzem wieder eingeführt wurden. Wegen der Verantwortung, die das Museumsteam angesichts der steigenden Inzidenzzahlen empfindet. „Wir wollen die Besucherströme so besser regeln und erreichen, dass die Räume nicht knallvoll sind“, erklärt Mönig, der gerade an den Wochenenden und an den Weihnachtsfeiertagen einen unglaublichen Zulauf erlebt(e). 130 bis 150 Menschen dürfen sich maximal pro Etage aufhalten. Der Mehraufwand, der damit verbundenen Organisation und die coronabedingten Kontrollen stoßen nur bei einer Minderheit auf Unverständnis, die große Mehrheit freue sich über das Plus an Sicherheit. Und buche.

Neue Ideen, um junges Publikum anzusprechen

Auch die Führungen – öffentlich, als Gruppe oder digital – sind beliebt. Rund 600 wurden insgesamt für die dreimonatige Ausstellung gebucht. Und das Vermittlungsprogramm wird ausgebaut. Der Musik-Guide „Der bunte Klang“, den ein Quartett um Keyboarder Simon Rummel, inspiriert von einzelnen Kunstwerken eingespielt hat, erschließt nicht nur die künstlerische Kreativität, sondern auch jüngeres Publikum. Mönig freut sich über die Pionierleistung, die sich auch schon bei anderen Museen herumspreche. Er betont den Ausbau der digitalen Angebote als Abrundung und Vorbereitung auf das Live-Erlebnis, will Erkenntnisse für zukünftige Ausstellungen daraus gewinnen.

Der Erfolg sei auch dem super eingespielten Team zu verdanken, das eine Riesenleistung vollbringe, so Mönig. Natürlich auch der Werbung, den Plakatierungen und Artikeln in den Medien, den Aktivitäten in den Sozialen Medien. Erstmals wurde ein Influencer (Jurgen Vermaire: lets_ talk_about_art) eingeschaltet, der aus Museen berichtet und viele tausend Follower hat. Die dafür nötigen Ausgaben will der Museumschef nicht beziffern, er verrät nur, dass der finanzielle Rahmen eingehalten wurde, wozu sicherlich auch die Kooperation mit dem Buchheim Museum und den Kunstsammlungen Chemnitz beiträgt. Ohne die übrigens „keines der Häuser eine so glänzende Ausstellung hätte machen können“.

Viel Lob äußern Besucher bei einer Umfrage unserer Zeitung: „Unheimlich umfassend“ findet etwa Klaus Humpe aus Oberhausen die Ausstellung. Das Thema werde sehr detailliert präsentiert. „Atemberaubend“ sei es, „wenn man 1:1 die Bilder betrachten kann“. Zwei Bochumerinnen finden die Hängung, die Blicke durch die Raumfluchten auf bestimmte Bilder lenkt, „fantastisch“.

Jutta Jäger liebt besonders die Bilder von August Macke und Alexej von Jawlensky: „Das Bild ,Mädchen mit Pfingstrosen‘ hat mich als junge Frau schon begeistert“, sagt die Wuppertalerin. Die aktuelle Ausstellung sei „außerordentlich“. Claudia Roseck, die mit ihrem Mann aus Köln gekommen ist, findet „die Hängung und die Verbindung der beiden Künstlergruppen interessant“. Auch wenn sie viele Bilder kennt: Sie hier im Original zu sehen, „das gibt viel Kraft“. Viel Vorwissen bringt auch Astrid Postmeyer aus Duisburg mit. Besonders mit Gabriele Münter und Alexej von Jawlensky hat sie sich beschäftigt. Es sei interessant nachzuvollziehen, „wie sich Blauer Reiter und Brücke befruchtet und inspiriert haben“.

„Erschlagen von der Vielfalt“ der Bilder fühlt sich Christel Schack, die mit ihrem Mann Wolfgang Bathe durch die Ausstellung wandert. Der stellt fest: „Das ist schon ein Reichtum“ und ergänzt mit Blick auf die vielen Bilder aus der Wuppertaler Sammlung: „Da sieht man, wie reich das arme Wuppertal ist.“ Er fühlt sich von den Bildern in die Zeit ihrer Entstehung versetzt. Vor „Frauen auf der Straße“ von Ernst-Ludwig Kirchner sagt der Wuppertaler, der aus Berlin stammt: „So könnte es gewesen sein.“

Im Gästebuch des Museums sind begeisterte Einträge zu lesen: „Großer Wurf“, „beeindruckend“, „einzigartig“ und „Booster für die Seele“ heißt es da über die Ausstellung. Kritik gibt es anfangs über die zu große Zahl gleichzeitiger Besucher, darüber, dass es wegen der Pandemie nur die Option der Audioguides per Handy gibt – das wird aber auch gelobt. Auch das Gendern in den Erläuterungstexten missfällt einigen, zu dieser Kritik gibt es aber auch Widerspruch.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Brücke und Blauer Reiter“ ist noch bis zum 27. Februar zu sehen. Das Museum ist dienstags bis sonntags 11-18 Uhr geöffnet, donnerstags 11-20 Uhr.

von-der-heydt-museum.de

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