Tourismus

Wuppertaler Marketing braucht neue Ideen

Die Schwebebahn ist nur eine von vielen Wuppertaler Sehenswürdigkeiten.
+
Die Schwebebahn ist nur eine von vielen Wuppertaler Sehenswürdigkeiten.

Die Internetseite Booking.com schlägt Reisenden statt Schwebebahn oder Zoo Sehenswürdigkeiten in Köln oder Düsseldorf vor.

Von Anne Palka

Wuppertal. Reisenden, die ein Hotel buchen wollen, empfiehlt die Internetseite Booking.com auch Sehenswürdigkeiten: „Das Beste von Wuppertal“. Gelistet sind dort aber nicht Schwebebahn, Von der Heydt-Museum und Luisenviertel, sondern nur Attraktionen in anderen Städten, beispielsweise in Köln, Düsseldorf, Essen, Solingen und Hagen.

„Als ich das entdeckt habe, bin ich vor Schreck fast vom Stuhl gefallen“, sagt Vok Dams. „Wuppertal wird beim Marketing offensichtlich stiefmütterlich behandelt“, nicht nur von der Internetseite. „Es ist ein Problem, dass Stadt und Politiker nicht das Bewusstsein haben, wie wichtig gute Kommunikation nach innen und außen ist.“ Es gebe kein Profil, das Wuppertal zusammenfassend darstelle. Doch das Bild der Stadt beeinflusse nicht nur den Tourismus, sondern auch ihre wirtschaftliche Entwicklung.

Erst kürzlich gab es Nachwuchs im Zoo: die kleine Elefantendame Mali.

Auf der Internetseite seines Atelierhauses macht Vok Dams darauf aufmerksam: Entlang der Wupper gebe es eine „Kultur-Achse“ mit vielen nicht genannten Sehenswürdigkeiten, die bequem per weltweit einmaliger Fahrt mit der Schwebebahn erreicht werden können. Darunter das Visiodrom im Gaskessel, die Bühnen, das Museum für Industriekultur, den Skulpturenpark Waldfrieden und den Grünen Zoo.

Die Wuppertal Marketing GmbH befasse sich seit Jahren mit diesem Thema, sagt Geschäftsführer Martin Bang. „Die Portale haben einen Algorithmus, der nicht immer der Logik entspricht.“ Wenn häufig angeklickte Empfehlungen priorisiert werden, bevorzuge das die Metropolen – im nahen Umfeld von Wuppertal die größeren Städte Düsseldorf und Köln. Weil die Kriterien der Algorithmen aber vielfältig und nicht einfach durchschaubar seien, die Ergebnisse zum Beispiel auch vom Standort der Suche abhingen, sei es schwierig, Einfluss zu nehmen. Das sei eine Frage von Zeit und Geld. Mitarbeiter des Wuppertal Marketings seien jedoch immer wieder mit denen der Reiseportale in Kontakt.

Wechselnde Ausstellungen gibt es im Visiodrom im Gaskessel.

Booking.com hat sich auf Anfrage nicht dazu geäußert, warum keine Wuppertaler Sehenswürdigkeiten angezeigt werden. Konkurrent Holidaycheck.de zeigt bei Hotels in der Elberfelder Innenstadt unter anderem das Von der Heydt-Museum, die Stadthalle und das Tippen-Tappen-Tönchen an, insgesamt gibt es im Stadtgebiet 27 Reisetipps. „Generell kann jeder Nutzer Sehenswürdigkeiten neu anlegen lassen, wenn sie noch nicht vorhanden sind, und eine Bewertung dazu schreiben“, sagt Sprecherin Nina Hammer. Neue Inhalte würden durch ein Qualitätsteam geprüft. Auf Check24.de stehen beispielsweise der Botanische Garten und der Skulpturenpark Waldfrieden.

Besseres Stadtmarketing braucht auch politische Unterstützung

Der bunte Bau der Junior Uni ist einmalig in Deutschland.

Auf Booking.com hingegen listen einige Hotelbetreiber selbst nahe Sehenswürdigkeiten im Beschreibungstext – der Plattformbetreiber nennt Schloss Burg, aber auch Sehenswürdigkeiten im Ruhrgebiet. Dass Wuppertaler Sehenswürdigkeiten bei Booking.com vollständig fehlen, habe er über ein Formular an die Betreiber gemeldet, sagt Vok Dams. Für besseres Stadtmarketing brauche es jedoch eine politische Willensbildung.

„Im Bereich Marketing kann man immer mehr machen, aber das muss auch finanzierbar sein“, sagt Klaus Jürgen Reese (SPD). Der Rat habe das Wuppertal Marketing vor Kurzem gestärkt, berichtet Ludger Kineke (CDU). Im nächsten Schritt müsse eine umfassende Strategie überlegt werden, wie eine hohe Wirksamkeit erreicht wird, „nicht jeder für sich, zusammen mit anderen – auch im Bergischen Land“. Innerhalb Wuppertals müsse das Marketing besser abgestimmt werden, sagt Alexander Schmidt (FDP). Viele Akteure hätten derzeit jeweils wenige Personalstellen. Denise Frings (Grüne) sagt, dass es immer wieder gute Projekte des Marketings gebe.

Kulturstandort

Um den Wuppertaler Kulturstandort als Marke zu positionieren, gebe es einen regelmäßigen Austausch von Institutionen, berichtet Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. „Das Thema beschäftigt uns durchaus intensiv.“ In den nächsten Wochen sollen Strategien entwickelt werden. Ein Fall wie bei Booking.com zeige, wie notwendig das sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Ermittlungen gegen Polizisten wegen Missbrauchsverdachts
Ermittlungen gegen Polizisten wegen Missbrauchsverdachts
Ermittlungen gegen Polizisten wegen Missbrauchsverdachts
Neuer Zeitplan für die Turmterrassen in Barmen
Neuer Zeitplan für die Turmterrassen in Barmen
Neuer Zeitplan für die Turmterrassen in Barmen
Elefanten können sich auf eine Savanne freuen
Elefanten können sich auf eine Savanne freuen
Elefanten können sich auf eine Savanne freuen

Kommentare