Fotografie und Malerei

So wird das Jahr im Von der Heydt-Museum

Hans-Christian Schinks „Zwischen Lemmersdorf und Kleisthöhe“ aus der Serie „Hinterland“ wird in der Ausstellung „Freundschaftsanfrage No.1“ zu sehen sein. Foto: Hans-Christian Schink
+
Hans-Christian Schinks „Zwischen Lemmersdorf und Kleisthöhe“ aus der Serie „Hinterland“ wird in der Ausstellung „Freundschaftsanfrage No.1“ zu sehen sein.

An Anfang und Ende von fünf Präsentationen steht die Konfrontation von Fotografie und Malerei.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Das Jahr 2022 endet, wie es beginnt – jedenfalls im Ausstellungsplan, den das Team um Direktor Roland Mönig für das Von der Heydt-Museum erarbeitet hat. Während gerade noch die Menschen in die Expressionisten-Präsentation „Brücke und Blauer Reiter“ strömen, hat die Zukunft bereits konkrete Formen angenommen.

Für das Jahr besteht diese aus fünf Angeboten, an deren Anfang und Ende die Konfrontation von Fotografie und Malerei steht. Außerdem werden die Sammlung neu befragt, neue Aspekte bekannter Genres aufgezeigt, Kunstschaffende verschiedener Epochen in einen Dialog gebracht, die Kunst der letzten 120 Jahre präsentiert.

Wir sind uns oft selbst fremd, dürften also keine Schwierigkeiten haben, Fremde zu verstehen.

Direktor Roland Mönig

Hans-Christian Schink (Jahrgang 1961) ist ein wichtiger Protagonist zeitgenössischer Fotografie. Roland Mönig kennt ihn noch aus seiner Saarbrückener Museums-Zeit, schätzt seinen „unaufgeregten und präzisen Blick“, den er „mit großer Reflexion und großer technischer Askese“, also ohne Photoshop, kombiniert.

In seiner Serie „Hinterland“, die in der Ausstellung „Freundschaftsanfrage No. 1“ gezeigt wird, lenkt der gebürtige Erfurter diesen Blick unter anderem auf Landschaften Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs. Die Schau musste wegen der Pandemie mehrfach verschoben werden. Umso mehr freut sich Mönig, dass sie gerettet werden konnte.

Sie eröffnet zudem eine neue Reihe im Museum, die die Sammlung unter Aspekten moderner Kunst befragen wird. In diesem Fall sind es Hauptwerke der Sammlung zur Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert (27. Februar bis 10. Juli 2022).

Günter Aust (1921 bis 2018) leitete von 1962 bis 1985 das Von der Heydt-Museum. Er erwarb „mit erstaunlichem Gespür“ zahlreiche Kunstwerke, die in den 1960er und 1970er Jahren entstanden. Werke des Zero, Pop und Minimal, die nun, mit dem Abstand eines halben Jahrhunderts und wie damals in einer Zeit der Transformation, in den „Fokus Von der Heydt“ rücken.

„Wir setzen damit unsere Sammlungspräsentation ‚An die Schönheit’ (sie wurde vom Juni 2020 bis September 2021 gezeigt, Red.) fort, zeigen diesmal kein Panorama, sondern richten den Fokus auf das, was das Museum damals war“, sagt Mönig.

Er setzt damit ein ihm wichtiges programmatisches Anliegen fort, weshalb die Schau auch über ein Jahr hängen soll. Gezeigt werden nicht nur die bekannten Namen, so dass so manche Wiederentdeckung wartet (10. April 2022 bis Juli 2023).

2018 würdigte das Museum Jankel Adler (1895 bis 1949) mit einer umfassenden und folgenreichen Retrospektive: 2020 konnte ein umfangreiches Konvolut aus 548 Grafiken und vier Gemälden angekauft werden, so dass ein neuer Sammlungsschwerpunkt über den spätexpressionistischen Star der 1920er und 1930er Jahre aufgebaut werden konnte. Im Rahmen eines vom Land geförderten Volontariats bereitete die Kunsthistorikerin Kateryna Kostiuchenko die Bestände wissenschaftlich auf. Das Ergebnis beweist unter dem Titel „Metamorphosen des Körpers“, dass der experimentierfreudige Künstler immer neue Wege fand, den menschlichen Körper darzustellen (8. Mai bis 28. August 2022).

Einen „diachronischen Schnitt durch 120 Jahre Kunst anhand menschlicher Darstellungen“ macht eine weitere Ausstellung, die dafür (Selbst-)Bildnisse präsentiert, deren älteste im späten 19. Jahrhundert und deren jüngste 2020 entstanden. Im Untertitel werden stellvertretend die Namen Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907) und Zanele Muholi (geboren 1972) angeführt.

Die Südafrikanerin wird gerade in einer viel beachteten Schau im Gropius-Bau in Berlin präsentiert. In ihrer durchaus politischen Fotokunst tritt sie aktiv für die Rechte der LGBTQ+-Gemeinschaft ein. Das Museum besitzt seit 2020 sechs Dauerleihgaben von ihr, „tolle Bilder, die etwas in einem bewegen“, so Mönig.

„Fremde sind wir uns selbst“ (so der Titel der Schau) zitiert ein gleichnamiges Buch von Julia Kristeva von 1990, in dem sich diese mit dem Migrationsthema auseinandersetzte. „Wir sind uns oft selbst fremd, dürften also keine Schwierigkeiten haben, Fremde zu verstehen“, erklärt Mönig den Bezug (21. August 2022 bis 29. Januar 2023).

Um zwei Kunstformen, die sich im 19. Jahrhundert parallel entwickelten, geht es schließlich bei der Schau „Eine neue Kunst“, die Fotografie und Impressionismus zusammenbringt. Vertreter beider Richtungen, die durchaus auch beides machten, warfen einen neuen Blick auf die Natur – die einen mit Pinsel und Farbpalette, die anderen mit dem Fotoapparat, der mit Licht in Bruchteilen von Sekunden zeichnete.

In Kooperation mit dem Museum Barberini in Potsdam, das die Schau zuvor (12. Februar bis 8. Mai 2022) zeigt, werden historische Fotos und inhaltlich verwandte Bilder aus der Sammlung präsentiert. So schließt sich die inhaltliche Klammer, die nebenbei auch die Reihe impressionistischer Ausstellungen im Haus fort- und nun einen neuen Akzent setzt (2. Oktober 2022 bis 8. Januar 2023).

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Osterholz in Wuppertal: Aktivisten-Camp wird heute geräumt - Rodung startet
Osterholz in Wuppertal: Aktivisten-Camp wird heute geräumt - Rodung startet
Osterholz in Wuppertal: Aktivisten-Camp wird heute geräumt - Rodung startet
Utopiastadt: Blaupausen-Wettbewerb bringt Ideen für leere Halle
Utopiastadt: Blaupausen-Wettbewerb bringt Ideen für leere Halle
Utopiastadt: Blaupausen-Wettbewerb bringt Ideen für leere Halle
DSDS-Sieger singt im Bergischen Land
DSDS-Sieger singt im Bergischen Land
DSDS-Sieger singt im Bergischen Land

Kommentare