Polarforscherstation

Weiße Weihnachten in der Antarktis

Die Polarforscherstation „Neumayer III“ befindet sich in der Antarktis. Hier können die Forscher die Faszination der Antarktis rund um Wetter, Tiere und Luft erleben. Fotos: Anna-Marie Jörss
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Die Polarforscherstation „Neumayer III“ befindet sich in der Antarktis. Hier können die Forscher die Faszination der Antarktis rund um Wetter, Tiere und Luft erleben.

Anna-Marie Jörss aus Mettmann verbringt die Festtage auf der Polarforscherstation „Neumayer III“.

Von Valeska von Dolega

Mettmann/Antarktis. Bei ihr gab es eine Schneegarantie zum Weihnachtsfest: Anna-Marie Jörss ist zurzeit auf der Neumayer III in der Antarktis im Einsatz. Die Meteorologin aus Mettmann ist Teil des aktuellen Teams der Polarforscherstation.

„Wir leben ja hier auf dem Schelfeis“, beschreibt sie ihr derzeitiges Zuhause. „Unter uns befindet sich gar kein normaler kontinentaler Boden, sondern etwa 200 Meter dickes Eis – und darunter der Ozean.“ Während andere bloß von kalten Flöckchen träumen, watet Anna-Marie Jörss über eine „ziemlich dicke Schneeauflage, denn in der ersten Dezemberhälfte hat es tüchtig geschneit“.

Anna-Marie Jörss

Was sich nach einem schwer romantischen Weihnachtstraum anhört, hat seine Tücken. „Wir erwarten weiteren Neuschnee. Leider ist Schneefall hier aber meist mit Sturm verbunden.“

Schaut die Meteorologin aus ihrem Bürofenster Richtung Süden, „sehe ich mein Meteorologisches Messfeld, unser Gewächshaus und noch deutlich entfernter das Spurenstoffobservatorium und den Eingang ins unterirdische Magnetikobservatorium“. Ebenso imposant klingt der Blick Richtung Osten, dort sieht sie die Eisberge in und vor der Atkabucht, wo auch die Meereismessungen stattfinden. Richtig spektakulär wird es, wenn es zu Brechungseffekten in der Luft kommt, die „die Eisberge scheinbar vertikal in die Länge ziehen oder nach oben spiegeln. Das sieht toll aus!

Etwa fünf Kilometer entfernt befindet sich das sogenannte Winterlager mit Emergency-Base sowie Seecontainer mit Material und Tankcontainer. „Soweit das Auge reicht ist alles voller Eis und Schnee.“ Und das sieht „je nach Licht und je nach Schneelage fantastisch aus. Die Schneeoberfläche verändert sich kontinuierlich und zeigt immer wieder neue Muster“, schwärmt sie. In der Übergangszeit war es am schönsten, „da hatten wir ja auch Dämmerung und Sonnenauf- und Untergänge, was zu sehr tollen Farbenspielen führte“.

Während in Deutschland Wintersonnenwende war, ist in der Antarktis Hochsommer. Das ist so angenehm warm, dass man draußen im T-Shirt arbeiten kann – bei Temperaturen zwischen minus 10 und 0 Grad Celsius. Vor vier Monaten war es noch knapp 40 Grad kälter.„Wir feiern hier auch ein bisschen Weihnachten“, ohne echten Baum, dafür mit Exemplaren aus Plastik. Einer steht in der Messe, wo gemeinsam gegessen wird, der andere in der Lounge. Es wurde gebastelt und gebacken. An Heiligabend ist ein Festessen geplant. „Mir ist es egal, was es gibt, die anderen haben sich für Kartoffelklöße mit Rotkohl und Ente entschieden - also ganz klassisch.

„Für uns sind die Weihnachtstage Arbeitstage und wir müssen noch so einiges erledigen.“ Für Anna-Marie Jörss sind das die „üblichen Wetterbeobachtungstermine sowie Sondierungstermine“. Wie bei anderen auch, stehe dann gemeinsam Filme schauen, Spiele spielen, singen auf dem Dach auf dem Programm. Außerdem werden in der Freizeit Schlittenpartien unternommen. „Und ich möchte nochmal rausfahren zu den Pinguinen und Robben, denn das ist für mich das absolute Highlight!“

Das Coronavirus veränderte auch Abläufe bei der Station

Weil seit Ende Februar keine Versorgung hierher stattfand, konnten keine Geschenke hergebracht werden. Wegen Corona ist alles anders. So war es mit den Geburtstagen, „da muss man eben kreativ werden, wenn man sich beschenken möchte“, sagt sie über selbsterstellte Poster, bemalte T-Shirts und selbst gestrickte Socken. Gehen die Gedanken wehmütig Richtung Mettmann? „Heimweh habe ich so gut wie nie.“ Klar vermisst sie Freunde und Familie immer mal wieder, „aber das ist ok. Was mir am meisten fehlt, ist frisches Obst. Wir haben nur noch Äpfel, die inzwischen ein Jahr alt sind. Und was mir fehlt ist Regen!“

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