Musterwohnung

So wohnen Demenzkranke besser

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Stefanie Froitzheim, die Leiterin der AOK-Servicestelle Demenz, zeigt in der Musterwohnung, wie man einen Küchentisch richtig und falsch deckt. Demenzkranken kann so enorm geholfen werden. 

AOK präsentiert Demenz-Musterwohnung samt Beratung und Führung für Angehörige.

Von Alexander Schulte

Düsseldorf - Auch in Düsseldorf wächst die Zahl von Menschen mit Demenz, die noch zu Hause wohnen. Das ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen oft problematisch, weil vielen Demenzkranken auch in ihrer eigenen Wohnung die Orientierung immer schwerer fällt. Die AOK Rheinland/ Hamburg bietet seit Dienstag in der Düsseldorfer Kasernenstraße ein ganz praktisches Hilfsangebot: die „Musterwohnung Demenz“.

Das Original, eine echte 120-Quadratmeter-Wohnung steht zwar in Jülich, in der AOK-Servicestelle Demenz. Deren Leiterin Stefanie Froitzheim hat aber einen Nachbau mit großen Stellwänden und Fotos davon als Anschauungsmaterial mitgebracht.

Bis Ende Januar können sich Angehörige und Interessenten kostenlos informieren, was man in der Wohnung eines Demenzkranken installieren oder vermeiden sollte, was es zu beachten gilt. Froitzheim: „Wir beraten auch zu allen technischen Dingen vom Herdschutz bis zum Bewegungsmelder im Boden des Schlafzimmers, aber oft sind es nur Kleinigkeiten, die gar nichts kosten, den Alltag jedoch sehr erleichtern.“

Beraten wird kostenlos bei einem einstündigen Rundgang, ganz individuell, nach Anmeldung. Das Interesse sei enorm, heißt es bei der AOK. Wobei ausdrücklich jeder kommen kann, auch Mitglieder anderer Kassen.

Was erwartet sie? Alltagstipps, Zimmer für Zimmer

Angefangen beim Hauseingang, der gut beleuchtet sein soll. Weiter geht es mit der Türklingel, die oft nicht laut genug ist. Ob Küche, Bad oder Diele, überall gilt: möglichst klare farbliche Kontraste schaffen. „Alles in weiß ist nicht gut, da findet man sich schlecht zurecht“, sagt Stefanie Froitzheim. Gleiches gilt für zu unruhige Muster auf Tapete oder Tischdecke. Das Badezimmer als Gefahrenquelle kann entschärft werden, wenn wenig Gegenstände herumstehen, die falsch verwendet werden könnten – wie der Badreiniger als Mundspülung.

In der Küche haben viele Betroffene gelernt, wie hilfreich schlichte Aufkleber auf Geräten („Herd aus“, Wasserhahn zu“) oder auf Schränken („Tassen“, „Teller“) sind. Technisch wiederum kommen zum Beispiel ein Kühlschrankalarm (wenn er zu lange offen steht) oder eine automatische Herdüberwachung in Frage. Genauso natürlich wie feste Notrufklingeln in der Wohnung.

Viele Demenzerkrankungen weisen zwar Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten auf, dennoch gilt es, jeden Fall für sich zu betrachten, sagt Froitzheim: „Es ist für Angehörige sehr wichtig, die Verhaltensweisen und Reaktionen der Erkrankten zu beobachten.“

Und so geht es bei der Beratung auch und vor allem um das Zwischenmenschliche, um den guten Umgang mit den Patienten und die Beachtung der Lebensgeschichte, sagt die Demenz-Expertin. Das heißt: Den Erkrankten fordern und fördern, aber nicht überfordern; ihm vertrauen, viel Geduld entgegen bringen, ihn loben und stärken. Ein alter Heimwerker gewinnt vielleicht schon neues Selbstvertrauen, wenn er Schrauben oder Nägel sortieren kann. Froitzheim: „Die Menschen fühlen sich wohler, wenn sie das Gefühl haben, noch gebraucht zu werden und dazuzugehören.“

AUSSTELLUNG

BESICHTIGUNG Geöffnet ist die mobile Demenz-Musterwohnung in der Düsseldorfer AOK-Zentrale, Kasernenstraße 61, vom 14. bis 31. Januar (werktags) von 10 bis 15 Uhr; Anmeldungen für einen Besuch sind telefonisch unter Tel. (02461) 682 299 möglich oder online: ac.demenz@rh.aok.de

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