Walbusch investiert in Logistik in Westfalen

Der Hauptsitz der Walbusch-Gruppe im Solinger Industriegebiet Scheuren: Dort sitzen Verwaltung und Logistik, beides soll erhalten bleiben. Die Logistik sei aber aufgrund des Wachstums am Rande der Kapazität. Daher erweitert Walbusch – mit einem Immobilienkauf in Westfalen. Foto: Michael Schütz
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Der Hauptsitz der Walbusch-Gruppe im Solinger Industriegebiet Scheuren: Dort sitzen Verwaltung und Logistik, beides soll erhalten bleiben. Die Logistik sei aber aufgrund des Wachstums am Rande der Kapazität. Daher erweitert Walbusch – mit einem Immobilienkauf in Westfalen.

Der Hauptstandort in Solingen soll erhalten bleiben und mit einem zweistelligen Millionenbetrag modernisiert werden

Von Björn Boch

Solingen Das Solinger Textilunternehmen Walbusch investiert in ein großes Logistikzentrum in Halle/Westfalen. Das teilte Christian Busch, Hauptgesellschafter von Walbusch, gestern mit. Das Zentrum ist derzeit noch im Besitz der Gerry Weber International AG. In Zukunft soll ein Teil der Logistik für die Marken der Walbusch-Gruppe über den neuen Standort in Halle abgewickelt werden. Die endgültigen Verträge sollen in den kommenden zwei Monaten unterschrieben werden.

Solingen als Hauptstandort der Walbusch-Gruppe bleibe weiterhin „vollumfänglich erhalten“, heißt es in einer Mitteilung. Das gelte neben der Verwaltung auch für den Bereich der Logistik im Industriegebiet Scheuren: Dieser werde weiterhin durch die Unternehmen der Walbusch-Gruppe genutzt. Zudem werde in den nächsten Jahren auch am Standort Solingen ein zweistelliger Millionenbetrag investiert – in Modernisierung und Anpassung der Versandanlage.

„Nach heutigem Stand muss sich kein Mitarbeiter Sorgen um den Arbeitsplatz machen.“

Christian Busch, Walbusch-Hauptgesellschafter

Alle Solinger Standorte würden am Hauptsitz im Industriegebiet Scheuren zusammengelegt. „Nach heutigem Stand muss sich kein Mitarbeiter Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen. Das als Modeunternehmen sagen zu können, ist in Corona-Pandemiezeiten ein großes Privileg“, so Busch. Während viele Modeunternehmen zu den Verlierern der Krise gehören, wächst Walbusch kräftig – allein im Jahr 2020 konnte der Umsatz um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 369 Millionen Euro gesteigert werden. Neben Walbusch gehören zu der Firmengruppe mit mehr als 1000 Mitarbeitern auch die Marken Klepper, Avena, Mey & Edlich und LaShoe.

Die Logistik in Solingen sei aufgrund des Wachstums im Bereich Versand- und Internethandel mitunter am Rande der Kapazität, erklärte Christian Busch. Auch die Belieferung der Filialstandorte habe ihre Grenzen erreicht. Busch: „Es freut mich, dass durch diese anstehende Transaktion die Kapazitäten für eine reibungslose, effiziente Abwicklung und weiteres Wachstum aller Unternehmen der Walbusch-Gruppe geschaffen werden.“ Walbusch und Gerry Weber wollen das Logistikzentrum gemeinsam nutzen. Zunächst werde ein von Busch neu gegründetes Unternehmen, die WB Logistik GmbH, in Halle als Dienstleister für Gerry Weber fungieren, die Mitarbeiter sollen übernommen werden.

Auch „geostrategische Aspekte“ sprechen gegen Solingen

Das angeschlagene Unternehmen aus Halle erfüllt mit dem Verkauf des Zentrums eine Auflage aus dem Insolvenzplan des Unternehmens, das Geld geht an die Gläubiger. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

In die Immobilie im Ravenna-Park werde „nennenswert investiert“, um zusätzliche Kapazitäten aufzubauen und Infrastruktur zu schaffen, um Sendungen am Tag der Bestellung unmittelbar zu konfektionieren und versenden zu können.

Die Stadt Solingen bewertet die Entwicklung grundsätzlich positiv. „Die Investition stärkt das Unternehmen, Walbusch bleibt vor Ort in Solingen und investiert auch hier. Und alles, was das Unternehmen stärkt, stärkt letztlich auch den Solinger Standort“, erklärte der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach.

Laut Stadtsprecher Thomas Kraft habe die Wirtschaftsförderung Gespräche mit Walbusch über Flächen in Solingen geführt. Es habe aber „geostrategische Aspekte“ gegeben, die letztlich für einen anderen Ort gesprochen haben. Unter anderem sei der Schrodtberg im Gespräch gewesen, wo Walbusch derzeit noch einen kleineren Standort habe. Dort sei die mögliche Fläche aber nicht einmal halb so groß wie jetzt in Halle. „Es gab hohe Erwartungen an einen Logistikstandort, da hatten wir kein adäquates Angebot“, so Kraft. Halle biete neben viel Fläche eine zentralere Lage in Deutschland sowie eine eigene Autobahnanbindung für das Logistikzentrum.

Christian Busch sagte gestern Abend im Gespräch mit dieser Redaktion, dass er weit davon entfernt sei, der Stadt Solingen oder der Wirtschaftsförderung einen Vorwurf zu machen. „Ich habe mich nicht gegen Solingen entschieden, sondern für Halle.“ Ein Logistikzentrum dieser Größe mit einer Höhe von mindestens 25 Metern sei in Solingen schlicht nicht möglich. Auch, dass die Halle bereits gebaut sei, habe viele Vorteile – etwa für den Zeitplan von Walbusch.

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