Wettbewerb

Studenten bauen für den Solar Decathlon

Der Aufbau der Häuser beim Solar Decathlon geht in die heiße Phase.
+
Der Aufbau der Häuser beim Solar Decathlon geht in die heiße Phase.

Häuser in Wuppertal nehmen mehr Gestalt an. Doch nicht bei allen Teams läuft es rund.

Von Marvin Rosenhoff

Wuppertal. Theres Täumer ist eigentlich guter Dinge. Bei vielen Teilnehmerteams des Solar Decathlons liegen die Aufbauarbeiten in den letzten Zügen. Trotzdem gibt es keinen Grund sich zu entspannen. „Wir wollen natürlich, dass alle rechtzeitig fertig werden, aber ob das klappt, kann man noch nicht mit Sicherheit sagen“, sagt die 29-jährige Architektin. Täumer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim diesjährigen Solar Decathlon und steht den Teilnehmern als Ansprechpartnerin für Fragen rund um die Baustellenlogistik zur Verfügung.

Komplett fertig ist noch keins der 18 Teams, die an dem Finale des Wettbewerbs für nachhaltige Architektur teilnehmen. „Immer wieder haben die Studenten zwischendurch mit Problemen zu kämpfen, die den Abschluss des Aufbaus verzögern“, sagt Täumer. „Ein Team hat gestern schon angefangen, die Fenster zu putzen und heute streikt bei ihnen auf einmal die Elektrik.“ Ein unangenehmer Dauerbrenner sei auch der Regen. Immer wieder hätten die Teams mit Wassereinbrüchen zu kämpfen, die sie in ihren Plänen zurückwerfen würden, so Täumer.

Wer die Frist verpasst,erhält Strafpunkte

Viel Zeit bleibt den Teilnehmern jedenfalls nicht mehr. Am Freitag, 3. Juni, müssen die Aufbauarbeiten abgeschlossen sein. Denn bereits einen Tag später beginnen die eigentlichen Messungen für den Wettbewerb. Dann wird ermittelt, wie gut die 16 solarbetriebenen Häuser der Zukunft in Sachen Energieeffizienz, Dichtigkeit oder Eigenverbrauchsdeckung abschneiden. „Die Teams dürfen dann natürlich nicht mehr an ihren Häusern arbeiten“, sagt Täumer. Sollte trotzdem noch hier und da gewerkelt werden müssen, gäbe es dafür Punktabzug bei der Bewertung.

Dass ihr Team die Deadline noch einhalten kann, daran glaubt Quinn Sarah Hanitio nicht mehr. Zu groß seien die Probleme. Hanitio ist Mitglied im Team C-Hive der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg. Doch bei den Schweden will es kurz vor Ablauf der Aufbaufrist so gar nicht rundlaufen. „Wir müssen unsere Grundidee kurzfristig komplett verändern“, sagt die 24-jährige Studentin. „Ursprünglich wollten wir mit einer Holzfaserfassade aus dem 3-D-Drucker arbeiten, aber jetzt fehlen uns Teile, weil der Drucker in Schweden nicht verfügbar ist.“

Um nicht aufgeben zu müssen, grübelt das Team jetzt, wie es mit den verfügbaren Fassadenteilen zurechtkommen kann. Keine leichte Sache. Zumal es bei den Schweden nicht nur am notwendigen Baumaterial mangelt. „Wir sind das kleinste Team des Wettbewerbs“, sagt Hanitio. „Eigentlich bräuchten wir auch mehr Leute, die beim Aufbau mit anpacken.“

Einige Teams geben sich bereits siegessicher

Beim Team SUM von der Technischen Universität in Delft läuft es besser. Die Frist am kommenden Freitag einzuhalten, steht für Nikki de Zeeuw außer Frage: „Natürlich könnte es schneller gehen. Aber wir sind gut im Rennen, haben schon vorher vieles zusammengebaut und arbeiten jetzt vor allem an den Feinheiten.“ Das überrascht nicht. Schließlich beruht das Konzept des niederländischen Teams auf einer modularen und schnell zusammenzusetzenden Bauweise. „Wir möchten bereits vorhandene Wohnhäuser mit unseren Modulen aus umweltfreundlichen Materialien gewissermaßen ummanteln oder nach oben hin erweitern“, erklärt die Architekturstudentin. Die Häuser seien danach besser isoliert, bieten mehr Wohnraum und ein Abriss der alten Gebäude werde überflüssig.

Immer wieder haben die Studenten mit Problemen zu kämpfen.

Theres Täumer, Architektin

Beim diesjährigen Solar Decathlon geht das Team aus Delft mit einem Dachaufbau für ein bestehendes Wohnhaus in den Niederlanden an den Start. Das dürfte Punkte bringen. Denn die von den Studenten ausgetüftelten Wohnlösungen sollen im Idealfall nicht nur nachhaltig sein, sondern sich auch kreativ in den Baubestand einer echten Stadt einfügen. „Wir vereinbaren mit unserem Konzept Klimaschutz und Wohnraumschaffung, ohne dass etwas neu gebaut werden muss“, so Nikki de Zeeuw.

Wie sich das Haus der Niederländer am Ende vor der Jury schlägt, wird sich noch zeigen müssen. Trotzdem gibt sich die 26-Jährige schon jetzt selbstbewusst. „Ich denke, dass wir sehr gute Chancen haben, in diesem Jahr den Wettbewerb zu gewinnen“, sagt sie. Dabei vertraut de Zeeuw nicht zuletzt auf die Erfahrung ihrer Teambetreuer. Aus gutem Grund. Bei den letzten beiden Solar Decathlons landete das Team aus Delft unter ihrer Führung jeweils auf dem Treppchen. 2014 als Dritter und 2019 sogar als Zweiter. „Ist doch klar, dass wir dieses Jahr gewinnen müssen“, sagt de Zeeuw und lacht.

Führung

Wuppertal Marketing bietet im Rahmen des Solar Decathlon Europe 21/22 sieben Führungen über das Gelände an. Im Anschluss an die Führung können die einzelnen Häuser besichtigt werden. Immer um 10.30 Uhr an folgenden Tagen: Samstag, 11. Juni, Sonntag, 12. Juni, Donnerstag, 16. Juni, Samstag, 18. Juni, Sonntag, 19. Juni, Samstag, 25. Juni, Sonntag, 26. Juni. Tickets gibt es bei der Wuppertal Touristik, Alte Freiheit 23, Tel. (02 02) 5 63-21 80 und -22 70 oder unter www.wuppertalshop.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Steht der Primark-Standort auf der Kippe?
Steht der Primark-Standort auf der Kippe?
Steht der Primark-Standort auf der Kippe?
Springmann-Millionen beschäftigen Justiz
Springmann-Millionen beschäftigen Justiz
Springmann-Millionen beschäftigen Justiz
Hupkonzerte, Jubel und Straßensperren in Elberfeld nach Marokko-Sieg
Hupkonzerte, Jubel und Straßensperren in Elberfeld nach Marokko-Sieg
Hupkonzerte, Jubel und Straßensperren in Elberfeld nach Marokko-Sieg

Kommentare