Goldzackfabrik

Bandwebermuseum eröffnet: „Das Museum ist wirklich spitze“

Über viele Besucher freute sich das Team des Bandwebermuseums beim Neustart an der Wiesenstraße. Foto: Andreas Fischer
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Über viele Besucher freute sich das Team des Bandwebermuseums beim Neustart an der Wiesenstraße.

Bandwebermuseum eröffnet an neuem Standort. Die Besucher sind begeistert. Sie können bergische Geschichte live erleben.

Von Tanja Heil

Wuppertal. Auf der einen Seite ratterte der Jacquardwebstuhl, auf der anderen klackerte die Flechtmaschine: Man verstand kaum sein eigenes Wort im Bandwebermuseum, das am Wochenende in den neuen Räumen in der Wuppertaler Goldzackfabrik eröffnete. Dichter Betrieb herrschte während des ganzen Eröffnungswochenendes. Ehemalige Mitarbeiter der Textilindustrie, Familien und andere Neugierige nutzten die Gelegenheit, anschaulich die Produktion von Litzen und Bändern live zu erleben.

„Da kommen viele Erinnerungen hoch“, sagte etwa Besucher Wolfgang Herold, der selbst früher Bandweber war. Klaus Weuster wuchs in eine Flechterei hinein und erzählte den Besuchern: „Mit acht, neun Jahren musste ich nach der Schule erst einmal in den Betrieb – neue Spulen aufsetzen.“ Versiert wechselt der Senior, der 2001 die letzte Lohnflechterei in Wuppertal aufgegeben hatte, auch heute noch die Spulen aus, wenn der Faden leer oder gerissen ist. Er hatte dem Museum den beeindruckenden Flechttisch vermacht.

Staunend beobachteten die Besucher, wie die umeinander tanzenden Rollen nicht nur einfache Bänder, sondern auch Zick-Zack-Verläufe oder zusammengesetzte Bänder flechten konnten. Wer sich ausführlich informieren wollte, konnte sogar auf einen Audioguide zurückgreifen. An zwölf Stationen lieferte er detaillierte Hintergrundinformationen zum Nachhören. Andere Besucher schlenderten einfach so durch die 200 Quadratmeter großen Räume und entdeckten die Ausstellungsstücke.

Viele Details waren in den Vitrinen zu entdecken. Hüte in allen Variationen etwa: „Ronsdorf war die Hochburg der Hutbänder“, erinnerte Irmlind Pesch, Vorsitzende des Fördervereins Bandwebermuseum. An normalen Museumstagen können die Besucher auch verschiedene Hüte anprobieren – so wird Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes greifbar.

Eine Knopfschachtel von Weyerbusch ist zu sehen, dem Elberfelder Knopffabrikanten, und alte Posamenten. „Posamenten waren immer schon das Zubrot der Bandweber“, erklärte Irmlind Pesch. Dabei nähten die Bandweber ihre Bänder zu kunstvollen Schleifen und Ornamenten zusammen – damals war das eine erschwingliche Alternative zur Spitze.

Sogar die Stube eines Hauswebers wurde nachgebaut

Auch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Bänder präsentieren die Museumsmitglieder liebevoll: Ein Korsett und Werbung für Strumpfhalter liegen neben lachsrosa Bändern. Dochte für Öl- und Petroleumlampen wurden von den Flechtereien hergestellt. Ausdrucksvolle romantische Bilder konnten Seidenweber fertigen.

In einer Vitrine konnten die Besucher sehen, wie die Patronen gezeichnet wurden, die als Vorlage für den Webprozess dienten. Detlev Nottebohm zeigte dann das Stanzen der Lochkarten. Sie liefen in langen Reihen durch die Webstühle und definierten, wann welcher Faden aktiv werden sollte. „Eine Zeile entspricht einer Karte“, erklärte Nottebohm. Auf klavierähnlichen Tasten drückte er dann die Zahl der benötigten Fäden. Per Fußpedal stanzte er anschließend die erforderlichen Löcher in die Karte.

Studierende erstellen Filme zur Geschichte der Textilindustrie

Das engagierte Museumsteam hat auch die Stube eines Hauswebers nachgebaut – mit Küchenutensilien und einfachem Schaftwebstuhl. Und in einer Ecke stehen noch diverse alte Geräte – etwa eines zum Prüfen der Reißfestigkeit von 1900 oder feine Waagen zum Messen kleiner Fasermengen.

Bald wird es auch noch mehr Informationen geben: Studierende des Studiengangs Design der Bergischen Universität erarbeiten gerade eine Corporate Identity für das Museum sowie sechs Filme zur Geschichte der Textilindustrie in Wuppertal. Sie laufen dann sowohl auf dem Bildschirm, der im Museum steht, als auch auf einer Stele mit Touchscreen zum Auswählen.

„Das Museum ist wirklich spitze – ich möchte unbedingt bald noch einmal kommen“, lobte auch Besucherin Christine Zak nach dem Rundgang zur Eröffnung.

BANDWEBEREI IM BERGISCHEN LAND

HISTORIE Das Rheinland galt schon seit dem Mittelalter als bedeutende Textilregion. Das Bergische Land war dabei das Zentrum der Bandweber. Vor allem in Ronsdorf, Lüttringhausen und Barmen standen zahlreiche Bandwebereien, aber auch in Dhünn und Dabringhausen. In vielen Hauswebereien packte die ganze Familie mit an. Insofern spiegelt das neu eröffnete Museum ein wesentliches Stück bergische Wirtschafts- und Kulturgeschichte wider.

ÖFFNUNGSZEITEN Das Bandwebermuseum im zweiten Stock der ehemaligen Goldzackfabrik an der Wuppertaler Wiesenstraße 118 (nahe der A 46-Abfahrt Katernberg) hat donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen sind nach Absprache (Telefon 5637442) auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

bandwebermuseum- wuppertal.de

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