Flut

Wuppertal arbeitet Hochwasser-Katastrophe auf

Es erwies sich als fatal, dass lediglich die Vorhersagen des Wetterdienstes beachtet wurden: Die Warnung vor einer verheerenden Sturzflut kam nicht an. Archivfoto: Stefan Fries
+
Es erwies sich als fatal, dass lediglich die Vorhersagen des Wetterdienstes beachtet wurden: Die Warnung vor einer verheerenden Sturzflut kam nicht an.

Verwaltung hat ein Protokoll erarbeitet – In Zukunft müssten Informationen schneller weitergegeben werden.

Von Andreas Boller

Wuppertal. Die Wuppertaler Verwaltung hat den politischen Gremien der Stadt eine umfangreiche Dokumentation zur Hochwasserkatastrophe am 14./15. Juli vorgelegt und darin Anfragen beantwortet. Stadtdirektor Johannes Slawig kündigt als Leiter des Krisenstabs der Stadt Konsequenzen für den Hochwasserschutz an. Die berichtsmäßige Aufarbeitung wurde in Zusammenarbeit mit dem Wupperverband vorgenommen.

Nach einer Entscheidung im Verbandsrat werde zu dem Ereignis und insbesondere in Bezug auf die Situation an der Wupper-Talsperre auch eine externe Begutachtung beim Wupperverband erfolgen. „Außerdem stehen derzeit Strafanzeigen und Schadenersatzansprüche im Raum. Daher werden zu bestimmten Fragestellungen – insbesondere solche mit direktem Bezug zu Handlungen der Mitarbeitenden – derzeit keine Aussagen gemacht. Entsprechende Fragestellungen müssen daher derzeit unbeantwortet bleiben“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

„Beyenburg und die Kohlfurth müssen mit Sirenen ausgerüstet werden.“

Stadtdirektor Johannes Slawig

Zu den Abläufen vor und nach dem Hochwasser hat der Wupperverband dennoch konkrete Hinweise gegeben. So teilt der Wupperverband mit, dass die Wupper-Talsperre „vor dem Ereignisbeginn“ bereits zu 93 Prozent gefüllt gewesen sei. Am 12. und 13. Juli sei durch Ablassen von Wasser in die Wupper ein Puffer geschaffen worden, der selbst unter der Annahme eines Zuflusses von 70 Kubikmeter/pro Sekunde – der höchste in 35 Betriebsjahren jemals gemessene Zufluss der Wupper-Talsperre – für einen Zeitraum von 22 bis 25 Stunden ausreichend gewesen wäre, so die Angaben in dem Bericht. Der Starkregen am 14. Juli im Wuppergebiet brachte 120 bis 160 Liter pro Quadratmeter und habe flächendeckend weit über den vom Deutschen Wetterdienst genannten lokalen Regenspitzen gelegen.

Der Wasser-Zulauf in die Wupper-Talsperre erreichte dadurch nach einer ersten Einschätzung in der Spitze bis zu 230 Kubikmeter pro Sekunde. Hochwasser wird bisher als Problem der kalten Jahreszeit gesehen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen allerdings, dass diese Regelung in Zeiten des Klimawandels dringend an die realen Gefahren angepasst werden muss. Während private Wetterdienste bereits Tage zuvor vor Sturzfluten warnte, blieben die Angaben des Wetterdienstes lange vage. Der Wupperverband stellte erst am 14. Juli gegen 15.30 Uhr sein Hochwasserportal auf die Warnstufe „rot“. Die Warnung, dass eine verheerende Sturzflut bevorstehen könnte, kam aber bei der Stadt zunächst nicht an.

Probleme und Fehler folgten bei der Alarmierung von Behörden und der Informationsweitergabe. Das Protokoll: „Nach 17 bis circa 20.15 Uhr ist die Datenübertragung vom Pegel an der Kluserbrücke ausgefallen. Versuche der telefonischen Kontaktaufnahme des Hydrologen vom Dienst, ab 18.30 Uhr mit der Leitstelle und über Mobilnetznummer die Feuerwehr zu erreichen. Aufgrund der Überlastung der Netze war eine Kontaktaufnahme nicht möglich.“

Slawig kündigt an, dass für solche Katastrophenfälle in Zukunft ein „Rotes Telefon“ geschaltet werden müsse, um Zeitverlust zu vermeiden. Bei einer Mail bestehe die Gefahr, dass sie untergehe. 4600 Notrufe gingen bei der Leitstelle ein. „Um 20.38 Uhr wurde versucht, die Leitstelle zu erreichen, um vor dem möglichen Überlaufen der Talsperren zu warnen. Keine Kontaktaufnahme möglich, daher fährt ein Mitarbeiter des Wupperverbandes direkt zur Feuerwache in die August-Bebel-Straße“, heißt es weiter. Zu diesem Zeitpunkt waren Teile von Beyenburg und der Kohlfurth schon überflutet. „Beyenburg und die Kohlfurth müssen mit Sirenen ausgerüstet werden. Außerdem sollen weitere Pegel zur Messung der Wupper eingerichtet werden, die automatisch Daten an die Stadt übermitteln“, kündigte Slawig an.

Talsperre

Die veröffentlichten Werte deuten darauf hin, dass ein früheres Ablassen der Talsperre die Schäden wohl allenfalls hätte mindern, aber nicht verhindern können. Um ein Überlaufen der Talsperre zu verhindern, hätte sie halb leer sein müssen. Für die Steuerung der Talsperren gibt es für die Sommermonate keine wasserbehördlich vorgegebenen Festsetzungen zum Hochwasserschutzraum.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Haaner Freizeit-Spaß beginnt am 24. September
Haaner Freizeit-Spaß beginnt am 24. September
Haaner Freizeit-Spaß beginnt am 24. September
Historischer Brief aus Solingen für 6000 Euro versteigert
Historischer Brief aus Solingen für 6000 Euro versteigert
Historischer Brief aus Solingen für 6000 Euro versteigert
Kletterhalle will zurück an die Spitze
Kletterhalle will zurück an die Spitze
Kletterhalle will zurück an die Spitze

Kommentare