Polizei-Kontrolle

Waffenverbot im Hauptbahnhof lässt sich auf die Altstadt übertragen

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DÜSSELDORF Nach dem Testlauf am Wochenende ist es Zeit für eine Bilanz — und die fällt gut aus. Eine Analyse.

Von Dieter Sieckmeyer

Für viele ist es selbstverständlich, dass man keine Waffen mit in den Hauptbahnhof oder in die Altstadt nimmt. Dementsprechend irritiert waren viele Nutzer in den sozialen Medien, als die Bundespolizei am vergangenen Wochenende ein Waffenverbot für den Bahnhof anordnete. War das eine sinnvolle Maßnahme oder eine Schauveranstaltung, um den Bürgern für ein paar Stunden das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Eine Analyse.

Wie fällt die Bilanz des Einsatzes aus? Insgesamt kontrollierte die Bundespolizei 334 Personen. Dabei wurden 15 Messer und andere gefährliche Gegenstände sichergestellt. Darunter waren fünf Einhandmesser, die schon nach dem normalen Waffengesetz verboten sind. Außerdem zwei Taschenmesser, ein Küchenmesser, ein Steakmesser, ein Schraubenzieher, eine Schere und ein Korkenzieher. In elf Fällen wurde jeweils ein Zwangsgeld in Höhe von 100 Euro verhängt.

Welche Personengruppen fielen besonders häufig auf? Erstaunlich war der hohe Anteil an Minderjährigen. Sechs Jugendliche wurden mit Messer oder anderen gefährlichen Gegenständen erwischt. Darunter war ein 14-Jähriger, der ein verbotenes Einhandmesser bei sich hatte. Kontrolliert wurden fast ausschließlich junge Männer. Ein 29-Jähriger, der sich weigerte, wurde gestellt und durchsucht. Er hatte nicht nur eine Schere, sondern auch Amphetamine dabei.

Sind Waffen nicht ohnehin im Hauptbahnhof verboten? Natürlich dürfen Waffen im öffentlichen Raum nicht eingesetzt werden, auch wenn man im Besitz einer so genannten Waffenbesitzkarte ist. Das von der Bundespolizei angeordnete Waffenverbot erstreckt sich aber auch auf Waffen, die allgemein zugänglich sind, also auch Küchenmesser oder Baseballschläger. Es geht darum, alle Gegenstände aus dem Verkehr zu ziehen, mit denen Menschen gefährdet werden können.

Hat ein solches Waffenverbot eine nachhaltige Wirkung? Das bleibt abzuwarten. Die elf Personen, die eine Strafe zahlen müssen, werden sich vielleicht überlegen, was sie beim nächsten Mal in die Tasche stecken. Eine nachhaltige Wirkung ist aber nur zu erzielen, wenn solche Kontrollen regelmäßig durchgeführt werden. Viele Bürger haben den Polizeieinsatz am Wochenende begrüßt. Eine dauerhafte Verbesserung der Sicherheitslage wird sich aber nur einstellen, wenn es ein grundsätzliches Waffenverbot am Hauptbahnhof geben würde.

Wird es eine Wiederholung geben? Das steht noch nicht fest. Wie Dajana Burmann, die Pressesprecherin der Bundespolizei, erklärte, soll der Einsatz analysiert und ausgewertet werden. Erst dann wird eine Entscheidung fallen, ob es weitere Waffenverbote gibt.

Kann man das Waffenverbot auf die Altstadt übertragen? Ja und nein. Natürlich kann man den Hauptbahnhof nicht mit der Altstadt vergleichen. Der Bahnhof ist ein geschlossenes Gebäude, in dem Bereiche wie der Nordtunnel abgesperrt und effektiv kontrolliert werden können. Das wäre in der Altstadt in der Form nicht möglich. Aber das Trennwände aufgestellt werden, hinter denen die Polizei Personen überprüft, ist absolut praktikabel.

Bringt denn ein Waffenverbot überhaupt etwas? Wenn 15 Waffen an einem Wochenende sichergestellt werden, ist das zweifellos nicht viel. Aber jedes Messer, das frühzeitig aus dem Verkehr gezogen wird, kann am frühen Morgen nicht mehr eingesetzt werden, wenn es wie so häufig nach starkem Alkoholgenuss zu schweren Auseinandersetzungen kommt.

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