Halawa-Banking

Terrorist sitzt nach Razzia in Untersuchungshaft

Ein Polizeibeamter führt den Tatverdächtigen nach seiner Festnahme in Oberbarmen ab. Fotos: Tim Oelbermann
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Ein Polizeibeamter führt den Tatverdächtigen nach seiner Festnahme in Oberbarmen ab.

Wuppertaler Schlägertrupp soll Schulden eingetrieben und Geiseln genommen haben

Von Jonas Meister

Wuppertal. Nach der bundesweiten Großrazzia im Rahmen der Ermittlungen zum sogenannten Halawa-Banking am Mittwoch ist nun klar, dass die Polizei in Wuppertal offenbar auch einen islamistischen Terroristen festnehmen konnte. „Bei dem Mann handelt es sich um einen 39 Jahre alten, syrischen Staatsangehörigen. Mit seiner Festnahme in Wuppertal wurde ein Untersuchungshaftbefehl des Ermittlungsrichters des Oberlandesgerichts Düsseldorf wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vollstreckt“, berichtete Oberstaatsanwalt Mathias Proyer. „Konkret bedeutet das, dass der Beschuldigte verdächtig ist, sich im Jahr 2013 in Syrien der Terrorvereinigung ,Jabhat al-Nusra’ angeschlossen und in der Folge einen Kampfverband angeführt zu haben.“

Der Zugriff auf der Straße Stennert erfolgte durch eine Spezialeinheit.

Vor diesem Hintergrund ist auch das massive Polizeiaufgebot auf der Straße Stennert in Oberbarmen in der Nacht zu Mittwoch zu erklären. Hier hatte sich um 4 Uhr nachts ein Spezialeinsatzkommando (SEK) mit einem Rammbock Zugang zu einem Wohnhaus verschafft, in dem der 39-Jährige lebte. Warum nur hier und nicht an den anderen sieben Einsatzorten in Wuppertal das SEK zum Einsatz kam, erklärt der Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, Julius Sterzel, so: „Auf Grundlage unserer Ermittlungen, die im September 2020 begannen, und den Informationen der Generalstaatsanwaltschaft war davon auszugehen, dass der Tatverdächtige sich gewaltsam gegen seine Festnahme wehren könnte. Deshalb kam es vonseiten der Polizei zum Einsatz der Spezialkräfte. Bei der anschließenden Durchsuchung der Räumlichkeiten wurden aber weder Waffen noch Sprengstoff gefunden.“

Nach 13 Monaten Ermittlungsarbeit scheint die Funktion des 39-Jährigen und dreier weiterer Männer, die am Mittwoch ebenfalls in Wuppertal verhaftet wurden, für die Experten der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten in Nordrhein-Westfalen (ZeOS NRW) jetzt ziemlich klar. So wurde das Quartett als Inkasso-Trupp eingesetzt, um Schulden einzutreiben. Dabei griffen die Männer auch zu drastischen Mitteln. So berichtet Sterzel von „Raubtaten und Geiselnahmen“. Weil dabei auch Personen verletzt wurden, wird unter anderem auch wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

„Beim ersten Mal zusammenschlagen, beim zweiten Mal verstümmeln, beim dritten Mal umbringen.“

Die Staatsanwaltschaft zum Vorgehen des Quartetts

Laut Staatsanwaltschaft wurde bei den Aufträgen nach einem klaren Motto verfahren: „Beim ersten Mal zusammenschlagen, beim zweiten Mal verstümmeln, und beim dritten Mal sollte derjenige umgebracht werden.“

Dass sich Wuppertal zu einer Art Rückzugsort für Islamisten in Deutschland entwickelt hat, glauben Experten nicht. „Wir haben in Wuppertal keinesfalls ein Zuwanderungs-, sondern ein bekanntes Großstadtproblem“, erklärt der Leiter des Amtes für Zuwanderung und Integration, Hans-Jürgen Lemmer. „Eines der größten Probleme, das wir in allen Bereichen haben, wo sich Menschen radikalisieren, egal ob rechts, links oder islamistisch, ist das Internet.“

Hintergrund

Im September 2020 wurde die Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten in Nordrhein-Westfalen (ZeOS NRW) ins Leben gerufen. Die Ermittler aus Düsseldorf, Bielefeld, Bochum und Köln sind dabei speziell für die Verfolgung von Organisierter Kriminalität und Vermögensabschöpfung zuständig.

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