Barmen

Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Bergischen Synagoge

Leonid Goldberg (l.) zeichnete Bruno Hensel mit der Goldenen Menorah für sein außerordentliches Engagement aus.
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Leonid Goldberg (l.) zeichnete Bruno Hensel mit der Goldenen Menorah für sein außerordentliches Engagement aus.

200 geladene Gäste kamen nach Barmen zur Feier der jüdischen Kultusgemeinde.

Von Waltraut Rass

Wuppertal. Es war das erste Mal, dass ein israelischer Präsident an der Einweihung einer Synagoge in Deutschland teilnahm. Der gebürtige Wuppertaler Johannes Rau bezeichnete den Tag später als „einen der bewegendsten seines Lebens“, ist dazu in der Jüdischen Allgemeinen vom 11. Dezember zu lesen.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Bergischen Synagoge Wuppertal begrüßte die jüdische Kultusgemeinde Wuppertal am Sonntagnachmittag, 11. Dezember – oder 17. Kislev 5783 nach dem jüdischen Kalender –, rund 200 geladene Gäste. Den Auftakt der Begrüßungsansprachen an die Gäste machte in der Synagoge Leonid Goldberg. „Seien Sie gewiss, dass sie alle jederzeit in unserer Synagoge willkommen sind“, machte er zunächst klar. Der damalige Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sei vor 20 Jahren ebenfalls in Barmen bei den Einweihungsfeierlichkeiten gewesen, erzählte Leonid Goldberg.

„Wer ein Haus baut, will bleiben.“ Er persönlich habe diesen Satz zum ersten Mal bei der Eröffnung der Alten Synagoge am 18. Mai 1995 vom damaligen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und späteren Bundespräsidenten, Johannes Rau, gehört, sagt Leonid Goldberg, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal. „Johannes Rau war auch bei uns anwesend zur Einweihung unserer Synagoge vor 20 Jahren mit dem damaligen israelischen Staatspräsidenten Moshe Katzav.“

„Wer nicht an Wunder glaubt, ist ein Realist“: Sehr viele der sogenannten Kontingentflüchtlinge, die aus der ehemaligen Sowjetunion nach Wuppertal kamen, hätten viel zur Entstehung der Synagoge an der Gemarker Straße beigetragen. „Die evangelische Landeskirche hat uns das Baugrundstück geschenkt.“

Viele Landes- und Kommunalpolitiker hätten den Bau des Hauses unterstützt, Geld zugesichert und zurückgelegt. Auch einzelne Bürger hätten Geld gegeben und der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl habe von seinem Privatkonto eine erhebliche Summe gespendet, so Goldberg. „Handwerker und Künstler haben die Synagoge gebaut und ausgestattet. Und noch viele andere haben zur Umsetzung des Wunders beigetragen.“

Es gab viele Konzerte und Veranstaltungen zur Umsetzung des Baus der Synagoge. Einen der beiden Architekten der Synagoge, den Wuppertaler Christoph Goedeking, begrüßte Leonid Goldberg und freute sich, dass sie immer noch eine Freundschaft verbinde und er es verdient habe, auch nach 20 Jahren noch erwähnt zu werden. 

Laudatio und Ehrung für Bruno Hensel

Die Synagoge mit ihren 20 Jahren Bestand wirke auf den ersten Blick sehr jung, aber sie weise in ihrer historischen Bedeutung sehr viel weiter zurück, 200 Jahre und mehr. Sie gebe Impulse im wirtschaftlichen, sozialen kulturellen Bereich, von denen die Stadt heute noch profitiere, sagte Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. Er bezeichnete die Synagoge als einen ganz wichtigen Integrationspunkt für die Stadtgesellschaft in Wuppertal und im Bergischen Land.

Stadtkämmerer Stefan Kühn als Vorsitzender des „Freundeskreises Neue Synagoge“ sprach ebenfalls einige Worte. Er macht darauf aufmerksam, dass der Jahresbeitrag für Mitglieder nur sechs Euro betrage.

Ruth Yael Tutzinger sprach eine Laudatio für den Wuppertaler Bruno Hensel. Er ist ein berufenes Mitglied der Kreissynode und war seit vielen Jahren an dem Bau der Neuen Synagoge maßgeblich beteiligt. Es fing an, als ein Teil des Geländes hinter dem ehemaligen Pfarrerhaus zur Disposition stand, erzählt Tutzinger. Dort wollte die evangelische Kirchengemeinde Gemarke ein Haus der Kirche erbauen. „Dann blieb aber immer noch Platz auf dem Grundstück.“

Diskret bat Hensel die damalige Oberbürgermeisterin Ursula Kraus, sich mit dem Superintendenten Manfred Rekowski in Verbindung zu setzen. So sei es wenige Tage später zu einem „nächtlichen Rundgang um die Gemarker Kirche unter strikter Geheimhaltung“ gekommen. Die Idee zum Bau der Neuen Synagoge war geboren.

Zum Ende der Veranstaltung bekam Bruno Hensel zur Ehrung für sein großes Engagement für die Neue Synagoge von Leonid Goldberg die Goldene Menorah (Siebenarmiger Leuchter) ans Revers gesteckt. Ruth Yael Tutzinger wurde selbst für ihre engagierte Gemeindearbeit außerordentlich mit der Goldenen Menorah ausgezeichnet.

Hintergrund

Auf einem Eckgrundstück direkt neben der evangelischen Gemarker Kirche, die durch die „Barmer Erklärung“ wider den Ungeist der Nationalsozialisten von 1934 geschichtsträchtig geworden war, präsentiert sich die Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde. Markant sind der gläserne Turm und neun Fenster, die eine Chanukkia symbolisieren.

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