Nach dem Hochwasser

Frustrierte Flutopfer erwarten mehr Hilfe

Die Schäden – wie hier im Haus Bilstein in Beyenburg – gehen weit über die gezahlten Soforthilfen hinaus. Archivfoto: Stefan Fries
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Die Schäden – wie hier im Haus Bilstein in Beyenburg – gehen weit über die gezahlten Soforthilfen hinaus.

In den Wuppertaler Gebieten Kohlfurth und Beyenburg wachsen trotz der Soforthilfen die Sorgen

Von Andreas Boller

Wuppertal. Bund und Länder haben am Dienstag einen Wiederaufbaufonds in Höhe von 30 Milliarden Euro vereinbart. Wuppertals Stadtkämmerer Johannes Slawig hofft, dass mit den Mitteln von Bund und Ländern zumindest der größte Teil der in Wuppertal entstandenen Hochwasserschäden beglichen werden kann.

In Wuppertal werden die Schäden allein an der kommunalen Infrastruktur auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. Der Gesamtschaden in Wuppertal liegt weit höher. Besonders stark sind die Stadtteile Beyenburg und Kohlfurth betroffen, aber auch in einigen Quartieren in Barmen sind wegen des Starkregens am 14. Juli oder wegen des steigenden Pegels der Wupper Keller vollgelaufen. Bisher haben 720 Wuppertaler Privathaushalte Anträge auf Soforthilfe gestellt.

Voraussetzung für die Soforthilfe ist, dass mindestens ein Schaden von 5000 Euro entstanden ist. 1,32 Millionen Euro wurden bisher an 565 Flutopfer über diesen Weg ausgezahlt. Außerdem sind 200 Anträge von Wuppertaler Unternehmen eingegangen. Bewilligt werden konnten 163 Anträge in einem Gesamtvolumen von 815 000 Euro. Während die NRW-Soforthilfen unbürokratisch und so schnell wie möglich ausgezahlt werden sollen, dürfte es mit der Verteilung der Milliarden auf die betroffenen Gebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nicht ganz so schnell gehen.

Stadtkämmerer mahnt in Wuppertal zur Eile

Stadtkämmerer Johannes Slawig mahnt zur Eile. „Die Mittel aus dem Wiederaufbaufonds müssen schnell fließen, ohne großen Verwaltungsaufwand abgewickelt werden und am besten ohne städtischen Eigenanteil, den finanzschwache Städte wie Wuppertal, Hagen oder Solingen kaum aufbringen können. Um keine Verzögerungen in Kauf nehmen zu müssen, will ich dennoch daran festhalten, dem Stadtrat in der nächsten Sitzung einen Sonderfonds von 30 Millionen Euro vorzuschlagen. Dessen Ausgaben können dann mit dem Wiederaufbaufonds verrechnet werden“, sagt der Stadtkämmerer.

Von Wiederaufbau kann in Beyenburg und in der Kohlfurth bisher nur bedingt die Rede sein, denn noch sind die Aufräumarbeiten nicht abgeschlossen.

„Auch in der kommenden Woche werden wieder zehn Soldaten die Aufräumarbeiten unterstützen.“

Andreas Bialas, Bezirksbürgermeister

Etwas neidisch schaut man in der Kohlfurth nach Beyenburg wegen der Unterstützung durch die Bundeswehr, die von dem Beyenburger Arne Aust organisiert wird, der selbst Berufssoldat ist. „Auch in der kommenden Woche werden wieder zehn Soldaten die Aufräumarbeiten unterstützen“, lobt Bezirksbürgermeister Andreas Bialas den Einsatz der Helfer.

Leise Kritik übt Bialas allerdings an der Stadt, denn er vermisse den Koordinator aus dem Rathaus. „In Beyenburg läuft alles über die Ehrenamtlichen“, so Andreas Bialas. Deutlicher fällt die Kritik aus der Kohlfurth aus. „Beyenburg hat das große Glück mit den Soldaten, aber mit Ausnahme der AWG, die eine beeindruckende Leistung bei der Müllabfuhr gezeigt hat, sind wir von der Stadt enttäuscht, denn in Sachen Koordination der Arbeiten und Aufgaben vor Ort gibt es null und nix von der Stadt. In der Kohlfurth hat sich schon lange kein Offizieller mehr blicken lassen“, sagt Frank Adolphs, Sprecher der IG Flutopfer Kohlfurth.

Adolphs vertritt die Kohlfurther außerdem in einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Wupperverband, dem eine Mitverantwortung an den Hochwasserschäden vorgeworfen wird. „Der Schadenersatzklage haben sich zahlreiche Beyenburger angeschlossen. Es sind inzwischen mehr Beyenburger als Kohlfurther, und weitere Betroffene aus Solingen-Unterburg, Leichlingen bis nach Leverkusen kommen hinzu“, sagt Frank Adolphs. Adolphs erwartet eine Stellungnahme des Wupperverbands. „Alle bisherigen Schreiben wurden vom Wupperverband aber lediglich mit dem Hinweis returniert, dass der Verband seine Haftpflichtversicherung zur Prüfung eingeschaltet habe.“

Hilfe-Hotline

Die Stadt Wuppertal vermittelt Hilfsgesuche und Hilfsangebote. Wer vom Hochwasser betroffen ist und helfende Hände gebrauchen kann oder wer selbst Hilfe anzubieten hat, kann sich montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr unter Tel. (02 02) 5 63 20 00 bei der Hotline melden.

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