Barmer Bremme

Wuppertal war einst eine Stadt der Biere

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Die Barmer Bremme Brauerei zählt vor dem 1. Weltkrieg zu den größten und finanzstärksten Unternehmen in der Stadt. 

WUPPERTAL Bremme, Wicküler & Co.: 83 Brauereien gab es einst in der Stadt. Viele Namen sind längst vergessen.

Von Marc Chudaska

Wuppertal als Bierstadt — diese Aussage kann man beruhigt so stehen lassen, gab es in den Städten Elberfeld, Barmen und Umgebung Ende des vorletzten Jahrhunderts rund 83 Brauereien. Nur darf man diese Zahl nicht so genau nehmen, bekam doch jeder, der eine Braugenehmigung bei der entsprechenden Stadtbehörde beantragte, drei Wochen nach Bekanntgabe der Brauabsicht automatisch die entsprechende Genehmigung, falls kein Einwand von dritter Seite erhoben wurde.

Dies führte dazu, dass viele Haushalte, die in Heimarbeit Garne bleichten oder färbten, auch gleichzeitig Bier zu brauen versuchten. In geschmacklicher Hinsicht ein gewagter Schritt, so dass viele dieser „Hausbrauereien“ schnell sang- und klanglos wieder verschwanden. Die großen Namen hingegen kennen die meistern Wuppertaler noch, allen voran „Wicküler“ und „Bremme“ nebst „Waldschloß“, „Höfenquell“ und „Adler Dierichs“. Andere Namen, wie „Feldschloß“ und „Tienes“ sind nur noch den Heimat-Interessierten ein Begriff.

1894 war die Barmer „Bremme Brauerei“ die größte und finanzstärkste Brauerei im Wuppertal, noch vor den heute namentlich besser bekannten Unternehmen „Wicküler“ und „Küpper“. Erst nach dem Zusammenschluss der beiden familiengeführten Unternehmen im Jahre 1896 rückte der spätere Platzhirsch so langsam auf den Platz 1 in Wuppertal auf, auch wenn mit Franz Wicküler, der 1916 an einem Nervenleiden verstarb, kein Mitglied der Gründerfamilien mehr im Unternehmen tätig war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Aufstieg

Dem Erfolg der Wuppertaler Biere schadete es hingegen nicht. Wie in anderen Regionen führte der Erste Weltkrieg zu einer Konzentration der Braustätten, allein die „Wicküler Brauerei“ übernahm in Elberfeld die „Bergschloss Brauerei“ und „Hermes und Saurenhaus“, in Barmen die Brauereien „Gbr. Boss“ und die „Union-Brauerei“. Ähnlich wie in Dortmund überstanden nur acht der vielen Brauereien den Ersten Weltkrieg und hatten zudem unter einer immer wieder erhöhten Brausteuerlast zu leiden. Als Kuriosum der Geschichte sei vermerkt, dass erst die nationalsozialistische Regierung 1934 die Biersteuerlast im damaligen Deutschen Reich merklich senkte.

Der signifikante Bau des Brauereiturmes an der Bendahler Straße konnte jedoch trotz der beginnenden Weltwirtschaftskrise im November 1930 eingeweiht werden. Nach den Weltkriegen und dem Wiederaufbau der zerstörten Betriebsstätte stieg die „Wicküler-Küpper-Brauerei“, so wie sie offiziell hieß, mit neuer Werbestrategie in den 1960 Jahren zu den sogenannten „Hektolitermillionären“ auf und war damit auf gleicher Augenhöhe mit den großen Dortmunder Brauereien, die zu dieser Zeit die Braulandschaft dominierten. Der Werbeslogan „Männer wie wir, Wicküler Bier“ war geboren.

Kleinere Unternehmen, wie „Gesenberg“, „Adler Dierichs“ und „Waldschloß“ konnten bei dieser Hetzjagd nach Hektolitern im Verkauf finanziell nicht mehr mithalten und wurde nach und nach von der marktführenden „Wicküler Brauerei“ übernommen.

Vor allem die „Adler Brauerei“ ist hier zu erwähnen. Obwohl verwandtschaftlich mit der Familie Bremme verbunden, wollte der letzte Besitzer der Familie Dierichs nicht, dass nach seinem Tod sein Unternehmen an die „Bremme Brauerei“ fällt und heiratete drei Monaten vor seinem Tod seine Sekretärin. Auch diese Hochzeit verhinderte nicht den späteren Verkauf an die größte Brauerei in Wuppertal. Andere Brauereien wie „Feldschloß“, „Tienes“ oder „Höfenquell“ verschwanden ganz von der Bildfläche. Ein letzter großer Zusammenschluss erfolgte Ende der 1980er Jahre, als „Wicküler“ schließlich den lokalen Konkurrenten „Bremme“ übernahm.

Ein erneuter Führungswechsel in der Geschäftsführung der „Wicküler“-Brauerei läutete schließlich den Untergang ein, so wurden nacheinander die verbliebenen Braustätten der „Waldschloß Brauerei“ an der Märkischen Straße, der „Wicküler Brauerei“ am Bendahl und schließlich der „Bremme Brauerei“ an der Albertstraße trotz großen Widerstands in der Belegschaft und Protesten der Wuppertaler Bevölkerung geschlossen. Da half auch ein Einschreiten vom damaligen Ministerpräsidenten und Ur-Wuppertaler Johannes Rau nichts. Heute wird von den Traditionsmarken nur noch „Wicküler“ hergestellt, in der Braustätte der „Dortmunder Brauereien“.

DER AUTOR

ZUR PERSON Marc Chudaska (45) kommt aus Dormagen und trägt den Spitznamen „Historiker unter den Brauern“ nicht ganz zu Unrecht. Schließlich hat er von 1992 bis 1995 bei der Garde-Brauerei in Dormagen Brauer gelernt. Von 2001 bis 2008 studierte er an der Uni Düsseldorf dann unter anderem Geschichte. In seiner Doktorarbeit befasste er sich mit dem Niedergang der Wicküler- Brauerei.

Doch gibt es immer noch Bier „Made in Wuppertal“, so im „Brauhaus“ an der Flurstraße, im Biermuseum von Udo Kirschbaum an der Friedrich- Engels-Allee, und die „Interessensgemeinschaft Bergisches Bier e.V.“ braut auch wieder Wuppertaler Bier.

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