Kunstaktion

Mirker Freibad verwandelt sich in eine Kulturlandschaft

Hans Hoge vor seinem Kunstwerk „Wir bauen auf und reißen nieder“. Foto: Stefan Fries
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Hans Hoge vor seinem Kunstwerk „Wir bauen auf und reißen nieder“.

Wuppertal. Hans Hoge will die Kunst auf dem idyllischen Gelände in Wuppertal etablieren.

Von Monika Werner-Staude

Eine Anlage mit Wucht nennt Hans Hoge das Mirker Freibad. Schon als er es das erste Mal sah, vor mehr als zehn Jahren, war er begeistert und erkannte zugleich, dass „eine Aufgabe damit verbunden“ sei. Die auch 2021 alles andere als erledigt ist. Womit nicht die umkämpfte Wiedereröffnung des unter Denkmalschutz stehenden Naturschwimmbades gemeint ist. Sondern eine andere Dimension, die dem Künstler am Herzen liegt. Er will die Kunst auf dem idyllischen Gelände unterhalb des Mirker Hains etablieren.

Im Moment präsentiert der gebürtige Dresdener und Wahl-Wuppertaler eine Freiluft-Ausstellung mit insgesamt fünf Künstlerinnen und Künstlern, die sich aus Studienzeiten an der Kunstakademie in Düsseldorf kennen. Der Ausstellungstitel „Contemporaryscapes – M3H2“ ist sperrig. Ein Kunstwort, aus Gegenwart und Landschaft geformt, weil es um aktuelle, urbane Landschaften geht, deren künstlerisches Potenzial erschlossen werden will, so Hoge. So wie das beispielsweise im Ruhrgebiet mit den ausgedienten Industrieanlagen geschieht oder mit dem Heckinghauser Gaskessel in Wuppertal.

„Kultur tut gut“, ist Hoge sicher, und erklärt dies am Beispiel Mirker „Schwimmlandschaft“. Dort könnte langfristig Kultur eine Nutzungsverlängerung über die übliche Freibadsaison hinaus bedeuten. Indem kurzfristig die Liegewiese oberhalb des langgestreckten Beckens zum Skulpturenpark wurde.

Verein und Kunst bewegten sich in Wuppertal über die Jahre aufeinander zu

Mit Plastiken von Hoger selbst und Carl Hager sowie Bettina Mayer, die zwei beziehungsweise vier witzig-nachdenkliche Plastiken zeigen. Hinzu kommen noch zwei Bilder von Annette Marcks und zwölf von Lucia Meneghini, was die Kürzel M3 (drei Künstlerinnen, deren Name mit M beginnt) und H2 (zwei Künstler, deren Name mit H beginnt) erklärt.

Die Corona-Krise und Meneghini gaben den Ausschlag für die Ausstellung. Die Pandemie blockierte und beförderte die Kreativität und ermöglichte durch Bundesgelder die Finanzierung im Rahmen des Festivals Somma’. Bilder der Künstlerin brachten Hoge auf die Idee zur Ausstellung. In den 90er Jahren hatte die Brasilianerin bei A. R. Penck, Markus Lüpertz und Siegfried Anzinger gelernt. Hoge war damals Meisterschüler bei Tony Cragg an der Kunstakademie.

In der Kunst der brasilianischen Malerin nehmen die Darstellung der Natur und die atmosphärisch dichte Konstruktion aktueller Topographien einen breiten Raum ein. Hoge schickte ihr Anfang des Jahres Fotos, auch vom Mirker Freibad oder von Rügen, wo er aufgewachsen ist – einige nahm sie als Vorbilder für die Bilder, die derzeit an den Außenwänden der Ankleidekabinen des Freibades hängen. Hoge brachte sie in enger Absprache mit der Künstlerin als bis zu anderthalb Meter breite Vergrößerungen ihrer Bilddateien auf PVC-Planen. Eine kleine Galerie anmutig-poetischer, surrealistischer bis formalistisch strenger Ansichten.

Skulptur leuchtet nachts

„Wir bauen auf und reißen nieder (Arbeit gibt es immer wieder. . .)“ heißt eine von sechs Arbeiten Hoges, die – aus Materialien des Alltags gefertigt – schon länger um das Schwimmbecken herum stehen. Darunter auch die poetische Arbeit „Paul & Paula“, die an den bekannten gleichnamigen DDR-Spielfilm erinnert. Die nun auf der verwaisten Restaurant-Terrasse aufgebaute zirka 5,5 Meter große aus IBC-Containern der „Pool im Pool“-Aktion des Freibads und Stahlgitterquadern errichtete Skulptur, auf der eine der typischen Hoge-Figuren thront, ist neu, leuchtet in der Nacht und ist zeitlich endlich. Sie knüpft an das Umbauthema des Fördervereins an, der das Freibad wieder eröffnen will. Schließt gesellschaftliche Veränderungen mit ein. Seine Arbeiten setzen sich mit der Umwelt auseinander, stehen in Verbindung zu ihrer Umgebung, erzählt Hoge, der – wenig verwunderlich – ein Faible für Kunst im öffentlichen Raum hat.

Im Mirker Freibad stellte er zum ersten Mal 2011 aus – im Rahmen eines Galerieprojekts, das damals eine Freiluft-Dependance der Galerie Kunstkomplex von Nicole Bardohl im Freibad etablierte. Während der frischgebackene Verein Pro Mirke dessen Wiedereröffnung als Schwimmstätte anstrebte. Über die Jahre „bewegten wir uns aufeinander zu“, erinnert Hoge, so dass heute die Kultur ihren Anteil im geplanten „Bürgerpark Naturfreibad Mirke“ hat.

Über die Jahre organisierte der Künstler, der zwischenzeitlich vor Ort auch sein Atelier einrichtete, weitere künstlerische Projekte, darunter als Höhepunkt „Freiraum“, das 2013 an fünf Wochenenden stattfand. 2021 nun ist das Schwimmbecken Veranstaltungsort für Somma’. „Contemporaryscapes“ könnte weitere Menschen ins Freibad locken. Den Kunstwerken ist es zu wünschen.

Hintergrund

Ausstellung: „Contemporaryscapes - M3H2“ mit Bildern von Annette Marcks und Lucia Meneghinio sowie Plastiken von Bettina Meyer, Hans Hoge und Carl Hager ist noch bis zum 19. September im Freibad Mirke, In der Mirke 1, in Wuppertal zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Umbau: Im Juni 2024 soll das Naturfreibad Mirke, eines der ersten Freibäder Deutschlands, eröffnet werden. Bis dahin muss der Umbau abgeschlossen sein. Das 3,3 Millionen Euro teure Projekt wird vom Bund gefördert, zehn Prozent Eigenanteil steuert die Stadt bei.

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