Fußgängerzone

Laurentiusplatz: Autofrei – aber nicht konfliktfrei

An das seit Oktober bestehende Durchfahrtsverbot am Laurentiusplatz hält sich längst nicht jeder. Foto: Stefan Fries
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An das seit Oktober bestehende Durchfahrtsverbot am Laurentiusplatz hält sich längst nicht jeder.

Regel in Wuppertal gilt seit anderthalb Monaten – ein Gastronom fürchtet einen Riesenschaden.

Von Friedemann Bräuer und Andreas Krüger

Wuppertal. Das 85 Meter lange Teilstück der Friedrich-Ebert-Straße zwischen der Laurentiusstraße und der Auer Schulstraße ist seit anderthalb Monaten für Autofahrer gesperrt. Zwei große Schilder am Eingang zum autofreien Teilstück engen nicht nur die Fahrbahn ein, sondern weisen auch ausdrücklich darauf hin, dass es sich hier um eine reine Fußgängerzone handelt, die außer für Radfahrer, Anwohner und Lieferverkehr für PKW gesperrt ist. Ein Umstand, der bei den an dem Teilstück beheimateten Geschäftsleuten unterschiedliche Reaktionen ausgelöst hat, wie eine Umfrage der Redaktion ergab.

Dass sich viele Autofahrer nicht an das Durchfahrtsverbot halten oder hupend und wüst schimpfend zurücksetzen und dann nach links in die Laurentiusstraße abbiegen müssen, bekommt man in der Buchhandlung Mackensen mit.

Und deren Inhaber Michael Kozinowski, der auch gleichzeitig der Vorsitzende der IG Friedrich-Ebert-Straße ist, hat vor allem bei den Pkw-Fahrern „erhöhte Aggressivität“ festgestellt. Zuletzt habe ein Fußgänger, der sich einem Autofahrer aus Mettmann in den Weg gestellt habe, sogar die Polizei gerufen, weil er sich von dem auf ihn zufahrenden Auto bedroht gefühlt habe, schildert Kozinowski einen Vorfall. Sein Vorschlag: „Man sollte den Verkehr direkt am Kasino-Kreisel vorbei leiten. Dann würde es gar nicht zu derartigen Szenen kommen.“ Geschäftliche Auswirkungen hat der Buchhändler bisher nicht registrieren können: „Unsere Kunden sind uns treu geblieben.“

„Hervorragend“ ist die fast euphorische Meinung von Liana Markaryan, der Inhaberin des traditionsreichen Cafès Engel. „Unsere Gäste sind begeistert, und dass sie nicht mehr vor dem Haus parken können, stört sie überhaupt nicht. Sie parken einfach woanders.“ Eine Service-Kraft kann der Sperrung ebenfalls nur Gutes abgewinnen: „Wenn ich die Gäste auf der anderen Straßenseite bedienen will, wo wir ebenfalls Tische stehen haben, muss ich nicht mehr auf den Autoverkehr achten.“

Im Eiscafé Mandoliti direkt nebenan hat man sich noch keine abschließende Meinung gebildet. „Ob sich das positiv oder negativ auswirkt, kann man erst im kommenden Sommer sehen“, hieß es. Paradox: In gängigen Navis ist die Änderung noch nicht enthalten.

Im Frebert‘s Café und Bar freut sich Tuba Kilicaslan zwar darüber, dass man den Sitzbereich draußen besser erreichen kann, doch die Wirksamkeit der Sperrung hält sie für ausbaufähig. „Ich finde, dass sich zu wenige daran halten.“

Gastronom: Abendgeschäft ist fast zum Erliegen gekommen

Negativ sieht das Personal des Cafés Laurenz auf der gegenüberliegenden Straßenseite das Durchfahrverbot. „Diese Sperrung ist für uns ein Riesenschaden“, sagt Monther Hawli und vertritt dabei auch die Ansichten seiner Kollegen Mohamed Hawli und Rasal Melah. „Weil die Autos nicht mehr durchfahren dürfen, ist bei uns das Abendgeschäft fast zum Erliegen gekommen. Früher war es so, dass der Tagesumsatz weit unter den Abendeinnahmen lag. Heute ist es genau umgekehrt“, klagen die Angestellten des Speiselokals.

Hintergrund

Planung: Die Sperrung soll probeweise zunächst einmal für ein Jahr gelten.

Politik: Gabriele Mahnert, Bezirksbürgermeisterin von Elberfeld-West, zählte während der Umfrage „sechs Autos, die einfach durchgefahren sind. Davon waren drei von außerhalb. Die Sperrung finde ich gut, und sie sollte auch als Vorbild für andere Quartiere gelten.“

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