Schwebebahn

Wagen 28 soll wieder schweben können

Ralf Glörfeld und Wagen 28 stehen in den Startlöchern, um der Schwebebahn einen Platz in der ersten Reihe zu geben.
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Ralf Glörfeld und Wagen 28 stehen in den Startlöchern, um der Schwebebahn einen Platz in der ersten Reihe zu geben.

Ralf Glörfeld stellt die Pläne zur Schwebebahn von Utopiastadt vor.

Von Alina Komorek

Wuppertal. Wagen Nummer 28 wirkt ein bisschen wie ein Lost Place – ein verlassener Ort. Zwischen Brombeeren und unter einer Plane steht die Schwebebahn gerade noch im „Hinterzimmer“, wie Ralf Glörfeld von Utopiastadt es nennt. Doch da soll der Wagen nicht bleiben: Mit Freiwilligen und Fachfirmen soll die alte Schwebebahn direkt gegenüber der Auffahrt zur Trasse und dem Gebäude von Utopiastadt aufgestellt werden. Da nun der Solar Decathlon vorbei ist und die meisten Häuser abgebaut werden, ist auch Zeit und Platz da.

Wie die Schwebebahn unter der Plane haben nämlich auch die Pläne mit ihr einen Dornröschenschlaf gehalten. „2019 haben wir die Schwebebahn bekommen, und als sie hier war, haben wir lange Planungen gemacht“, erklärt der Vorstandsvorsitzende von Utopiastadt. Die Idee sei, ein Gerüst zu bauen, an dem der Wagen 28 hängen könnte – wie damals, als er noch zwischen Vohwinkel und Oberbarmen unterwegs war. Und auch jetzt, drei Jahre später, sei das noch der Plan, sagt Glörfeld.

Denn die Schwebebahn werde durch das viele Herumstehen nicht besser. Doch das liegt nicht daran, dass der Wagen 28 draußen der Witterung ausgesetzt ist – das war er jahrelang und die Bahn wurde ja praktisch für das ungemütliche Wuppertaler Wetter gemacht. Vielmehr stellt Vandalismus eine Gefahr für die pensionierte Schwebebahn mit Baujahr 1972 dar: Kupferkabel wurde mitgenommen, „hier wurde sogar eine Sitzbank geklaut“, sagt Glörfeld und zeigt im Inneren der Bahn auf eine Lücke in den Sitzbankreihen. Da könne nun ein Tisch seinen Platz finden: Denn in Wagen 28 sollen, wenn er einmal vorn an der Nordbahntrasse steht, Informationen zu Utopiastadt, zum Quartier und zu Wuppertal an einem Ort versammelt sein, „davor noch eine Art Bahnsteig, wo man Kaffee trinken kann“, sagt Glörfeld.

Die Idee mit dem Infopoint komme daher, dass die Trasse sich der Aufmerksamkeit von Radfahrerinnen und Spaziergängern erfreut, aber die Stadt von der Nordbahntrasse aus gar nicht so richtig wahrgenommen wird, findet Glörfeld. Ideen gibt es wirklich reichlich – im Gegensatz zum guten Geld, das erst über Spenden akquiriert werden muss, wie Glörfeld berichtet. 2019 wurden die Kosten für das Umsetzen der Bahn nach vorn an die Trasse, für das Stahlgerüst zum Aufhängen und die Arbeiten an dem Wagen selbst auf 100 000 Euro geschätzt – das war allerdings vor der Inflation und den Preissteigerungen durch die Pandemie und den Krieg in der Ukraine.

Regelmäßig wird die Bahn von Schäden und Schimmel befreit

Inzwischen könnten die Kosten weit höher sein. „160 000 Euro hat das Gestell von Knipex gekostet“, so Glörfeld. „Und da werden wir auch landen.“ Allerdings sei der Bau dort einfacher gewesen, weil die Bahn auf dem Firmengelände geschützt und nicht dem Wetter und Windböen ausgesetzt ist.

Ein etwa siebenköpfiges Team von Utopiastadt kümmere sich gerade darum, den Kontakt zu den Firmen, die damals schon Kosten aufgestellt hatten, wieder herzustellen. Und räumt im Inneren des Wagens 28 auf, bringt alles auf Vordermann, beseitigt die Spuren von Vandalismus und lüftet die Bahn durch, damit sie nicht weg schimmelt. „Alle waren sofort mit an Bord“, berichtet Glörfeld vom Engagement für die ausrangierte und pensionierte Bahn. Wagen 28 ist übrigens genau baugleich zu den anderen Schwebebahnen aus ihrem Baujahr – aber eine Besonderheit gibt es doch: Wagen 28 war die letzte Schwebebahn, die von den Schienen genommen wurde. Dann wurde sie Utopiastadt geschenkt. „Die Bahn und die Konstruktion müssen ins Konzept passen“, sagt Glörfeld. Und selbst, wenn sie nicht aufgehängt, sondern aufgestellt wird: Hauptsache, Wagen 28 muss nicht länger im Hinterzimmer warten.

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