Mobilität

Wuppertal: Zahl der E-Autos hat sich fast verdoppelt

Der Blick unter die Haube beim E-Auto. Inzwischen fragen Kunden immer häufiger nach dem Antrieb aus der Stromdose. Archivfoto: Michael Sieber
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Der Blick unter die Haube beim E-Auto. Inzwischen fragen Kunden immer häufiger nach dem Antrieb aus der Stromdose. Archivfoto: Michael Sieber

Immer mehr Hersteller haben eigene Modelle - Corona-Konjunkturprogramm soll die Käufe noch weiter ankurbeln.

Von Maren Boots

Wuppertal Immer mehr Wuppertaler kaufen sich ein Elektroauto. Am Stichtag 6. Juli 2020 waren laut Zulassungsstelle in Wuppertal 778 reine Elektrofahrzeuge zugelassen. Die Zahl geht rasant nach oben: Anfang 2019 waren noch knapp über 400 E-Autos zugelassen. Inzwischen kommen jeden Monat rund 20 Neuzulassungen dazu. Und bei all diesen Zahlen ist noch nicht der erwartete Ansturm bei den Elektro-Autos eingerechnet, der durch das Konjunktur-Förderprogramm des Bundes entstehen könnte.

Luft nach oben ist wahrlich, wenn man bedenkt, dass es rund 12 000 Pkw-Neuzulassungen in Wuppertal pro Jahr gibt. Aber der Vergleich mit Düsseldorf zeigt, dass die Wuppertaler besonders gern E-Auto fahren. So werden in der Landeshauptstadt jährlich nach den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes fast drei Mal so viele Autos insgesamt zugelassen. Mit gut 1200 zugelassenen E-Autos (Stand von Ende 2019) liegen die Düsseldorfer daher zwar absolut über der Zahl in Wuppertal, aber im Verhältnis zu den Gesamtfahrzeugen dahinter.

Nach dem Corona-Lockdown ist das Interesse wieder da

Jörg Ludorf, Geschäftsführer beim gleichnamigen Autohaus am Arrenberg, berichtet: „Ich habe jeden Tag zehn bis 20 Kunden, die sich über E-Autos informieren. Die Nachfrage ist definitiv da.“ Während er in der Corona-Zeit eine Kaufzurückhaltung der Kunden in Bezug auf Elektro-Fahrzeuge festgestellt habe, sei die Nachfrage in den vergangenen drei Wochen wieder nach oben gegangen. Das habe aus seiner Sicht nicht nur damit zu tun, dass die Reichweite der heutigen Fahrzeuge je nach Modell locker 300 Kilometer und mehr beträgt, sondern auch mit den aktuellen Angeboten. Ludorf sagt: „Die Hersteller geben Gas.“

Den erschwinglichen Umstieg zur E-Mobilität macht nicht zuletzt die aktuelle Förderprämie im Rahmen des Corona-Konjunkturprogramms möglich. Bis zu 9000 Euro Zuschuss für Elektroautos und 6750 Euro für Plug-in-Hybride sind möglich. Sogar für gebrauchte Wagen ist unter Umständen eine Fördersumme von bis zu 5000 Euro abzugreifen.

Roman Suthold, E-Mobilitätsexperte beim ADAC, sagt: „Im Leasing sind E-Autos inzwischen günstiger als das Monatsticket im VRR.“ Leasing sei in dem Fall sowieso ratsam, weil der Autofahrer sich dann am Ende nicht um die Entsorgung der Batterie kümmern muss. Zudem gebe es auch immer mehr Modelle von unterschiedlichen Herstellern in der niedrigeren Preisklasse ab 10 000 Euro.

Während mit der Reichweite und dem Preis zwei der drei klassischen E-Mobilitätshürden inzwischen zumindest in Teilen genommen wurden, bleibt die Infrastruktur der Ladesäulen ein strittiges Thema. Autohändler Ludorf findet: „Hier in Wuppertal haben wir viel zu wenige.“ Zudem fehle es im Stadtgebiet an Schnell-Ladesäulen. Bei den derzeit üblichen Stationen müssten die Fahrer mehrere Stunden auf eine volle Batterie warten.

Im Schnitt halten die Wuppertaler drei Stunden an der Ladesäule

In der Tat kann das volle Aufladen an den WSW-Säulen, die eine Ladeleistung von 22 Kilowatt haben, je nach Batterie-Modell etwa zwei bis vier Stunden dauern. Das passt zur Erfahrung der Wuppertaler Stadtwerke. Deren Sprecher Rainer Friedrich sagt: „Die durchschnittliche Ladedauer beträgt im Schnitt knapp drei Stunden.“ Die Leute würden im öffentlichen Raum eher nachladen und hauptsächlich privat Strom für die Batterien ihrer Autos zapfen.

Roman Suthold vom ADAC macht darauf aufmerksam, dass die Infrastruktur der Schnellladesäulen entlang Deutschlands größten Autobahnen mittlerweile gut sei. „Es kann halt nur sein, dass man warten muss, weil die Ladesäule belegt ist“, sagt der Experte. Er habe festgestellt: Die vorhandene Infrastruktur stoße stellenweise an ihre Grenzen. Zumindest wenn Fahrer sofort eine freie Säule erwarten.

Aus Sicht der WSW ist die Wuppertaler Infrastruktur ausreichend. Es gibt zurzeit rund 100 öffentliche Ladepunkte, von denen der städtische Konzern 64 an 28 Standorten betreibt. Rainer Friedrich sagt: „Mit dem vorhandenen Ladenetz ist eine Grundversorgung gegeben, um theoretisch bis zu 4500 Elektrofahrzeuge in Wuppertal zu versorgen.“ Die Auslastung betrage an der überwiegenden Anzahl der Standorte nur zwischen fünf und 20 Prozent – maximal 50 – Prozent.

Auch an der Nutzung der Ladestationen lässt sich ein Trend ablesen. Während 2017 lediglich 3480 Mal im Stadtgebiet geladen wurde, erhöhte sich die Zahl 2019 auf 7688. In diesem Jahr zeichnet sich eine rückläufige Abgabemenge ab, die von den Wuppertaler Stadtwerken allerdings auf die Corona-Krise zurückgeführt wird.

E-Ladesäulen im Bergischen

Die Wuppertaler Stadtwerke haben im Verlauf der vergangenen Jahre rund 500 000 Euro in den Aufbau der öffentlichen Lade-Infrastruktur in Wuppertal investiert. Dabei konnten die WSW Fördergelder mit einer Quote von rund 50 Prozent abrufen.

In Remscheid betreibt der Energieversorger EWR vier öffentliche E-Tankstellen (Tiefgarage Rathaus, Friedrich-Ebert-Platz, Möbel Knappstein, Stadtwerke-Gelände). Auch an der Autobahnraststätte Remscheid, an der Olper Höhe und an der Borner Straße können E-Autos geladen werden.

In Solingen listen die Solinger Stadtwerke aktuell insgesamt 26 Lade-Standorte mit 30 Ladesäulen für E-Autos auf.

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