Wirtschaft

Rohstoff-Mangel bringt Unternehmer in Not

Weil das Kupfer fehlte, mussten einige Abteilungen bei Muckenhaupt zeitweise schließen und die Mitarbeiter zuhause bleiben.
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Weil das Kupfer fehlte, mussten einige Abteilungen bei Muckenhaupt zeitweise schließen und die Mitarbeiter zuhause bleiben.

Holz und Kupfer gehen aus – Weltweite Knappheit bereitet Industrie große Sorgen

Von Stephan Eppinger

Wuppertal. Die Knappheit an Rohstoffen stellt derzeit die Wirtschaft vor große Probleme. Betroffen ist dadurch nicht nur das Handwerk, dem vor allem Holz und Kunststoffe fehlen, sondern auch die Industriebetriebe. „Wir verbrauchen bei der Kabelherstellung Kupfer und diverse Kunststoffe. Derzeit haben wir bei allen Materialien steigende Lieferzeiten und Preise. Manche Dinge sind zeitweise gar nicht verfügbar. Wir haben Mitarbeiter, die seit 30 Jahren im Einkauf sind, und die sagen, dass sie so eine Situation noch nicht erlebt haben“, sagt Christian Muckenhaupt, Geschäftsführer beim Wuppertaler Unternehmen Muckenhaupt & Nusselt.

16 bis 18 Wochen müssen Unternehmen auf Material warten

Bei den Rohstoffen verschieben sich die Lieferzeiten beim Kabelhersteller von ein bis vier auf nun 16 bis 18 Wochen, beim Kupfer von ein bis drei Wochen auf mehr als 16 Wochen. „Das kam im ersten Quartal von heute auf morgen. Schlimm ist, dass unsere Lieferanten überhaupt nicht mehr sagen können, wann die Materialien bei uns ankommen werden“, so Muckenhaupt. „Das betrifft zum Beispiel Kunststoffe, die bestimmte Komponenten wie Abfallprodukte bei der Kerosinherstellung benötigen. Da wenig geflogen wird, sind die rar geworden. Man bekommt jetzt ein ganz anderes Bewusstsein für wirtschaftliche Kreisläufe. Wir versuchen jetzt zu bestellen und einzulagern, was irgendwie verfügbar ist. Das bindet natürlich Kapital und Platz.“ Bitter für das Unternehmen ist, dass die Auftragseingänge eigentlich gut sind. Dagegen fallen die Umsätze wegen des Rohstoffmangels unter Plan.

Dass der Rohstoffmangel bei den Betrieben die Erwartungen senkt, merkt man auch bei der Bergischen IHK: „Bei unserer Frühjahrsumfrage haben 60 Prozent der Industriebetriebe angegeben, dass der Mangel und die steigenden Preise für Rohstoffe für sie zu den wichtigen Risikofaktoren gehören. Das zieht sich durch alle Industriezweige und Rohstoffe von Metall über Holz bis zu Chips. Wir haben hier im Bergischen Städtedreieck vor allem metallverarbeitende Betriebe, die von der Lage besonders betroffen sind“, sagt Hagen Hintze, Volkswirt bei der IHK und Referent im Geschäftsbereich Starthilfe und Unternehmensförderung. Als Ursachen dafür erkennt er die Konjunkturerholung rund um den Globus. Gerade China und die USA wachsen wirtschaftlich wieder stärker als aktuell Europa, was die Nachfrage immens steigert.

Gewohnte Kapazitäten können erhöhte Nachfrage nicht stemmen

„Insgesamt ist zum Beispiel in den USA die Nachfrage nach Dienstleistungen gesunken, dafür werden mehr materielle Güter gekauft und dafür braucht man mehr Rohstoffe“, sagt Hintze. Es sei nicht untypisch, dass es so eine Entwicklung bei einer kräftigen, globalen wirtschaftlichen Erholung nach einer Krise gebe. „Da können dann die Förderkapazitäten und die Transportkapazitäten nicht mehr mit der Nachfrage mithalten, was zu einer Verknappung führt. Aber ich gehe davon aus, dass diese Kapazitäten mittelfristig angepasst werden“, so Hintze.

Bei Vorwerk, die unter anderem das Küchen-Multifunktionsgerät Thermomix herstellen, sind die Auswirkungen der Rohstoffknappheit nicht so gravierend: „Die aktuelle Lage ist für unseren Einkauf und die Produktion schon eine Herausforderung. Wir haben aber aktuell keine Produktionsausfälle wegen fehlender Rohstoffe. Das liegt unter anderem auch daran, dass wir langjährige und gute Beziehungen zu unseren Lieferanten pflegen. Das zahlt sich jetzt in der Krise aus“, sagt der Leiter der Unternehmenskommunikation, Michael Weber.

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