Privattheater

Wirbel um Rettungsplan für Komödie

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Muss mit weniger Subventionen klarkommen als geplant: Komödien-Chefin Katrin Schindler.

DÜSSELDORF Weitere Düsseldorfer Privattheater sollen gefördert werden. Wie genau, ist aber noch offen.

Von Thomas Frank, Christian Oscar Gazsi Laki und Alexander Schulte

Die Zukunft der Komödie an der Steinstraße ist sehr wahrscheinlich gesichert – zumindest bis Mitte 2020. Nach langem Hin und Her hat sich die im Rathaus regierende Ampel-Koalition unter der Überschrift „Hilfe zur Selbsthilfe“ auf ein Subventionsmodell geeinigt: Danach bekommt die in großen finanziellen Schwierigkeiten steckende Komödie für 2018 eine „Nothilfe“ von 50 000 Euro von der Stadt; im Jahr 2019 fließen dann 200 000 Euro. Geld, das aber nicht nur der Komödie, sondern potenziell auch dem Theater an der Kö von René Heinersdorff sowie anderen Privattheatern zugutekommen könne.

Im Sommer 2019 wird dann untersucht, ob und wie die Finanzhilfen gewirkt haben. Fällt die Evaluierung positiv aus, ist also klar, dass die privaten Theater – insbesondere die Komödie - ohne städtisches Geld lebensfähig sind, dann gibt es für 2020 noch einmal 100 000 Euro. „Und dann ist auch Schluss“, betont Bürgermeister Wolfgang Scheffler für die Grünen, die bis zuletzt die größten Bauchschmerzen mit den Zuschüssen hatten: „Klar ist damit, dass dies nicht der Einstieg in eine dauerhafte Subventionierung von privaten Theatern ist“, sagt Scheffler. Clara Gerlach von den Grünen sagte, dass die privaten Theater nun ein gemeinsames Konzept zur Verwendung des Geldes erarbeiten müssten. Die Stadtverwaltung würde dann prüfen, ob es sinnvoll umsetzbar sei.

RETTUNG DER KOMÖDIE

ÖFFENTLICHE SUBVENTION Im Jahr 2016 Im Sommer dieses Jahres drohte der Komödie die Schließung. Das Boulevardtheater an der Steinstraße musste 83 000 Euro aufbringen. Es handelte sich dabei um Anwalts- und Gerichtskosten, die nach der Überwindung des Insolvenzverfahrens angefallen waren. Dank einer hohen Spendenbereitschaft der Bevölkerung und des Freundeskreises konnte die Komödie weitermachen. Zudem steuerte Investor Christian Seeler 50 000 Euro bei. Die Ampel-Koalition wollte die Komödie von 2018 bis 2021 ursprünglich mit 350 000 Euro subventionieren. Die Grünen waren dagegen, mit dem neuen Bezuschussungs-Modell ließen sie sich auf einen Kompromiss ein.

Komödien-Chefin Katrin Schindler war das veränderte Bezuschussungs-Modell am Mittwochnachmittag noch nicht bekannt. Sie war davon ausgegangen, dass ihr Theaterhaus die ursprünglich vorgesehene Förderung von 350 000 Euro erhalten würde: 50 000 Euro für 2018 und für die Jahre 2019 und 2020 jeweils 150 000 Euro. Bevor das Bezuschussungs-Modell am heutigen Donnerstag aber nicht offiziell beschlossen werde, wolle sie keinen Kommentar abgeben, sagte Schindler auf Anfrage. Sie finde es aber schade, dass die Parteienvertreter zuerst mit der Presse sprechen würden – und nicht mit ihr.

Wenig später postete das Boulevard-Theater auf seiner Facebook-Seite, man habe mit großer Freude zur Kenntnis genommen, dass die Stadt Düsseldorf beabsichtige, sie in den nächsten Jahren zu unterstützen. „Diese Hilfe macht uns unabhängiger in unseren Entscheidungen und freier in der Gestaltung des Spielplans.“

Komödie hat mit ursprünglicher Förderungssumme gerechnet

Auf erneute Anfrage, ob die Komödie nun doch mit dem neuen Subventionsmodell der Stadt zufrieden sei, sagte Schindler, sie wisse nichts von dem Facebook-Post, dieser werde gelöscht. Was dann auch geschah. Die positive Stellungnahme in dem sozialen Netzwerk zeugt davon, dass die Komödie mit der ursprünglich geplanten Fördersumme gerechnet hat.

René Heinersdorff, Theater an der Kö, sagte, er halte eine Halbierung der 200 000 Euro zwischen dem Theater an der Kö und der Komödie für „absolut fair“. Er betonte aber auch, dass er sich sogar vorstellen könne, auf das Geld zu verzichten. Voraussetzung: Er kann das Junge Schauspiel nach dem Umzug ins Central als Probebühne und soziokulturellen Standort bespielen. Friedrich Conzen (CDU) brachte diese Nutzung jetzt für alle privaten Theater ins Spiel.

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