Kosten

WSW: Gaspreise steigen in unbekannter Höhe

Verbraucher müssen sich auf höhere Preise und Einschränkungen einstellen.
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Verbraucher müssen sich auf höhere Preise und Einschränkungen einstellen.

Wuppertaler Versorger kündigt Erhöhung zum Herbst an.

Von Anne Palka

Wuppertal. Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) haben eine Preiserhöhung ab Herbst angekündigt – die deutlich steigenden Kosten an den Märkten, weil Russland Gaslieferungen reduziert, sind dabei noch nicht berücksichtigt. Deshalb können die WSW „aktuell keine seriöse Aussage zur Höhe der Preiserhöhung treffen“, sagt Sprecher Rainer Friedrich. Der Konzern könne aufgrund der russischen Politik nicht ausschließen, dass es zu weiteren Anpassungen kommt. „Uns ist bewusst, dass dies für viele Haushalte in Wuppertal eine große Belastung darstellt.“ Die WSW wollen Haushalten mit Zahlungsrückständen Raten und Stundungen anbieten.

Die Stadtwerke versorgen rund 65 000 Privat- und Gewerbekunden mit jährlich rund einer Milliarde Kilowattstunden Gas, im Industriekundenbereich sind es rund 530 Kunden mit jährlich rund 525 Millionen Kilowattstunden. Auch bei den Unternehmen werde das Problem der Energieversorgung immer dringlicher, sagt Thomas Wängler von der Industrie- und Handelskammer im Bergischen Land: „Die Sorgen wachsen mit jedem Tag.“ Kurzfristig gehe es um die Kosten, langfristig um die Wettbewerbsfähigkeit.

Jede eingesparte Kilowattstunde hilft, eine Gasmangellage im Winter zu vermeiden.

Rainer Friedrich, Wuppertaler Stadtwerke

Am Donnerstag hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck die Alarmstufe des Gas-Notfallplans ausgerufen – Stufe zwei von drei, die anzeigt, dass es eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgung gibt. Das habe „vorerst keine direkten Auswirkungen auf die Versorgungslage in Wuppertal“, sagt Rainer Friedrich. Es sei jedoch nicht abzusehen, ob die deutschen Gasspeicher für den Winter ausreichend aufgefüllt werden können. Deshalb schließe man sich den Appellen an, unter anderem von Bundesregierung und Bundesnetzagentur, Energie zu sparen: „Jede eingesparte Kilowattstunde hilft, eine Gasmangellage im Winter zu vermeiden.“ Die WSW bewerten die Lage kontinuierlich und stimmen sich mit dem Krisenstab der Stadt und den Partnern in der Energiewirtschaft ab, sagt Friedrich. In Vohwinkel gibt es den Kugelgasbehälter Möbeck, dort können 330 000 Kubikmeter gespeichert werden. Als Notfallspeicher ist er nicht gedacht, dafür ist er in einer Großstadt viel zu klein.

Informationen zum Gas-Notfallplan wollen die Stadtwerke auf ihrer Internetseite zusammenstellen, außerdem Tipps zum Energiesparen. Unter anderem die Verbraucherzentrale bietet individuelle Beratung an – kostenfrei, wenn Menschen ihre Rechnung für Strom und Gas nicht zahlen können.

Oliver Zier, Geschäftsführer der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG), hat sich schon vor der Eskalation des Gas-Notfallplans Sorgen gemacht. Der Bestand werde zu 80 Prozent mit Gas beheizt. „Die Preisentwicklung ist noch nicht genau absehbar“, bei einer starken Steigerung könnten Zahlungsausstände die Folge sein. „Wir arbeiten aktiv dagegen mit Mieterkommunikation“, die Vorauszahlungen werden erhöht. Bei der Allgemeinen Baugenossenschaft (ABG) gibt es meist Gasetagenheizungen, nur teils Zentralheizungen, so dass die Mieter selbst Verträge haben, sagt Geschäftsführer Michael Garnich. Nächste Woche ist Mitgliederversammlung. „Wir weisen auf das Problem hin und bitten, selbst Rücklagen zu bilden oder die Vorauszahlung zu erhöhen.“ Die Gebäude werden zwar seit Jahren energetisch saniert, aber „das hilft natürlich nicht in der akuten Situation. Was gerade passiert, dagegen ist kein Kraut gewachsen.“

Die Tafel hatte bereits ein Gespräch mit den Stadtwerken. „Nächstes Jahr müssen wir 20 000 Euro mehr für Strom und 80 000 Euro mehr für Fernwärme zahlen“, sagt Vorstand Peter Vorsteher, denn auch die Preise anderer Energiearten steigen. Der Verein bekommt keine staatliche Unterstützung und weiß selbst noch nicht, wie er die Kosten stemmen soll. „Wir steuern auf ein großes Problem zu“, sagt auch Jobcenter-Chef Thomas Lenz. „Die steigenden Gaspreise treffen Menschen, die bei uns im Leistungsbezug sind, nicht bei den Heizkosten. Die werden voll übernommen, unabhängig vom Preis“, solange der Verbrauch nicht übermäßig hoch ist.

Auf kommunaler Ebene sei es nahezu unmöglich, effektiv zu helfen, sagt Sozialdezernent Stefan Kühn. Auf Bundesebene müssten die Zuschläge erhöht werden und bei allen ankommen, nicht nur bei Arbeitnehmern, auch bei Studenten und Rentnern.

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