Parasiten

Krätze: Wenn es am ganzen Körper juckt

Krätzmilben bohren sich unter die Haut und lösen Juckreiz aus. Hier zeigt ein Mann ein Bild seines befallenen Fußes. Symbolfoto: Henning Kaiser/dpa
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Krätzmilben bohren sich unter die Haut und lösen Juckreiz aus. Hier zeigt ein Mann ein Bild seines befallenen Fußes.

Gesundheitsamt: Leichter Anstieg in Wuppertal. Krätze tritt vor allem in Kitas und Schulen auf.

Von Anke Strotmann

Wuppertal. Wenn die Haut juckt und schuppt, ist meist der erste Reflex, sich zu kratzen. Daher rührt auch der Name Krätze – eine Krankheit, die vermehrt dort auftritt, wo viele Menschen auf engen Raum zusammenkommen. „Das kann in einer Kita, in einer Schule aber auch in einer Justizvollzugsanstalt sein“, sagt Matthias Buntrock-Schweer, Abteilungsleiter Infektions- und Umwelthygiene beim Gesundheitsamt Wuppertal.

Die Krätze, im Fachjargon Skabies oder Scabies, ist eine ansteckende Hauterkrankung, die durch Parasiten verursacht wird. „Die Krätzmilben graben sich in die obere Hornschicht der Haut und fressen das Hornmaterial“, sagt Buntrock-Schweer. Die Ausscheidungen der winzigen Tiere verursachen einen Juckreiz beziehungsweise eine allergische Reaktion.

Voraussetzung für die Übertragung ist ein längerer Hautkontakt. „Krätze wird nicht über Flächen übertragen“, sagt Buntrock-Schweer. Allerdings könnten die Milben über Leibwäsche wie Unterwäsche und Strümpfe sowie Bettwäsche übertragen werden. Kleidungsstücke mit direktem Hautkontakt sollten täglich gewechselt und bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. „Es sollte kein Ecoprogramm verwendet werden, weil die Programme die Temperatur nicht erreichen“, so Buntrock-Schweer. Außerhalb der Haut verhungern die Milben. Polster oder Kuscheltiere kann man von Milben befreien, indem man die Teile vier Tage in einem Plastiksack verschließt.

Der Hautarzt muss die Diagnose stellen

Um die Krätze am Körper festzustellen, sei eine vernünftige Diagnose nötig. „Am besten vom Hautarzt“, sagt Buntrock-Schweer. Die allergische Reaktion trete nicht immer an der Stelle auf, an der jemand von Krätzmilben befallen ist. „Die muss man suchen, am besten mit einem Mikroskop“, so Buntrock-Schweer. Mit einer Lupe sei es manchmal auch möglich, die Krätzmilben selbst zu entdecken.

Wenn die Diagnose Krätze bestätigt wurde, wird meist eine Creme verschrieben. Bereits nach der ersten Anwendung darf ein Kind wieder die Kita oder Schule besuchen, so Buntrock-Schweer. Dass die Krankheit häufig erneut ausbricht, kann er sich nur mit Anwendungsfehlern erklären. „Die Hinterohrfalte ist ein kritischer Bereich. Wenn sie nicht behandelt wird, ist ein Wiederbefall möglich.“ In Fällen, in denen die Krankheit trotz der Creme nicht abklingt, empfiehlt das Robert-Koch-Institut ein Präparat zur oralen Einnahme.

Krätze ist meldepflichtig. „Wir beraten Kitas und Schulen, was zu tun ist, wenn die Krankheit auftritt. Manchmal müssen wir zwangsweise eine Einrichtung schließen, um eine Weiterverbreitung zu verhindern.“ Wie viele Kinder pro Jahr von Scabies betroffen sind, kann er aber nicht sagen. „Einerseits ist die Krankheit ganz normal, andererseits kommt sie relativ selten vor.“

Matthias Buntrock-Schweer beobachtet einen Anstieg der Fallzahlen. Die Ursache kann er nicht ausmachen: „Entweder gibt es mehr Eltern, die die Krankheit melden oder es gibt tatsächlich einen Anstieg.“

KEIN TRIKOTTAUSCH

VORURTEIL „Scabies haftet wie Kopfläusen eine asoziale Klassifizierung an“, sagt Matthias Buntrock-Schweer. Es werde davon ausgegangen, dass mangelnde Haut-Hygiene eine Rolle spiele. „Das trifft aber nicht zu.“ Krätze kann jeder bekommen; eine Prophylaxe gibt es nicht. Der Experte empfiehlt nur eines: „Sport-T-Shirts, die Stunden zuvor noch getragen wurden, sollte man nicht tauschen.“

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