Camp eingerichtet

Osterholz: Aktivisten kündigen Widerstand wie im Hambacher Forst an

Im Osterholz haben die Aktivisten ihr Camp eingerichtet. Sollte es vor der Rodung zur Räumung kommen, ist mit Widerstand zu rechnen. Foto: Stefan Fries
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Im Osterholz haben die Aktivisten ihr Camp eingerichtet. Sollte es vor der Rodung zur Räumung kommen, ist mit Widerstand zu rechnen.

Die Kalkwerke haben grünes Licht für Haldenerweiterung erhalten. Dafür muss ein Waldstück gerodet werden. Oberbürgermeister Schneidewind besorgt: „Gewalt ist inakzeptabel“

Von Jonas Meister und Miriam Karout

Wuppertal. Nachdem die Suche nach einer Alternative für die Erweiterung der Halde der Kalkwerke Oetelshofen gescheitert ist, spitzt sich die Lage im Wuppertaler Osterholz zu. Für den Fall einer Rodung kündigten die radikalen Gegner im Wald bereits massiven Widerstand an.

Damit drohen Zuständen wie vor einigen Jahren im Hambacher Forst. „Sobald die Cops kommen, wird es wieder zu unglaublich viel Polizeigewalt kommen. Ich werde mich wehren, bevor ich einen Stiefel im Gesicht, eine Knarre an den Kopf oder Handschellen angelegt bekommen werde“, las eine vermummte Aktivistin in einer schriftlichen Erklärung vor.

Im Internet formieren sich die radikalen Gegner bereits seit einigen Tagen. So wird in einem Tweet etwa zu „Workshops zur Vorbereitung der Räumung/Rodung“ im Osterholz eingeladen, bei denen es ums Klettern, Barrikadenbau und Rechtshilfe geht.

Oberbürgermeister Schneidewind besorgt: „Gewalt ist inakzeptabel“

Eine Entwicklung, die Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind Sorgen macht. „Ich kann nur an alle appellieren, gewaltfrei und gesetzeskonform zu protestieren. Gewalttätige, persönliche Angriffe auf die Kalkwerke Oetelshofen oder die Polizei sind absolut inakzeptabel“, erklärte er jetzt gegenüber der Redaktion.

Als grüner Oberbürgermeister kann er die Enttäuschung über das Aus für einen Alternativstandort der Haldenerweiterung nach eigener Aussage sehr gut verstehen. Dass nun im Angesicht der Klimakrise fünf Hektar Wald abgeholzt werden sollen, nachdem lange an einem Runden Tisch diskutiert wurde, empfindet Schneidewind als „Unding“.

Die Hauptschuld trägt aus seiner Sicht dabei die aktuelle Gesetzeslage: „Hier muss endlich auch der Waldschutz inkludiert werden.“ Es könne nicht sein, dass Rheinkalk als direkter Nachbar der Kalkwerke ausreichend Platz für eine Abraumlagerung habe, dieser aber nur für den Fall eines Alternativmangels gegen eine Gebühr angeboten werden dürfte.

Schneidewind: „Da aber der rechtskräftige Planfeststellungsbeschluss und damit die Rodung im Osterholz laut Gesetz eben als Alternative gilt, wird die absolut naheliegendste Lösung ausgeschlossen.“

Stadt soll Verantwortung für die Rodung übernehmen

„Es stört uns sehr, dass Herr Schneidewind immer wieder unter den Tisch fallen lässt, dass wir zwei Jahre lang versucht haben, mit der Stadt zu sprechen“, reagiert René Schuijlenburg von der Bürgerinitiative „Osterholz bleibt“.

Schon letzte Woche hatte die Bürgerinitiative gemeinsam mit den Aktivisten vor Ort und unter anderem Vertretern von Fridays for Future in Wuppertal eine Pressekonferenz im Osterholz veranstaltet. Von der Stadtverwaltung und der Politik wünsche man sich, dass Verantwortung für die Rodung übernommen werde. Aktuell warte man noch die Klage beim Oberverwaltungsgericht ab. Auch die Mahnwache der Bürgerinitiative soll zur Aufklärung weitergehen.

Wenn die Rodung startet, rechnet Schuijlenburg nicht damit, dass die Aktivisten im Wald freiwillig gehen werden: „Die werden auf jeden Fall Widerstand leisten.“ Sie würden schauen, wie sie selbst im letzten Moment den Wald noch retten könnten. Die vergangenen zwei Jahre seien aber nicht umsonst gewesen: „Wir haben viele Diskussionen angeregt und bevor jemand ein neues Planverfahren für das nächste Stück einreicht, werden sie erst mal überlegen“, meint er.

Dem stimmt Arian Gaubig von Fridays for Future Wuppertal zu. „Die Chancen für dieses Stückchen Wald stehen aktuell nicht gut, ich habe aber immer noch Hoffnung, dass verschiedene politische Akteure aus der Reserve kommen und sich dazu äußern, in welcher Form auch immer“, so Gaubig. Im Regionalplan sei aber schon das nächste Waldstück ausgewiesen, das gerodet werden soll. Die Firma würde sich jetzt überlegen, ob sie das noch mal durchmachen wolle.

Den Vorschlag der Grünen, dass nur die Hälfte gerodet werden soll, findet er schon mal besser, aber genug sei das nicht. Vor allem aber Oberbürgermeister Schneidewind solle jetzt ein Zeichen setzen: „Unser OB, der sich das auf die Fahne geschrieben hat, muss auf jeden Fall hier im Kleinen beginnen. Wenn die großen Stellschrauben nicht gestellt werden, haben wir ein Riesenproblem“, meint Gaubig.

Dazu auch: Im Osterholz darf gerodet werden

Osterholz: Kalkwerke dürfen Halde erweitern

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