Pandemie

Seit Samstag bleiben Clubs wieder geschlossen

Das Tanzen in Clubs ist seit Samstag vorerst nicht mehr möglich. Archivfoto: Sascha Rixkens
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Das Tanzen in Clubs ist seit Samstag vorerst nicht mehr möglich.

Die Regelung überraschte die Betreiber am Freitagnachmittag. Dehoga kritisiert Schließung als unverhältnismäßig.

Von Martin Lindner

Wuppertal. Die Hiobsbotschaft ereilte Club- und Diskothekenbetreiber am Freitagnachmittag: Diskotheken, Clubs und vergleichbare Veranstaltungsorte müssten unabhängig vom Inzidenzwert schließen, und das schon um Mitternacht von Freitag zu Samstag, erklärte Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin des Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) Nordrhein am Freitagnachmittag.

„Die Clubs und Diskotheken haben eingekauft, jetzt können sie zumachen“, sagte sie kopfschüttelnd. „Montag hätte ich noch verstanden, aber das ist sehr kurzfristig.“ Auch Haakon Herbst, Regionalpräsident im Dehoga Nordrhein-Westfalen, kritisiert: „Clubs und Diskotheken sollen geschlossen und Beschäftigte nach Hause geschickt werden, ohne dass es belastbare Daten und Fakten über ein besonderes Infektionsrisiko gibt. Das ist unverhältnismäßig.“

Noch am Donnerstag hätte das Ordnungsamt grünes Licht gegeben

Jan Preiß, Inhaber des Kitchen Klub in Wuppertal, bekommt bei den neuen Corona-Regeln „einen dicken Hals“. Noch am Vortag habe er mit dem Ordnungsamt telefoniert und sich erkundigt, nach welchen Kriterien er öffnen könne. Ihm sei grünes Licht gegeben worden. So hat er für seine Gäste eingekauft, die Feier am Freitagabend in den sozialen Medien beworben.

Preiß sorgt sich auch um seine Mitarbeiter, größtenteils Minijobber, die er wieder entlassen muss: „Ich weiß auch nicht, wie lange die das Spielchen noch mitmachen. Wenn wir in zwei Wochen doch wieder öffnen dürfen, haben sie sich doch schon andere Jobs gesucht.“ Das Ordnungsamt trage nicht dazu bei, die Verwirrung zu lösen, beklagt Preiß. Ursprünglich habe ihm die Behörde gesagt, wenn die Inzidenz sieben Tage über 350 liegt, müsse nach dem 7. Tag die Lokalität geschlossen werden.

Am Freitag sei es erst der erste Tag gewesen, an dem der Inzidenzwert in Wuppertal diese Marke überschritten hatte – doch diese ist für Clubs und Diskotheken nun obsolet. Auch sei ihm mitgeteilt worden, dass wenn die Inzidenz unter den Wert von 350 falle, er theoretisch wieder öffnen könne. Preiß empfindet die Regelungen schwer nachvollziehbar und spricht von „Willkür“. Ursprünglich sollte der Kitchen Klub am Freitag um 22 Uhr öffnen – „dann hätte ich zwei Stunden geöffnet haben können. Die Leute müssen 10 Euro bezahlen, da hätten sie mir den Vogel gezeigt.“ So blieb der Klub am Freitag ganz zu.

Auch das Team des U-Club prangert die Entscheidung an und erklärt, dass Ministerpräsident Hendrik Wüst die Clubs in einen neuen Lockdown auf unbestimmte Zeit stürze. Auf der Internetseite bedankt sich die Geschäftsführung bei den Gästen für die drei Monate, die sie gekommen waren. „Als wir Anfang September geöffnet haben, kam es uns vor wie ein wunderschöner Traum“, schreibt das Team. Man habe sich an alle Vorschriften gehalten, auch streng die Einhaltung der 2Gplus-Regelung kontrolliert und dafür sogar ein eigenes und zertifiziertes Testzentrum direkt am U-Club installiert. „Jeder Supermarkt, jedes Shopping-Center oder jedes öffentliche Verkehrsmittel hat weniger Auflagen und setzt wesentlich weniger Maßnahmen um als wir“, sagt die Geschäftsführung des U-Club, und schließt mit dem Appell: „Schöne Weihnachten, einen guten Rutsch, und lasst euch impfen!“

Krisenstabsleiter Johannes Slawig kann den Ärger über die schmerzlichen finanziellen Einbußen der Club- und Diskothekenbetreiber sehr gut nachvollziehen. Er spricht sich dafür aus, dass – wie auch die gesamte Veranstaltungsbranche – Hotels und Restaurants finanziell vom Staat unterstützt werden. Denn die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie würden noch bis ins neue Jahr hineinreichen: „Das endet alles nicht in der Silvesternacht“, betont er. Dennoch sei es nun wichtig, sehr schnell Kontaktreduzierungen herbeizuführen, um die Corona-Welle zu brechen.

Für Melanie Hachel vom Underground ist die Schließung „ein Schlag ins Gesicht“, da dadurch die Haupteinnahmequelle wegbricht. „Wir haben die gesamte Corona-Zeit über versucht, alles umzubauen, damit die Gäste sich wohlfühlen. Das war aber leider wieder nicht in genug“, sagt sie enttäuscht. Die Maßnahme führte nun dazu, dass sie auch die Kneipe schließen mussten, da mit ihr allein nicht genug Umsatz zusammenkommt.

Verordnung

Corona-Schutzverordnung: „Der Betrieb von Clubs, Diskotheken und vergleichbaren Einrichtungen ist untersagt“, so heißt es unter „§ 5 Untersagung des Betriebs von Einrichtungen“ in der aktuellen Coronaschutzverordnung des Landes NRW.

Gültigkeit: Sie trat am vergangenen Samstag, 4. Dezember, in Kraft und gilt bis einschließlich Dienstag, 21. Dezember.

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