Rechenfehler

Unfallstatistik sorgt für Irritationen

Bei einem Unfall Anfang Juni ist ein Ehepaar an der Uellendahler Straße gestorben.
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Bei einem Unfall Anfang Juni ist ein Ehepaar an der Uellendahler Straße gestorben.

Softwareunternehmen stellt Einwohnerzahl Wuppertals in Relation zu allen Fällen im Städtedreieck.

Von Alexandra Dulinski

Wuppertal. Die Stadt liegt in der Verkehrsunfallstatistik auf dem schlechten ersten Platz: Auf 6337 Verkehrsunfälle pro 100 000 Einwohner im Jahr 2021 kommt das Software-Unternehmen Milestone Systems. Mit dieser Zahl soll Wuppertal die Rangliste der 20 Großstädte anführen. Die Polizei ist allerdings irritiert: „Die erhobenen Zahlen können von hier aus weder nachvollzogen noch im Einzelnen kommentiert werden“, sagt Sprecher Alexander Kresta.

Ein Blick in den im März veröffentlichten Verkehrsbericht der Polizei zeigt: Die Zahlen von Milestone Systems können nicht stimmen. Verglichen hat das Unternehmen die Verkehrsberichte der 20 größten Städte aus den Jahren 2020 und 2021. In die Rechnung einbezogen wurden allerdings alle Unfälle, die das Polizeipräsidium im gesamten Städtedreieck aufgenommen hat, also auch in Remscheid und in Solingen. Gerechnet wurde aber mit der Einwohnerzahl Wuppertals. Ein Vergleich: Im gesamten Gebiet ereigneten sich 22 922 Unfälle, in Wuppertal waren es 13 840 – umgerechnet 3826 Verkehrsunfälle je 100 000 Einwohner.

Die erhobenen Zahlen können wir weder nachvollziehen noch kommentieren.

Alexander Kresta, Polizeisprecher

Die Polizei Wuppertal kann einen landesweiten Vergleich ziehen. In der Kategorie Verkehrsunfälle mit Personenschaden im Jahr 2021 bewegt sich die Stadt auf einem „sehr guten 6. Platz von 47 Kreispolizeibehörden in NRW“, im Bereich von 41 Polizeibehörden gebe es also mehr solcher Unfälle, so Kresta. „Die Gefahr, bei einem Verkehrsunfall in Wuppertal körperlich zu Schaden zu kommen, ist in Wuppertal also im Vergleich insgesamt niedrig“, schätzt er ein.

Die Unfallzahlen müssten im Kontext einer eingeschränkten Mobilität durch Corona-Maßnahmen in den Jahren 2020 und 2021 bewertet werden, erklärt Johannes Giewald vom ADAC Nordrhein auf Nachfrage. „Um die Zahl der Unfälle weiter zu senken, bedarf es großer Anstrengung“, heißt es vom ADAC.

Die oftmals in die Jahre gekommene und zu schmale Radverkehrsinfrastruktur müsse an die steigende Zahl an Fahrrad- und Pedelec-Fahrer angepasst werden. Pedelec-Fahrer sollten zudem vermehrt dafür sensibilisiert werden, ein Fahrtraining zu machen.

Milestone Systems hat die Zahlen auf Nachfrage hin inzwischen korrigiert – allerdings fehlen für vier Städte die bestätigten Unfallzahlen. Wuppertal soll nun mit 3826 Fällen pro 100 000 Einwohnern auf Negativ-Platz zwei liegen, direkt hinter Essen mit 4231 Unfällen.

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