Osterholz

500 Menschen demonstrieren gegen geplante Rodung

Vor dem Vohwinkeler Bahnhof fanden sich zeitweise bis zu 500 Demonstranten ein. Foto: Stefan Fries
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Vor dem Vohwinkeler Bahnhof fanden sich zeitweise bis zu 500 Demonstranten ein.

Bürgerinitiative will weiter juristisch für den Erhalt des Osterholzes kämpfen.

Von Michael Bosse

Wuppertal. Jede Protestbewegung ist wirkmächtiger, wenn sie auf einen kulturellen Überbau zurückgreifen kann, auf ein Reservoir aus Zeichen und Symbolen, das der Mobilisierung dient. Insofern hat die Bürgerinitiative (BI) „Osterholz bleibt“ ein Zwischenziel erreicht: Sie hat eine „Osterholz-Hymne“, mit der am Sonntag bis zu 500 Menschen zur Demonstration zum Erhalt des Waldgebietes begrüßt werden. „Und wir schrei’n es laut: ‚Ihr kriegt uns hier nicht raus. Das ist unser Wald und kein Platz für Bagger, Schotter, Abraum und Asphalt‘“, singt die Band „Fortschrott“ unter Leitung von Ulrich Klan auf dem Vorplatz des Bahnhofes Vohwinkel. Und ein paar Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer erweisen sich als textsicher und stimmen in den Refrain mit ein.

Das Lied der sogenannten Ökosatire-Band „Fortschrott“ orientiert sich an dem textlich etwas veränderten „Rauch-Haus-Song“ der Band „Ton Steine Scherben“ und bildet den emotionalen Auftakt zur Demonstration für das Waldgebiet, das durch die geplante Haldenerweiterung der Kalkwerke Oetelshofen zumindest teilweise in seinem Bestand gefährdet ist.

Mit der Resonanz auf den Demonstrationsaufruf dürfen die Verantwortlichen zufrieden sein. Neben Mitgliedern der Bürgerinitiative finden sich auch Umwelt- und Naturschützer, Kunstschaffende, Vertreter von Fridays for Future oder der Klimagerechtigkeitsgruppe Dar Jin ein. Und der Zuspruch scheint auch bitter nötig: Ist doch die Gefahr einer Rodung des knapp zehn Hektar großen Areals nach der jüngsten Entscheidung des nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgerichts akuter denn je. BI-Sprecherin Marjolein Schlüter gibt sich gleichwohl kämpferisch. Sie kündigt noch vor Abmarsch des Demonstrationszuges eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht an und wünscht sich zugleich ein „aktionsvolles und erfolgreiches neues Jahr“. Zudem appelliert sie an die Verantwortlichen, mit der Rodung und der damit zusammenhängenden Räumung des Areals nicht zu beginnen, ehe das Bundesverfassungsgericht in der Sache gesprochen hat. Die Rodungssaison dauert aktuell noch bis Ende Februar.

Wuppertal: Runder Tisch sei nur eine „PR-Show“ gewesen

Beim Blick auf den aktuellen Stand des Erreichten kritisiert sie die Stadt und auch Oberbürgermeister Uwe Schneidewind (Grüne) mit deutlichen Worten. Es habe in der Diskussion um alternative Standorte für die Haldenerweiterung nur „wenig Resonanz aus der Verwaltung“ gegeben. Der Runde Tisch mit allen Beteiligten sei lediglich eine „PR-Show“ gewesen, für die man als BI nicht länger zur Verfügung stehe.

Von den Aktivistinnen und Aktivisten, die seit rund zwei Jahren das Waldareal besetzen und sich teilweise recht militant geben, will sich Schlüter nicht distanzieren. „Ich stehe Schulter an Schulter mit diesen Baumbesetzern“, sagt sie. Diese Maßnahme sei derzeit offenbar die „einzige Aktionsform, um diesen Wald zu erhalten“. Dass es sich bei dem in Frage stehenden Waldstück mit seinen fünf Hektar Baumbestand und dreieinhalb Hektar Aufforstungsfläche den Angaben zufolge um etwa ein Zehntel der Waldfläche nördlich der Osterholzer Straße handelt, will die BI-Sprecherin nicht als Argument gegen die Proteste gelten lassen.

Sollte die Rodung jetzt vollzogen werden, drohten in fünf bis zehn Jahren möglicherweise die nächsten Maßnahmen zur Erweiterung der Halde. „Es geht um die Zukunft“, mahnt Schlüter – und meint damit auch die ihres zwölf Jahre alten Sohnes Eike, der ebenfalls zur Demo gekommen ist und mit seiner Mutter ein Plakat zum Bestand des Waldes in seiner jetzigen Form hochhält. „Es geht ja auch um meine Zukunft“, erklärt er. Er nutze den Wald immer wieder, um dort mit dem Hund spazieren zu gehen, erzählt Eike. Insofern sei es für ihn ein „Herzensanliegen“, dass der Wald erhalten bleibe.

Die Rodungspläne in Wuppertal ziehen mittlerweile auch Kreise über die Stadt hinaus. Das belegt die Teilnahme von Protestierenden aus anderen Kommunen in NRW. Einer davon ist Winfried Bernhard, der ein großes Banner mit der Aufschrift „Alle Dörfer bleiben“ und dem Logo der Bewegung „Exstinction Rebellion“ trägt. Er kommt aus Neuss und beteiligt sich an der Demonstration auch im Interesse seiner beiden Enkel. Umweltschutz sei ein „wichtiges Anliegen, weil der Planet sonst gegen die Wand gefahren wird“, sagt er auf dem Marsch in das knapp drei Kilometer entfernt gelegene Waldgebiet.

Die Demonstration verläuft ruhig und ohne Zwischenfälle. Bei einer Zwischenstation im Wald – und in Sichtweite der Halde – verweist Gerion Gaubig von Fridays for Future Wuppertal darauf, welche wichtige Schlüsselrolle das Osterholz spiele. „Das Osterholz wird das Klima nicht retten. Kein Osterholz ist aber ein weiteres sinnloses Puzzlestück bei der Störung des Klimas.“

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