Vergleich

Wuppertal Institut schaut auf das Klima: Das hat sich seit 2008 getan

Das Wuppertal Institut am Döppersberg.
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Das Wuppertal Institut am Döppersberg.

2008 erschien eine Prognosestudie mit dem Zieljahr 2022 – die wurde jetzt mit der Realität verglichent.

Von Bernhard Romanowski

Wuppertal. Es war ein teils nüchterner, teils hoffnungsvoller, ein utopischer wie bisweilen auch humorvoller Blick in die Glaskugel, den die Autoren des Wuppertalinstituts im Jahr 2008 in die Zukunft warfen. „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ heißt das 650 Seiten starke Werk mit Analysen und Ausblicken zu dem, was sich bis zum Jahr 2022 so alles tun werde im Umwelt- und Klimabereich sowie in der Wirtschaft. Jetzt, im Zieljahr des Ausblicks, hat das Wuppertal Institut die Realität genau betrachtet.

Beim Thema Mobilität und insbesondere Autoverkehr gingen die Autoren des Wuppertal Instituts 2008 von einem grundlegenden Wandel aus. Statt schnellen, großen und CO2-intensiven Fahrzeugen würden in Zukunft platz- und ressourcensparende Kleinwagen das deutsche Straßenbild prägen.

In Kombination mit Umrüstungen sollten Energieverbrauch und Emissionen der Autoflotte in Deutschland binnen zehn Jahren halbiert werden. Man ging auch davon aus, dass bis 2022 ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen und eine CO2-basierte Kfz-Steuer eingeführt sein würden. Im Ergebnis sollten im Jahr 2022 etwa 90 Prozent aller Autos unter 40 PS Motorleistung aufweisen und vier Liter oder weniger je 100 Kilometer verbrauchen.

Und wo stehen wir heute? Trotz der Skandale um Manipulationen der Emissionswerte durch große Automobilkonzerne werden weiterhin immer größere und stärker motorisierte Fahrzeuge gekauft, so die Feststellung der Autoren. Heute seien nur 0,005 Prozent statt der avisierten 90 Prozent schwächer motorisiert als 50 PS.
Das hat sich alles im Bergischen Land im Bereich Klima getan

Um die CO2-Zielvorgaben zu erfüllen, würden Autos zunehmend elektrisch angetrieben – so die Sicht 2008. Aus heutiger Sicht vermerken die Buchautoren, dass die Antriebswende zwar eine Senkung der CO2-Emissionen bewirke, dass diese Emissionen aber letztlich nur aus dem Verkehrsbereich in den Stromsektor und in die Produktionsländer verschoben würden. „Inzwischen ist es fast selbstverständlich, dass Kommunen ihre solaren Dächerdaten via Internet zur Verfügung stellen“, lautete eine der zentralen Thesen 2008. Tatsächlich erfolgte zwischen 2008 und 2011, angetrieben vom Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), eine regelrechte Erfolgsgeschichte des Photovoltaik-Ausbaus. Bis 2011 versechsfachten sich die Investitionen in diesen Bereich.

„Mit der Reduzierung der Einsparvergütung im Jahr 2012 sanken aber Planungssicherheit und Wirtschaftlichkeit für die Industrie und die Zubauraten gleichermaßen“, so jedoch die nüchterne Feststellung der Autoren aus heutiger Sicht. Auch wenn seit 2017 wieder mehr Anlagen installiert werden – die Zubauraten kamen nicht mehr an das Niveau von 2011 heran.

Der alternative Strom sei durch einen enormen Bürokratieaufwand unattraktiv und kompliziert gemacht worden. Möglicherweise spiele auch die erfolgreiche Lobbyarbeit von Energieunternehmen eine Rolle, die „sich lange gegen eine strukturelle Energiewende und die dezentrale Energieerzeugung aus regenerativen Quellen zur Wehr gesetzt haben“, so die aktuelle Einschätzung am Wuppertal Institut.

Der wöchentliche Fleischkonsum konnte nicht halbiert werden

Dort sieht man aber auch Lichtblicke für die Zukunft. Das sogenannte Osterpaket der Ampel-Koalition vom Frühjahr gebe Hoffnung für eine Beschleunigung des Ausbaus. „Auch die Bundesländer ziehen mit und gehen teilweise sogar noch einen Schritt weiter: In Baden-Württemberg gilt seit diesem Jahr eine Solardachpflicht für Neubauten, ab 2023 dann auch bei Dachsanierungen. Und weitere Bundesländer ziehen nach.“

Eine weitere Zukunftsvision aus dem Jahr 2008 bestand darin, dass die Halbierung des Konsums tierischer Nahrungsmittel in Deutschland im Vergleich zu 2006 über fünf Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche für den ökologischen Landbau frei würde. Gleichzeitig sollte die ökologische Landwirtschaft in Deutschland erstmals die 40-Prozent-Marke überschreiten.

Der Fleischkonsum in Deutschland sinkt zwar von Jahr zu Jahr, jedoch nicht in dem prognostizierten Ausmaß. Der Verzehr konnte lediglich um 150 Gramm auf 1050 Gramm pro Woche reduziert werden. Zwar konnten die ökologisch bewirtschafteten Flächen im Vergleich zu 2008 verdoppelt werden, doch bleiben sie mit rund zehn Prozent weit hinter dem Zukunftsszenario zurück.

Gestaltung

„Eines haben alle Analysen gemeinsam: Man erkennt sofort die Bereiche, in denen politisch und gesellschaftlich mutig gehandelt wurde und um welche Fortschritte im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gerungen wurde“, so Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts über Zukunftsgestaltung.

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