Konflikt um den Osterholz

Waldbesetzung: Arbeiter berichten von Attacke

Ein Transparent mit doppeldeutiger Botschaft hängt im Osterholzer Wald. Foto: Peco
+
Ein Transparent mit doppeldeutiger Botschaft hängt im Osterholzer Wald.

Haan. Der Konflikt um den Osterholz verschärft sich. Nun sind offenbar zwei Mitarbeiter einer Reparaturfirma von Aktivisten bedroht worden.

Von Peter Clement

Der Auftrag war nicht ungewöhnlich: Zäune reparieren, die zuvor mutwillig zerstört worden waren. Was zwei Mitarbeiter einer Firma, die von den Kalkwerken Oetelshofen mit den Reparaturarbeiten beauftragt worden war, aber dann offenbar erlebten, erinnert an einen Alptraum. Als einer der beiden am Tag danach davon erzählt, steht er noch immer unter dem Eindruck der Geschehnisse.

Er und sein Kollege seien vom Firmengelände aus mit Werkzeug und Eimern zum aufgerissenen Bauzaun nahe des Aktivisten-Camps am Osterholz gegangen, sagt er. Dort habe man gerade die Schellen erneuern wollen, als immer mehr schwarz gekleidete, vermummte Personen aufgetaucht seien. Anfangs hätten die sich nur hinter dem Zaun aufgebaut, seien immer lauter geworden. „Sie haben uns angebrüllt und gesagt, gleich werde etwas über den Zaun fliegen“, berichtet der Mitarbeiter des Reparatur-Trupps.

Vermummte haben Zaunelemente in den Wald geworfen

Sein Kollege und er hätten zunächst versucht, den Auftrag auszuführen und nichts zu sagen – Ruhe sei dadurch jedoch nicht eingekehrt. Die sieben oder acht Vermummten hätten vielmehr einzelne Zaunelemente herausgerissen und in den Wald geworfen. Bei nunmehr freiem Zugang zum Werksgelände seien sie bis auf einen Meter herangekommen, um ihn und seinen Kollegen unter lautem Gebrüll vom Zaun wegzudrängen.

Die Arbeiter seien gefragt worden, ob sie überhaupt wüssten, für welche „Verbrecher-Firma“ sie arbeiteten. Zum Rückzug gedrängt und am Firmenwagen angekommen, hätten sie dann noch hören müssen, dass man jetzt ihre Adresse wisse und sie sich demnächst „auf Besuch freuen“ dürften. Und die Zäune werde man ohnehin immer wieder zerstören.

Die Kalkwerke Oetelshofen haben Strafanzeige erstattet – zu dem Vorfall äußern will sich die Geschäftsführung nicht. Die Ermittlungen wolle man der Polizei überlassen, heißt es. Die Bedrohung des Reparatur-Trupps scheint aber nicht der einzige Vorfall zu sein, mit dem sich die Ordnungshüter im Zusammenhang mit den Waldbesetzern befassen müssen. Vergangenes Wochenende sollen zwei Frauen und ein Mann beim „Containern“ erwischt und vorläufig festgenommen worden sein. Sie sollen den Container eines Supermarktes in Vohwinkel aufgebrochen haben. Nachbarn hatten nachts um 1 Uhr die Polizei gerufen.

Kalkwerke kündigten an, Rodung vorerst nicht voranzutreiben

Die Festgenommenen hätten keine Namen nennen wollen. Bei einer der Personen habe man keine verwertbaren Fingerabdrücke nehmen können, weil die Fingerkuppen nicht vollständig vorhanden gewesen seien. Bislang polizeilich nicht aktenkundig wurde ein weiterer Vorfall, bei dem ein Journalist von Aktivisten bedroht worden sein soll. Auch ihm gegenüber soll im Osterholz eine massive Drohkulisse aufgebaut worden sein, davon hatte er berichtet. Er habe sich dann zusammen mit einer Kollegin aus Furcht vor weiteren Eskalationen zurückgezogen.

Bereits in den vergangenen Wochen waren im Osterholz mit Stacheldraht umwickelte Barrikaden gebaut, Wassergräben gezogen und Schranken zubetoniert worden. In der vergangenen Woche hatten die Kalkwerke dann angekündigt, die zur Erweiterung einer Abraumhalde geplante Rodung von fünf Hektar Wald vorerst nicht vorantreiben und den Dialog auf der sachlichen Ebene weiterführen zu wollen.

Diskussion

Abtransport statt Abraumhalde, das wird oft als Alternative diskutiert. Wie berichtet, planen die Kalkwerke eine Erweiterung ihrer Abraumhalde im Osterholz. Ein Abtransport ist aus Sicht des Unternehmens jedoch keine Alternative. Die Kalkwerke argumentieren, Steinbruchfahrzeuge hätten ein Fassungsvermögen von rund 60 Tonnen, Lkw aber nur ein Drittel davon. Bei der erforderlichen Menge (2,2 Millionen Kubikmeter in zehn Jahren) wären das 58 Lkw am Tag, die voll beladen das Werk verlassen müssten, um Abraum andernorts abzukippen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Treibgut drückt gegen Brücken
Treibgut drückt gegen Brücken
Treibgut drückt gegen Brücken
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Fenster fliegen aus einem Wuppertaler Gebäude
Die zehn schönsten Regen-Songs aller Zeiten
Die zehn schönsten Regen-Songs aller Zeiten
Die zehn schönsten Regen-Songs aller Zeiten
Flutopfer stellen Strafanzeige gegen Behörden
Flutopfer stellen Strafanzeige gegen Behörden
Flutopfer stellen Strafanzeige gegen Behörden

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare