Konzept

41 Hochwasser-Hotspots rücken in den Fokus

Nach dem Juli-Hochwasser nimmt die Stadt Wuppertal drei von Überflutung gefährdete Bereiche in den Blick. Archivfoto: Anna Schwartz
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Nach dem Juli-Hochwasser nimmt die Stadt Wuppertal drei von Überflutung gefährdete Bereiche in den Blick.

Wuppertal wird noch Jahre brauchen, bis ein Konzept für den Katastrophenfall umgesetzt ist.

Von Jonas Meister

Wuppertal. Die Flut im Juli hat gezeigt, wie gefährdet Wuppertal beim Thema Hochwasser ist. Bislang beinhaltete das Hochwasserschutz-Prioritätenkonzept (HPK) von Wupperverband, Wuppertaler Stadtwerken (WSW) und Stadtverwaltung 38 Hotspots. Nach dem Jahrhundertunwetter im Sommer hat sich diese Zahl jetzt um drei erhöht, nachdem sowohl am Mirker Bach als auch an der Schwarzbach weitere Überflutungen auftraten.

Dabei gehen die Autoren des HPK davon aus, dass im schlimmsten Fall mehr als 1700 Gebäude von den Wassermassen betroffen sein und dabei Schäden von fast 91 Millionen Euro entstehen könnten. Dass dieses Szenario in Zeiten des Klimawandels im Tal nicht mehr unrealistisch ist, hat dabei gerade das jüngste Hochwasser bewiesen.

Wir müssen Platz für Gewässer schaffen.

Ulrich-Timmo Christenn (Grüne), Vorsitzender des Umweltausschusses

Bei der Erarbeitung des Konzepts wurden vor zwei Jahren neben den Hochwasserrisikomanagementplänen des Landes sowie anhand von Daten der Feuerwehr, der WSW und der Stadt die entsprechenden Gefahrenstellen in Wuppertal identifiziert. Im Anschluss wurden diese dann in Risikogruppen priorisiert. Die höchste Priorität hat dabei der Mirker Bach, an dem jetzt allein elf Hotspots verortet sind.

Für den Vorsitzenden des Umweltausschusses, Ulrich-Timmo Christenn (Grüne), ein deutliches Signal, dass Handlungsbedarf besteht: „Wir müssen Platz für Gewässer schaffen.“ In den letzten Jahrzehnten sei das in Wuppertal etwa durch Baumaßnahmen stark vernachlässigt worden. „Deshalb stehen wir jetzt auch vor der Frage, wo wir dem Wasser mehr Raum geben können.“ Schnelle Lösungen werde es hier aber nicht geben.

So begannen im August die Arbeiten für ein Projekt an der Uellendahler Straße, das das Überflutungsrisiko am Mirker Bach stark senken soll. Auf einem Industriegelände, das immer wieder durch Starkregen überschwemmt wurde, wird nun für vier Millionen Euro ein Regenrückhaltebecken entstehen.

Der Wupperverband erklärt, dass im Vorfeld ein Büro eine Artenschutzprüfung durchgeführt und einen Gestaltungsplan aufgestellt hat. „Das Becken wird mit einem regionalen Saatgut als Wiese bepflanzt und regelmäßig gepflegt. Eine bisher befestigte und versiegelte Fläche wird somit begrünt“, so der Verband. „Allein dieses Projekt am Mirker Bach zeigt, dass Hochwasserschutz auch eine Aufwertung für die Stadt sein kann“, freut sich Ulrich-Timmo Christenn.

Bei der Bestimmung von Hotspots fällt nach Angaben des Ausschussvorsitzenden immer wieder eine Charakteristik auf: „Diese Stellen liegen fast immer dort, wo das Wasser aus seinem natürlichen Bett etwa in einen Kanal umgeleitet wird. An diesen Engstellen kann das Wasser dann nicht richtig abfließen, staut sich und sorgt dann für Überflutungen in der direkten Umgebung.“

Wie sich ein Hochwasser-Hotspot genau definiert, ist dabei nicht immer gleich gefasst. Ilona Weyer, Sprecherin des Wupperverbandes, erklärt: „Bürger können etwa Stellen melden oder es werden Orte ausgewählt, die durch Beobachtung, Dokumentation und Berechnung ein gesichertes Risikopotenzial darstellen.“ Die Listen würden jährlich überarbeitet, dann auch die Prioritäten festgelegt werden. Um in Zukunft besser auf Flutereignisse vorbereitet zu sein, richtete die Stadt unter Federführung von Oberbürgermeister Uwe Schneidewind nach dem Hochwasser im Sommer jetzt auch die Taskforce „Hochwasser und Klimaresilienz“ ein. Eine wichtige Aufgabe der Arbeitsgruppe wird darin liegen, vulnerable Gruppen zu identifizieren, wie Sozialdezernent Stefan Kühn unterstreicht: „Bei einem solchen Hochwasser müssen etwa Altenheime, Schulen und Kitas besonderes vorbereitet und für den Notfall mit Einsatzplänen ausgestattet sein.“

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