Überlastung

Universität pocht auf bessere ÖPNV-Anbindung

Zu Stoßzeiten drängeln sich viele Studierende in den Bussen, die zur Universität fahren. Foto: Katharina Rüth
+
Zu Stoßzeiten drängeln sich viele Studierende in den Bussen, die zur Universität fahren.

Weil die meisten Veranstaltungen wieder in Präsenz stattfinden, sind die Busse wieder voll.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Die Busse zur Uni sind wieder voll, deshalb drängt die Universität auf eine Lösung für die ÖPNV-Anbindung der Hochschule. Ein Beschluss dazu von Januar 2020 wurde bisher nicht umgesetzt, die Stadt verweist auf fehlende Finanzmittel.

Nach anderthalb Jahren Distanzlernen finden an der Universität wieder die meisten Veranstaltungen in Präsenz statt. Also brauchen Studierende und Mitarbeiter die Busse zum Grifflenberg – und die sind morgens und nachmittags wieder voll. „Ziemlich voll“, sagt etwa Erstsemester Mark Birger (18) am Busbahnhof an diesem Morgen. Eine 24-jährige Studentin sagt, zu Stoßzeiten seien die Busse manchmal so voll, dass nicht alle einsteigen könnten.

Ich verpasse manchmal meinen Zug nach Hause.

Nadine Schalk, Studentin

„Die meisten fahren jetzt früher, weil man sich ja noch das Bändchen holen muss“, erklärt Pia Siegburg (21). Bunte Armbänder zeigen, dass Studenten die 3G-Regel erfüllen. Pia Siegburgs Veranstaltung fängt später an. Die früheren Busse seien aber „voll bis obenhin“. Katharina Vollmer (20) ergänzt, dass es bei der Rückfahrt nachmittags zum Hauptbahnhof auch oft sehr eng werde.

Darüber ärgert sich auch Nadine Schalk (22): „Ich verpasse manchmal meinen Zug nach Hause.“ Ihre Begleiterin Caroline Buller (23) kann ihren Weg besser planen: „Ich wohne hier, versuche, die Stoßzeiten zu vermeiden.“

Verbesserungsvorschläge gibt es - an der Umsetzung scheitert es

Seit dem Umbau des Döppersbergs und der Absage an eine Seilbahn drängt die Universität auf eine Verbesserung der Busanbindung. Unter anderem, weil die Verlegung einiger Verbindungen zur Haltestelle Stadthalle nicht gut angenommen wird: Die Fahrgäste drängen weiterhin überwiegend in die Busse am Bahnhof.

2019 gab es mehrere Vorschläge für Verbesserungen: Einsatz von mehr Bussen insgesamt und mehr Bussen, die bis zum Hauptbahnhof fahren – was bei den Stadtwerken (WSW) Kosten verursachen würde. Busspuren und Vorrang an den Ampeln sowie die Aufhebung der Einbahnregelung auf der Straße Oberer Grifflenberg für Busse könnten die Busse beschleunigen und die Kosten für die WSW reduzieren, dafür entstünden der Stadt Kosten. Der Verkehrsausschuss beauftragte im Januar 2020 die Verwaltung, Vorschläge wie Busspuren, Ampelschaltungen und Aufhebung der Einbahnstraße weiter auszuarbeiten und nach Finanzierungen zu suchen, auch durch Fördermittel. Bis zur Umsetzung der Maßnahmen solle die Verwaltung mit den WSW über mehr Busse verhandeln.

Im Juni 2020 boten die WSW morgens vier zusätzliche Fahrten ab Hauptbahnhof an, am Nachmittag sollten elf Fahrten bis zum Bahnhof verlängert werden. Aber wegen des Distanzlernens wurden diese Pläne auf Eis gelegt, ebenso die Planungen für Veränderungen der Infrastruktur wie Busspuren.

Bleibe die Uni auf Dauer bei Online-Veranstaltungen, wären sie nicht nötig, so die Ansicht der Stadt. Als die Uni erklärte, sie wolle nahezu vollständig zurück zum Präsenzlernen, erklärte die Verwaltung im August, man wolle die Pläne „im Rahmen der personellen Möglichkeiten“ vorantreiben. Finanzielle Mittel dafür seien für den kommenden Doppelhaushalt 2022/2023 angemeldet.

„Tatsächlich haben wir aktuell nach Beginn des Wintersemesters zu Stoßzeiten vor allem beim Rücktransport schon wieder überfüllte Bushaltestellen und Busse, was wir infektiologisch für nicht unbedenklich halten“, erklärt Corinna Dönges, Sprecherin der Universität. „Wir haben daher nochmals um sofortiges Handeln gebeten.“

„Uni-Express“ fährt wieder

Die WSW weisen darauf hin, dass sie seit Beginn des Wintersemesters wieder E-Wagen als „Uni-Express“ einsetzen – so viele wie im Winter 2019/2020. Beobachtungen vor Ort hätten ergeben, dass die Nachfrage noch deutlich geringer als damals sei – ein zusätzliches Angebot daher derzeit nicht erforderlich. Sie seien aber im Austausch mit der Universität.

Corinna Dönges nennt das „punktuelle Verstärkungen“, „die nichts mit der grundsätzlich von der Stadt versprochenen strukturellen Verbesserung der Situation zu tun haben“. Diese stünden noch aus. Von Seiten der Stadt heißt es dazu, dass „konkrete Planungen erst beauftragt werden, wenn im Rahmen der Haushaltsberatungen die Mittel dazu eingestellt sind“. Das wird noch dauern, befürchtet auch Sedat Ugurman (SPD), Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Auch er ist unzufrieden: „Dennoch erwarten wir, dass es zügig vorangeht.“

Kosten

Verlängerung aller Busse zum Hbf: 400 000 Euro/Jahr für WSW; Verlängerung aller Busse zum Hbf und mehr Kapazitäten: 750 000 Euro/Jahr für WSW; Verlängerung und Zweirichtungsverkehr Oberer Grifflenberg: 200 000 Euro/Jahr für WSW, 840 000 Euro einmalig für die Stadt; Verlängerung, Zweirichtungsverkehr Oberer Grifflenberg und verbesserte Infrastruktur: 100 000 Euro/Jahr für WSW, 920 000 Euro einmalig für die Stadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Wuppertaler Immobilien-Standort-Gemeinschaft: „,Mentalität der Kunden lässt Geschäfte sterben“
Wuppertaler Immobilien-Standort-Gemeinschaft: „,Mentalität der Kunden lässt Geschäfte sterben“
Wuppertaler Immobilien-Standort-Gemeinschaft: „,Mentalität der Kunden lässt Geschäfte sterben“
Neue App lohnt sich für mittlere Strecken
Neue App lohnt sich für mittlere Strecken
Neue App lohnt sich für mittlere Strecken
Schwarzfahrer nahm sich in seiner Zelle in Wuppertal das Leben
Schwarzfahrer nahm sich in seiner Zelle in Wuppertal das Leben
Schwarzfahrer nahm sich in seiner Zelle in Wuppertal das Leben
Handy-Parken soll im Frühjahr beginnen
Handy-Parken soll im Frühjahr beginnen
Handy-Parken soll im Frühjahr beginnen

Kommentare