Welterbe

Seine Brieftauben sind immer kräftig und gesund

Hans Lekscha hat mit seinen Brieftauben schon viele Preise gewonnen. Foto: Anna Schwartz
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Hans Lekscha hat mit seinen Brieftauben schon viele Preise gewonnen.

Hans Lekscha aus Wuppertal-Barmen ist erfolgreicher Brieftaubensportler – sein Hobby ist jetzt Welterbe.

Von Marvin Rosenhoff

Wuppertal. Für viele Menschen ist die Taube nicht gerade ein Sympathieträger. Sie gilt als schmutzig, dumm und obendrein als Überträger gefährlicher Krankheiten. Dass die Tiere mehr draufhaben, als die meisten ihnen auf den ersten Blick zutrauen, wird deutlich, sobald Hans Lekscha von seinen Vögeln erzählt. Lekscha züchtet Brieftauben und leistet damit zugleich einen Beitrag zum Erhalt eines echten Kulturgutes. Denn die Brieftaubenzucht wurde im März dieses Jahres von der Unesco zum immateriellen Welterbe in Deutschland erklärt.

Was viele nicht wissen: Die Arbeit mit Brieftauben ist ein echter Sport. Und Lekscha ist Profi durch und durch. 100 Tauben hält der 72-Jährige in seinem Garten in Wuppertal Barmen. Regelmäßig schickt er seine Vögel bei Wettkämpfen quer durch Deutschland auf die Reise. Mit Erfolg: 2016 wurde er deutscher Meister, hat sogar schon bei Olympia teilgenommen. Keine Frage, dass er in Wuppertal zu den Besten gehört. Davon zeugt auch die beeindruckende Sammlung an Pokalen und Urkunden, an denen man auf dem Weg zu den Taubenställen vorbeikommt. Wie viele Preise er in seiner Laufbahn als Taubensportler gewonnen hat, weiß er nicht. „Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen“, sagt er.

Bis zu 14 Preisflüge absolvieren ausgewachsene Brieftauben im Jahr. Dabei legen sie zum Teil Strecken von 650 Kilometern zurück. Bei gutem Wetter sind sie nach sieben Stunden am Ziel. Vor einem Wettkampf werden die Tauben mit einem Lkw an einer Sammelstation abgeholt und in Boxen an den Startpunkt gefahren. Dann geht es los. Sobald die Boxen geöffnet werden, machen sich die Tauben im Direktflug auf den Weg nach Hause. Die schnellsten gewinnen. Wie ihnen das immer wieder gelingt, ist bis heute nicht geklärt. Eins ist jedoch klar: Briefe haben sie nicht dabei.

Wie es sich für echte Profisportler gehört, müssen auch Lekschas Tauben regelmäßig trainieren. Einmal pro Woche fliegen sie auf Zeit. Gemessen wird mit einem Chip im Fußring. Jeden Morgen und jeden Abend verlassen sie außerdem den Stall, um sich für ein paar Stunden an der frischen Luft die Zeit zu vertreiben. „Das ist wie nach einem anstrengenden Fußballspiel, wenn die Spieler auslaufen, um die Muskeln zu lockern“, erklärt er.

Lekschas Tauben haben keine Namen. Dafür kennt er von jedem Vogel die Nummer, die auf den kleinen bunten Ring um den Fuß des Tieres gedruckt ist. Und die Tiere kennen ihn. Wenn Lekscha den Stall betritt, bleiben sie ganz ruhig und lassen sich ohne Protest von ihm in die Hand nehmen. „Wenn man täglich mit den Vögeln zu tun hat, lernt man sich zwangsläufig kennen und baut eine gewisse Beziehung auf“, sagt Lekscha. „In manchen Ländern bekommen die Vögel Namen von berühmten Sportlern, aber hier machen wir das normalerweise nicht“. Auch für die Zucht sei es wichtig, die Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere zu kennen, sagt er.

Seit 1997 ist der gebürtige Oberschlesier als Taubenzüchter in Deutschland aktiv. „Ich bin in meiner Heimat mit der Taubenzucht groß geworden“, erzählt er. „Ein Nachbar hat mich dann inspiriert, hier in Wuppertal selber in die Zucht einzusteigen.“ Nur einmal habe er mit dem Gedanken gespielt, seine Leidenschaft wieder an den Nagel zu hängen. Nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft sind Unbekannte in seinen Stall eingebrochen und haben 40 seiner Siegertauben gestohlen. „Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon wieder Taubennachwuchs, sonst hätte ich hingeschmissen“, sagt er.

Brieftaubensport ist platz-, zeit- und geldintensiv

Vier bis fünf Stunden widmet sich Lekscha täglich der Pflege seiner Schützlinge. Als er noch bei Bayer im Schichtdienst arbeitete, kümmerte seine Frau sich um die Tiere. Geld verdienen will Lekscha mit den Tauben nicht. Im Gegenteil – rund 3000 Euro im Jahr lässt er sich sein Hobby kosten. Für Futter, Tierarztbesuche und Stallarbeiten.

Lekscha versteht manche der Vorbehalte gegenüber Tauben. Im Gegensatz zu den Vögeln aus der Stadt seien Brieftauben aber immer gut gepflegt, kräftig und gesund. Als Profi erkenne man den Unterschied sofort, meint er. Eine Brieftaube kann bis zu 20 Jahre alt werden. Etwa fünf bis sechs Jahre dauert ihre Karriere als Sportler. Danach geht es für die Tauben in die Zucht.

Für Hans Lekscha ist die Brieftaubenzucht das perfekte Rentnerhobby. „Man muss früh aufstehen, die Tiere versorgen und sich die Nummern merken“, sagt er. „Das hält fit.“ Wie es um die Zukunft des Welterbes bestellt ist, ist allerdings ungewiss. Nachwuchs zu finden wird immer schwieriger. „Es ist sehr zeitintensiv. Man braucht auch viel Platz. Für junge Leute ist das nichts“, sagt Lekscha.

Brieftauben

Brieftauben haben ein exzellentes Orientierungsvermögen und können in kurzer Zeit weite Strecken zurücklegen. Früher wurden diese Fähigkeiten dafür genutzt, um Nachrichten zu übermitteln. Insbesondere im militärischen Bereich. Heute werden Brieftauben fast nur noch für sportliche Zwecke gezüchtet und gehalten.

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