Engagement

Sie retten krummes Gemüse vor dem Müll

Maximilian Barden (Finanzen), Stella Bredenhöller (Marketing), Rajiv Nehring (Projektleitung) und Hanna Wagner (Finanzen, v. l.) engagieren sich bei Re:Foods. Foto: Stefan Fries
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Maximilian Barden (Finanzen), Stella Bredenhöller (Marketing), Rajiv Nehring (Projektleitung) und Hanna Wagner (Finanzen, v. l.) engagieren sich bei Re:Foods.

Wuppertaler Studenten treten gegen Lebensmittelverschwendung an

Von Tanja Heil

Wuppertal. Studierende der Wuppertaler Universität möchten soziale und ökologische Probleme lösen. Dafür haben sie sich der Organisation Enactus angeschlossen. Ein Projekt dieser Initiative ist Re:Foods, in dem sich acht Studierende aus den Wirtschaftswissenschaften, dem Nachhaltigkeitsstudiengang und der Gesundheitsökonomie seit sechs Wochen engagieren.

Vorher existierte das Projekt mit anderen Menschen unter dem Namen Wastyfoods, wurde durch die Pandemie jedoch ausgebremst. Das Anliegen der Studierenden: Gemüse, das Landwirte nicht verkaufen können, weil es zu krumm, zu klein oder zu unförmig ist, zu verwerten. Laut WWF gehen weltweit jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen Kartoffeln auf dem Weg vom Acker zum Teller verloren.

„Wir wollen, dass kein Gemüse weggeworfen wird“, nennt Rajiv Nehring das Ziel von Re:Foods. Die erste Idee des Teams war, das „unästhetische“ Gemüse bei den Landwirten einzusammeln und an die Gastronomie zu liefern. Die Gastronomen hatten daran jedoch kein Interesse, weil sie lieber alles aus einer Hand beziehen. Deshalb beschlossen die Studierenden, Suppe aus dem Gemüse zu kochen und diese in Gläsern zu verkaufen. Also fragten die Studierenden bei den Wuppertaler Landwirten nach solchen unverwertbaren Gemüsen – und stellten fest, dass es das in Wuppertal gar nicht gibt. „Es fällt zwar immer mal wieder etwas an – aber nur in sehr geringen Mengen“, so die Erkenntnis von Rajiv Nehring. Deshalb soll der Radius jetzt auf 100 Kilometer erweitert werden. Schließlich wird am Niederrhein deutlich mehr Gemüse angebaut als in Wuppertal. Von Brocker Möhren in Willich bekommen sie zukünftig 50 Kilo Möhren pro Monat.

Jetzt kochen die Studierenden auf dem heimischen Herd erst einmal eine Probesuppe und füllen sie für Freunde und Familie ab. „Unsere größte Herausforderung ist es, Erfahrung im hygienisch richtigen Abfüllen der Suppen zu sammeln“, sagt Rajiv Nehring. Später sucht die Gruppe einen Gastronomiebetrieb, dessen Küche sie dafür nutzen können oder der das Kochen übernimmt. Das erste Suppenrezept stammt von einer befreundeten Köchin.

Wuppertaler Landwirte: Wir werfen ohnehin nichts weg

Gleichzeitig hat Re:Foods schon eine große Medienkampagne gestartet, einen Businessplan aufgestellt und Absatzmöglichkeiten für die bisher noch nicht vorhandenen Suppen gesucht. Langfristig sollen Landwirte über eine App unverkäufliche Reste melden können. Die Wuppertaler Landwirte reagieren eher skeptisch: „Bei uns wird nichts weggeworfen. Kartoffeln, die kleine Schäden haben, verfüttern wir an die Kühe“, erzählt Landwirt Karl-Ulrich Schäfer. Kleine Kartoffeln gehen als Drillinge in den Direktverkauf, die anderen nach Größen sortiert ebenfalls. Auch Irmgard Bröcker vom Gut zur Linden verwertet mit ihrem Team die komplette Ernte. Zwar gebe es tatsächlich Kunden im Hofladen, die zu kleine Kartoffeln oder unförmige Möhren aussortieren. „Aber die werden dann samstags vom Kindertisch Vohwinkel abgeholt – die machen daraus immer leckere Mahlzeiten.“

Einiges landet auch im eigenen Kochtopf des großen Hofteams. Beide Landwirte sind sich einig, dass in Wuppertal kein Gemüse aus ästhetischen Gründen weggeworfen wird.

www.enactus.de/wuppertal/projekte/refoods

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