Auszeichnung

Werke der Künstlerin überzeugen durch ihre Form

Für ihre Wackelschalenskulptur hat Christine Ruff nun einen Preis bekommen. Foto: Andreas Fischer
+
Für ihre Wackelschalenskulptur hat Christine Ruff nun einen Preis bekommen.

Christine Ruff ist für ihre Wackelschalenskulptur ausgezeichnet worden.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Um eine Skulptur zu schaffen, braucht man Handwerk und künstlerische Inspiration, „das gehört für mich alles zusammen“, sagt Christine Ruff. Seit 18 Jahren erschafft die Keramik-Künstlerin nun schon in ihrem Atelier aus Ton Kunstwerke, die vor allem durch ihre Form überzeugen. Gerade hat sie einen Preis erhalten, den dritten insgesamt. Ihre Wackelschalenskulptur wurde beim vierten Siegburger Keramikpreis ausgezeichnet.

Das Objekt, das aus zwei formal identischen Einzelschalen besteht, lasse, so die Jury, „die Einzelteile zum Gesamt-Klang einer neuen, faszinierenden Form verschmelzen“. Christine Ruff ist ein Kind des Schwarzwaldes. Sie wurde 1959 in Zell am Hermersbach geboren. Sie sei ein praktischer und visueller Mensch, sagt sie selbst über sich. Nach einer Ausbildung zur Keramikmalerin und einem Studium der Keramik-Gestaltung kam sie über Freunde nach Wuppertal. Bekam hier 1998 die Chance, als Assistentin für Tony Cragg zu arbeiten.

„Für mich kann auch aufgehäufter Müll inspirierend sein.“

Christine Ruff, Künstlerin

Bei ihm habe sie viel selbstständig gearbeitet, ihre handwerklichen Kenntnisse vertieft und von ihm das richtige Sehen gelernt, „zu sehen, was einer Form fehlt“, erzählt sie. Eine unheimlich gute Lehrzeit sei das gewesen, die ihren Horizont erweitert habe. Im Anschluss, 2004, machte sie sich selbstständig, mit einem eigenen Atelier, in das sie als erstes einen großen Ofen stellte, um dort „große und schwierige Sachen zu machen“.

Stets geht es der Künstlerin bei ihrer Arbeit um die Form, der sie mit viel Feingefühl begegnet: „Bei mir heißt der Spruch nicht ‚form follows function‘, sondern Funktion folgt Form.“

Die Form werde zum Objekt, zur Skulptur, nicht zum Gebrauchsgegenstand. Was nicht ausschließt, dass sie auch funktionieren kann, etwa als Vase, Schale oder Krug. Eine Form, die Christine Ruff in der Natur, in Alltagsgegenständen, überall entdeckt. Die klein sein kann, in ihrem inneren Auge aber groß, zur Skulptur wird. Stets eine organische Wirkung hat.

„Für mich kann auch aufgehäufter Müll inspirierend sein. Eben, wie Dinge aufgestellt sind.“ Eine Form, die sie gerne mit anderen Formen in Bezug setzt, Paare, Ensembles bildet, die ineinander übergehen. Formen, die scheinbar abheben, weshalb sie oft einen schmalen Fuß haben. Formen mitklaren Linien und Konturverläufen. Die sie anfänglich uni-weiß, später uni-farbig gestaltete, mittlerweile auch mit grafischen Endlos-Mustern versieht, die wiederum von der Kontur leben. Immer noch hat Christine Ruff ein Faible für matte Oberflächen, weil diese „die Form mehr zur Geltung bringen“, schätzt aber auch das Spiel mit dem Glanz. Etwa bei Schalen, die sie außen matt und rau gestaltet und innen glänzend, „wie ein Juwel“.

Christine Ruff kostet ihre Formen aus, experimentiert, trennt, deformiert, quetscht zusammen, zieht in die Länge, montiert, glasiert und brennt – sie erschafft aus einer Grundform unterschiedliche Objekte. Aus einer Vase, die sie durchschneidet, werden Krug, Becher und Kelch oder aus einem Abendmahlsgeschirr für eine Kirche die Idee für Kerzenhalter und Karaffen.

Vor allem aber erschafft sie Schalen: Wackel-, Kelch-, Zweier-, Dreier-, Blüten-, Kelch-Schalen. Und Vasen, die wie Blütenkelche wirken oder an Knollen erinnern, die sie Adapter- oder Space-Vasen nennt. Der typische Ruff-Stil zeichnet sich durch matte Oberflächen, Pastellfarben oder den Kontrast mit glänzenden, knalligen Farben aus, beschreibt die Künstlerin. Entwickelt sich aber weiter, weil die Möglichkeiten unerschöpflich sind, Stillstand kein Thema ist, es immer weiter geht, aus der Bewegung Neues entsteht. Das anspricht und wertgeschätzt wird, zuletzt in Siegburg. Auf den letzten Drücker habe sie ihre Wackelschalenskulptur eingereicht, vor Weihnachten auf der Fahrt in den Schwarzwald abgegeben. Und erst beim Besuch der Ausstellung im Januar erfahren, dass sie einen Preis gewonnen habe. „Das war wie ein Wunder“, erzählt die Künstlerin. Die freilich schon 2013 den Staatspreis NRW und 2014 den Hessischen Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk erhalten hat.

Keramikpreis – Lehrtätigkeit

Der vierte Siegburger Keramikpreis stand unter dem Motto „Ton und Töne – der Ton macht die Musik“. Die Jury hatte Arbeiten von insgesamt 38 Keramikern aus Deutschland, Frankreich, Österreich, den Niederlanden, Belgien und Korea zu begutachten. Der erste Preis (2000 Euro) ging an Ellen Rijsdorp, der zweite an Monika Debus (1200 Euro), der dritte an Christine Ruff (800 Euro). Die Werke der Preisträger waren im Januar in der Ausstellung „Ton & Töne“ im Siegburger Stadtmuseum zu sehen. Christine Ruff gibt auch Kurse in ihrem Atelier und ist in der Lehre tätig: seit 2018 an der Folkwang Universität/FB-Industrial Design in Essen und seit 2019 für das Industrial Design Institute Zhaoqing University China. Weitere Informationen zu ihren Arbeiten gibt es unter:

www.ruffceramic.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Busfahrerin verliert Kontrolle und klemmt Taxi ein
Busfahrerin verliert Kontrolle und klemmt Taxi ein
Busfahrerin verliert Kontrolle und klemmt Taxi ein
Schwerer Verkehrsunfall bei Wendemanöver
Schwerer Verkehrsunfall bei Wendemanöver
Schwerer Verkehrsunfall bei Wendemanöver
MTV Europe Music Awards werden in Düsseldorf verliehen
MTV Europe Music Awards werden in Düsseldorf verliehen
MTV Europe Music Awards werden in Düsseldorf verliehen
Ratsherr: Eigentümer zum Vermieten zwingen
Ratsherr: Eigentümer zum Vermieten zwingen
Ratsherr: Eigentümer zum Vermieten zwingen

Kommentare