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Wie Rektorin Birgitta Wolff die Bergische Uni noch besser machen will

Birgitta Wolff ist als Rektorin die Nachfolgerin von Lambert T. Koch.
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Birgitta Wolff ist als Rektorin die Nachfolgerin von Lambert T. Koch.

Wuppertal. Anfang September hat Birgitta Wolff das Amt von Lambert T. Koch übernommen. Im Interview erzählt sie, wie sie Forschung und Lehre stärker vernetzen will – in Wuppertal, in der Region und darüber hinaus.

Von Anne Palka

Frau Wolff, seit wenigen Tagen sind Sie Rektorin der Bergischen Universität Wuppertal. Was waren Ihre ersten Termine und Aufgaben?

Birgitta Wolff: Ich lerne ganz viele Leute kennen, in der Universität und in der Umgebung. Das macht Spaß, weil es hier so viele kluge Köpfe gibt. Am 1. September fand um 9 Uhr eine konstituierende Rektoratssitzung statt. Das Team ist ja auch neu bis auf den Kanzler Roland Kischkel. Ich habe eine gute Mannschaft gefunden, die Kontinuität wahren will, aber auch veränderungsfreudig ist.

Die vier Prorektorate wurden nicht nur personell neu besetzt, sondern auch neu konzipiert. Zu welchen Veränderungen führt das?

Wolff: An der Universität gibt es schon etliche Transferprojekte, das wird mit Fokus auf die „Third Mission“ noch erweitert. Es geht um die Interaktion mit der Gesellschaft auf den Schultern von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Dabei werden die Studierenden noch stärker einbezogen. Es gibt zum Beispiel ein Projekt, bei dem sie ein Radwegenetz in Wuppertal entwickeln, das auch die neuen Möglichkeiten von E-Bikes berücksichtigt. Wenn man eine neue Technik hat, muss auch das Denken in Bewegung kommen. Was ändert das für die Menschen, was heißt das für unser Leben? Von solchen Beispielen wimmelt es in unserer Gesellschaft. Wichtig ist, dass diese Projekte die Ausbildung und die Forschung verbessern. Und das ist viel mehr als nur ein kommerzielles Nebenprodukt der Wissenschaft.

Wurden bei der ersten Sitzung schon Entscheidungen getroffen?

Wolff: Ja. Wir wollen beispielsweise die Organisationskultur noch transparenter machen. Ergebnisprotokolle werden künftig den Dekanen und Dekaninnen angeboten, im Rektorat öffnen wir unsere Kalender gegenseitig, das fördert Vertrauen. Und ich will noch stärker mit den Studierenden ins Gespräch kommen. Es soll einmal im Monat einen Termin mit dem Asta geben. Die Erfahrung aus der Frankfurter Uni hat gezeigt, dass sich viele Themen auf dem kurzen Dienstweg regeln lassen.

Mit Blick auf Ihren Lebenslauf haben Sie in unterschiedlichen Funktionen einige Universitäten kennengelernt: Witten, München, Harvard, Washington, Magdeburg und zuletzt als Präsidentin die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Was macht die Bergische Universität besonders?

Wolff: Ihr Fokus auf die Studierenden. Das Bekenntnis zur Region. Bei der Jubiläumsfeier haben alle von der Bergischen Universität gesprochen, nicht von Wuppertal. Zudem ist sie stark im Mittelstand verwurzelt. Und auch ihr Motto spricht mich sehr an: „Verstehen, vermitteln, gestalten“. Letzteres würde sich nicht jede Universität ins Leitbild schreiben.

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Was nehmen Sie sich für Ihre Amtszeit vor?

Wolff: Meine Bewerbung auf die Position umfasste auch Ideen für die Universität. Dabei habe ich mich intensiv mit dem Entwicklungsstand und auch den Baustellen beschäftigt. Die Uni ist extrem gewachsen, alleine in der 14-jährigen Amtszeit von Lambert T. Koch von 13 000 auf 23 000 Studierende. Damit ist sie eine solide, mittelgroße Uni. Es gibt Phasen, in denen man bestimmte Dinge vorantreibt. Jetzt steht an, sich in der Forschungsszene stärker zu vernetzen. In der Region gelingt das schon fantastisch. Auch überregional braucht es eine noch stärkere personelle und vertragliche Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte mit Instituten und anderen Hochschulen. Ich sage bewusst Hochschulen, denn wir haben keine Berührungsängste mit Fachhochschulen. Ich bringe einige Kontakte mit, und es gibt bereits Steilvorlagen für vielversprechende Kooperationen. Dafür müssen wir die Bedingungen schaffen: oft nicht nur Geld, sondern Vernetzung. Wir müssen die guten Ideen nur entdecken und ihnen Rückenwind geben – die Fäden, die in der Luft hängen, erfassen und verweben.

Wie kann das aussehen?

Wolff: Einen erfolgreichen Modellversuch gibt es zum Beispiel im Bereich der Lehrerbildung. Dafür hat die Bergische Universität eine eigene Fakultät, die School of Education. Das ist nicht selbstverständlich. Die Lehrenden hier machen das mit viel Herzblut, was woanders manchmal als schiere Notwendigkeit betrachtet wird. Damit haben wir einen großartigen Multiplikator in die Jugend. Auch die frühe Bildung ist wichtig, da werden die Weichen gestellt. Da brauchen wir alle Fächer. Es ist wichtig, dass Gutes nicht in Elfenbeimtürmen hängen bleibt, sondern verbreitet wird.

Was werden Studenten in ihrem Alltag merken?

Wolff: Wir haben festgestellt, dass auf dem Campus Knoten- und Begegnungspunkte fehlen, die man baulich fördern könnte. Zum Beispiel einen ökumenischen Raum der Stille. Es gibt die evangelische und katholische Hochschulgemeinde, aber keinen Raum, der für muslimische Studierende benutzbar wäre. Auch für eine zentrale Cafeteria und andere Projekte gibt es Vorüberlegungen. Wir wollen den Campus wohnlicher machen, damit ihn die Studierenden nicht direkt nach Ende der Vorlesungen und Kurse verlassen.

Wie wird sich die Lehre verändern?

Wolff: Ich gehe davon aus, dass die Studierendenzahlen nicht weiter steigen. Wir sehen hier eine bundesweite demografische Entwicklung. Das schafft Raum, um Forschung und Studiengänge klug weiterzuentwickeln. In gemeinsamen, fächerübergreifenden Angeboten können die großen Fragestellungen bearbeitet werden, zum Beispiel zur Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Fachübergreifende Kooperation und Flexibilität bieten da große Chancen.

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