Waldkindergärten werden in Deutschland immer beliebter

Viel mehr als einen Bauwagen braucht es für einen Waldkindergarten nicht. So auch bei der ersten Einrichtung dieser Art im Oberbergischen, dem Johanniter-Waldkindergarten Lindlar. Im Sommer soll Wipperfürth nun auch eine Waldgruppe bekommen.
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Viel mehr als einen Bauwagen braucht es für einen Waldkindergarten nicht. So auch bei der ersten Einrichtung dieser Art im Oberbergischen, dem Johanniter-Waldkindergarten Lindlar. Im Sommer soll Wipperfürth nun auch eine Waldgruppe bekommen.

Wipperfürth. Ganz neu ist Idee eigentlich nicht. Bereits vor rund 60 Jahren wurde in Dänemark der erste Waldkindergarten gegründet. In den letzten Jahren setzt sich das Konzept auch in Deutschland immer weiter durch. Und im Sommer wird Wipperfürth seinen ersten "Kindergarten ohne Dach und Wand" bekommen.

Die katholische Kindertagesstätte St. Clemens in Wipperfeld hat bisher zwei "normale" Gruppen. Im August kommt eine dritte hinzu - die wird allerdings nicht im Gebäude des Kindergartens, sondern eben im Wald sein, ein paar hundert Meter vom Kindergarten-Gebäude entfernt. Das Waldgrundstück ist in Privatbesitz und wird kostenlos zur Verfügung gestellt.

Dort wird nahezu der komplette Kindergartenalltag der Gruppe stattfinden, genau das ist die Grundidee: Die Kinder sind bei Wind und Wetter draußen, suchen sich ihre Spielmaterialien in der Natur. Nur zu den Mahlzeiten und bei richtig schlimmem Sauwetter dient ein Bauwagen als Unterschlupf.

Die Finanzierung der neuen Gruppen ist inzwischen für die ersten fünf Jahre gesichert, nun geht es an die Details. "Hürden gibt es immer", sagt Maria Blechmann, Leiterin des St.-Clemens-Kindergartens. So müsse im Moment zum Beispiel geklärt werden, wie man fließend Wasser und Strom in den Bauwagen bekomme.

Werden die Plätze nicht mehr benötigt, zieht der Wagen um

Die Idee zum ersten Wipperfürther Waldkindergarten ging vom Jugendamt aus, sagt Maria Blechmann. "Das ist ja auch stimmig, nicht nur weil wir einen Wald in der Nähe haben, sondern auch, weil wir ja schon Bewegungskindergarten sind." Für das Jugendamt hingegen ist die Waldgruppe vor allem eine besonders flexible Lösung: Statt neu oder anzubauen muss nur ein Bauwagen angeschafft werden. Und werden die Betreuunggsplätze in ein paar Jahren nicht mehr benötigt, verkauft man den Wagen. Oder schafft ihn an einen anderen Ort, wenn dort zusätzliche Plätze benötigt werden.

20 Kinder sollen die neue Gruppe maximal besuchen. Erste Anmeldungen lägen bereits vor, sagt Maria Blechmann. Erfahrungsgemäß brauchen Waldkindergärten immer ein paar Jahre, um die Gruppen "voll" zu bekommen. Grundsätzlich steigt das Interesse von Eltern aber seit Jahren stetig.

Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten seit Ende der 90er Jahre bestätigen die Vorteile: Kinder, die Waldkindergärten besucht haben, seien gesundheitlich robuster, hätten weniger Unfälle und seien in ihrer motorischen Entwicklung weiter, haben Studien herausgefunden. Die ursprüngliche Befürchtung, dass sie weniger gut auf die Schule vorbereit seien, widerlegte der Pädagoge Peter Häfner in seiner Doktorarbeit an der Uni Heidelberg im Jahr 2002.

Und der Betreuungsschlüssel zwischen Kinder und Erzieher ist im Waldkindergarten ein ganz anderer. Während in einer "Regelgruppe" 25 und mehr Kinder von zwei Vollzeitkräften betreut werden, sollen sich beim Wipperfelder Waldkindergarten zwei Voll- und eine Teilzeitkraft um 20 Kinder kümmern. Wer das sein wird, steht übrigens noch nicht fest. Denn auch die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter muss Maria Blechmann erst noch finden: "Es bleibt noch viel zu tun."

WALDKINDERGÄRTENANFÄNGE "Erfunden" hat den Waldkindergarten Ella Flatau im dänischen Sölleröd, die in den 1950er Jahren erst mit ihren eigenen und später auch mit den Kindern ihrer Nachbarn regelmäßig in den Wald ging.DEUTSCHLAND Den ersten deutschen Waldkindergarten gab es 1968 in Wiesbaden, die Einrichtung wurde jedoch nie durch das zuständige Jugendamt genehmigt. Offiziell los ging es 1993 in Flensburg. Heute gibt es bundesweit über 1000 Waldkindergärten und -gruppen, unter anderem in Engelskirchen, Lindlar und Burscheid.

 

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