Lockdown

„Wir sind kein Zoo, der mit Tieren Geld macht“

Aktuell wird in der Freiflugvoliere Aralandia an der Technik getüftelt, ein paar Kinderkrankheiten gilt es noch zu beheben. Archivfoto: Stefan Fries
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Aktuell wird in der Freiflugvoliere Aralandia an der Technik getüftelt, ein paar Kinderkrankheiten gilt es noch zu beheben.

Im Lockdown setzt der Wuppertaler Zoo verstärkt auf Zucht und Artenschutz – finanziell ist jetzt die Stadt gefragt.

Von Hannah Florian und Andreas Boller

Wuppertal. Der Grüne Zoo Wuppertal befindet sich seit November im Lockdown. Hinter geschlossenen Eingangstoren geht das Zoo-Leben trotzdem weiter.

Die neue Freiflugvoliere Aralandia ist mittlerweile voll besetzt, mit zehn Hyazinth-Aras, Sonnensittichen und den Pudu-Zwerghirschen, die ihr neues Zuhause erkunden. „Die Aras haben es geschafft, die Aus- und Eingänge zu finden und bewegen sich sowohl drinnen als auch im Außengelände“, berichtet Zoo-Direktor Arne Lawrenz. Die Sonnensittiche halten sich in der Eingewöhnungsvoliere auf. Noch machen sie keine Anstalten, das Außengelände zu erkunden. Sobald es wärmer wird, werden ein paar der Sittiche gefangen und von den Tierpflegern nach draußen gesetzt in der Hoffnung, dass sie durch Kommunikation mit den Aras den Weg zurück in den Innenbereich finden. „Der Erfindungsgeist der kleinen Vögel ist wohl doch nicht so groß, dass sie von selbst darauf kommen, durch die Tunnel zu schlüpfen. Das haben wir anders erwartet“, wundert sich Lawrenz.

Aktuell wird in der Freiflugvoliere zudem noch an der Technik getüftelt, ein paar Kinderkrankheiten gilt es noch zu beheben. Die Funktionsweise der Türen zum Beispiel, und die elektronische Nachverfolgung der Aras, die sowohl beim Raus- als auch beim Reingehen eigentlich automatisch erfasst werden sollen.

6,5 Millionen Euro hat der Wuppertaler Zooverein in die Anlage Aralandia investiert. „Mit weiteren Ara-Arten machen wir weiter, wenn wir die elektronische Erfassung der Tiere erprobt haben. Ein Eröffnungstermin ist nicht in Sicht, denn man kann nicht davon ausgehen, dass im Zoo wieder 2000 Besucher zugelassen sind“, sagt Bruno Hensel, Vorsitzender des Zoovereins. Die Mitglieder halten dem Zooverein die Treue, obwohl auch für sie die Zoobesuche im Lockdown nicht möglich sind. „Wir verzeichnen sogar Zuwachs und steuern auf die 2100 Mitglieder zu“, sagt Bruno Hensel.

Die Tiere scheint die Abwesenheit der Besucher nicht zu stören

Dass der Grüne Zoo Wuppertal seit November keine Besucher mehr empfangen darf, scheint die Tiere nicht zu stören. Auf die Frage, ob die Zoo-Bewohner auf die Abwesenheit der Besucher in irgendeiner Art und Weise reagieren würden, antwortet Lawrenz: „Eigentlich nicht.“ Die Tiere würden die Besucher nicht brauchen, noch wären sie gestresst, wenn welche da wären. „Sonst würden wir auch etwas falsch machen.“

Der Zoo als städtischer Betrieb hat keine Existenzsorgen

Zwar habe der Wuppertaler Zoo aufgrund der temporären Schließung erhebliche Einnahmeverluste zu beklagen – „aber wir sind zum Glück ein städtischer Betrieb“, klärt der Zoo-Direktor über die finanzielle Lage auf. „Wir sind kein Zoo, der mit Tieren Geld macht, sondern ein Zoo, den die Stadt sich gönnt.“ Jetzt müsse die Stadt Wuppertal zeitweise etwas mehr Geld stellen, um das Überleben zu sichern. Auf drei Millionen Euro hat die Stadt die Einnahmeverluste beziffert, 700 000 Euro davon gleicht das Land mit Corona-Sonderhilfen aus.

Statt auf Unterhaltung der Zoo-Besucher setzt der Tierpark in der Pandemie seinen Fokus verstärkt auf Natur- und Artenschutz, in dem er zum Beispiel Projekte unterstützt, die sich gegen Wilderei in Nationalparks in Südafrika stark machen. „Da kann man jetzt schon mit kleinen Mitteln viel bewirken.“ Zudem werden die universitäre Forschung und die Zuchtprogramme im Grünen Zoo vorangetrieben.

Seit 2016 leitet Zoodirektor Lawrenz das Europäische Zuchtbuch für Afrikanische Elefanten und koordiniert im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm die Gruppenkonstellationen und das Tiermanagement dieser Tierart in allen Zoos des europäischen Zooverbands EAZA. Im Oktober feierte die Wuppertaler Elefantenanlage ihr 25-jähriges Jubiläum – 13 Elefanten-Jungtiere kamen bisher im Grünen Zoo zur Welt.

Auch außerhalb der Gehege werde derzeit viel geschafft. „Wir haben neue Leitlinien verschriftlicht und haben endlich etwas Zeit, uns inhaltlich strukturell neu zu ordnen.“ Natürlich freue Lawrenz sich auf die Zeit nach dem Lockdown, aber allzu dramatisch, wie Tierparks in anderen Städten es beschrieben, sei die Lage in Wuppertal nicht. „Ich kann es nicht verstehen, wenn manche Zoos auf die Tränendrüse drücken und klagen, sie könnten ihre Tiere nicht ernähren. Wenn dem so ist, sollte man sich fragen, ob man tatsächlich einen Zoo führen sollte.“

Videos

Um die Wuppertaler trotz Lockdowns zumindest ein klein wenig am Erlebnis Zoo teilhaben zu lassen, werden Fotos und kleine Video-Clips der Tiere über die Sozialen Medien und auf der Webseite des Zoos ausgespielt.

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