Kohlfurth

Flutopfer stellen Strafanzeige gegen Behörden

Am 14. und 15. Juli stand die Kohlfurth sowohl auf Wuppertaler als auch auf Solinger Seite zu großen Teilen unter Wasser.
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Am 14. und 15. Juli stand die Kohlfurth sowohl auf Wuppertaler als auch auf Solinger Seite zu großen Teilen unter Wasser.
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In der Kohlfurth haben Hochwasser-Betroffene eine Interessengemeinschaft gegründet – sie klagen, dass sie nicht gewarnt worden seien

Von Andreas Boller und Andreas Tews

Wuppertal/Solingen. Das katastrophale Hochwasser vom 14. und 15. Juli hat ein juristisches Nachspiel. Etwa 30 Wuppertaler und Solinger Wupper-Anrainer aus der Kohlfurth haben eine Interessengemeinschaft Flutopfer gegründet. Zwei Personen aus diesem Kreis haben Strafanzeige gegen die beteiligten Behörden erstattet. Ihr Vorwurf: Die Bevölkerung sei zu spät alarmiert worden. Die Klagenden waren in der Flutnacht nach eigenen Angaben in Lebensgefahr geraten.

Nicht nur in der Kohlfurth, auch in anderen vergangene Woche überfluteten Orten äußerten Betroffene ähnliche Vorwürfe – auch in Solingen-Burg und Wuppertal-Beyenburg. Die Stadt Solingen, der bislang keine Klagen gegen sie bekannt sind, verwies auf Warnungen vor extremem Hochwasser, die vom Deutschen Wetterdienst und über die Warn-App Nina verbreitet worden seien. Darüber hinaus heißt es sowohl vom Wupperverband, als auch aus den Rathäusern der betroffenen Städte, man sei vom Ausmaß der Fluten überrascht worden.

Zu den Strafanzeigen erklärte Susanne Fischer vom Wupperverband, dass in Folge des Hochwassers derzeit „viele Schreiben, Mails und Schadensmeldungen eingehen“. Die würden jetzt geprüft.

Der Speicherfüllstand der Talsperre vom 9. bis zum 16. Juli.

Rechtsanwalt Frank Adolphs, der die betroffenen Kohlfurther vertritt, schildert, dass es in der Hochwassernacht in einigen Fällen zu lebensgefährlichen Situationen gekommen sei. Das Wasser sei über die Ufer getreten und binnen Sekunden flutwellenartig eingeströmt. Zahlreiche Häuser seien sehr stark beschädigt oder zerstört worden. Aus rein wirtschaftlicher Sicht sei ein Schaden in einer Größenordnung von mehreren Millionen Euro entstanden.

„Zahlreiche unserer Mandanten hielten sich zu diesem Zeitpunkt in ihren Kellern auf. Ungeahnt bestand für diese Menschen absolute Lebensgefahr, weil sie nicht wissen konnten, dass die Wupper infolge des Starkregenereignisses nicht langsam über die Ufer tritt, sondern eine Flutwelle über die Kohlfurth einbrechen würde“, so Frank Adolphs. In einem Fall sei ein 50-jähriger Mann gerade noch den Fluten entkommen. Der Kanzlei liegen zwei Mandate für Strafanzeigen vor. Sie richten sich gegen den Wupperverband und gegen alle in Betracht kommenden Beteiligten.

Weitere Mandate hat der Anwalt „zur Prüfung im Hinblick auf zivilrechtliche Ansprüche“. Die haben nur Aussicht, wenn bewiesen werden kann, dass den Betroffenen schuldhaft ein Schaden zugefügt worden ist. Dabei handele es sich um Betroffene, die keine Versicherung gegen Elementarschäden abgeschlossen haben.

Für seine Mandanten bestehe ein Widerspruch zwischen den eigenen Erlebnissen und den öffentlichen Verlautbarungen. „Als am frühen Morgen des 15. Juli in Wuppertal der Sirenenalarm ausgelöst wurde, waren die Häuser, Wohnungen und Arbeitsflächen unserer Mandanten längst abgesoffen und die Menschen saßen bereits seit Stunden in ihren notdürftig bezogenen Unterkünften bei Freunden oder Verwandten“, so Rechtsanwalt Frank Adolphs.

In ihrer Bewertung zu den Abläufen kommen die Stadt Wuppertal und der Wupperverband zu dem Schluss: „Die nachträgliche Prüfung aller Faktoren hat Schwachstellen aufgedeckt, die geprüft und behoben werden müssen.“ Bei ausgefallenen Kommunikationssystemen sei eine aktuelle Information über die Entwicklung und Warnungen an die Bewohner erschwert bis unmöglich gewesen. In Wuppertal sei jetzt die Wiedereinführung von Sirenen und weiteren Warnmöglichkeiten geplant. In Solingen hatte man hingegen auf den Einsatz der vorhandenen Sirenen verzichtet, um zu vermeiden, dass Anwohner das Haus überstürzt verlassen und dabei ertrinken.

Aus Wuppertal heißt es zudem, dass die Warnmeldungen des Wupperverbandes bei den adressierten Dienststellen nicht als so schwerwiegend gelesen worden seien. Dies sei möglicherweise auch deshalb geschehen, weil es zum Beispiel für den Ortsteil Beyenburg bei keinem der Wetterereignisse der letzten Jahrzehnte annähernd vergleichbare schreckliche Folgen gegeben habe. Hier müsse umgehend durch die Einführung unmissverständlicher Warnstufen die Kommunikation abgesichert werden, so die gemeinsame Erklärung von Stadt und Wupperverband.

Wasserstand

Die Grafik zeigt, dass der Wupperverband am Montag, 12. Juli, damit begann, Wasser aus der Wupper-Talsperre abzulassen, um Speicherkapazitäten für das Unwetter zu schaffen. Am Donnerstag, 15. Juli, stieß die Anlage an ihre Kapazitätsgrenzen. Danach ließ sie soviel Wasser passieren, wie vom Oberlauf der Wupper nachströmte.

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