Ökologisches Projekt

Unternehmen fertigen Messer aus Abfall

Max Fischer, Franz Wieck, Dr. Peter Born und Uta Schneider (v. l.) präsentieren das Zirkelmesser. Foto: Christian Beier
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Max Fischer, Franz Wieck, Dr. Peter Born und Uta Schneider (v. l.) präsentieren das Zirkelmesser.

Verarbeitende Betriebe aus dem Bergischen Städtedreieck bringen gemeinsam ein ökologisches Projekt auf den Weg.

Von Kristin Dowe

Solingen/Remscheid. Verheißungsvoll zieht Dr. Peter Born, Geschäftsführer der Franz Güde GmbH, ein robustes Küchenmesser aus einer maßgefertigten Schachtel. Was man auf den ersten Blick kaum ahnt: Dieses Produkt wäre eigentlich mitsamt seiner Verpackung im Müll gelandet. Oder genauer formuliert, die Materialien dafür – denn diese stammen zu 100 Prozent aus Industrieabfällen mehrerer metall- und kunststoffverarbeitender Unternehmen im Bergischen Städtedreieck.

Mit dem „Zirkelmesser“ – der Begriff bezieht sich auf den Kreislauf seiner Herstellung – beschreiten die beteiligten Betriebe neue Wege der Zusammenarbeit, um gemeinsam ein innovatives und vor allem ökologisch nachhaltiges Produkt auf den Markt zu bringen.

200 Messer wurden zunächst für das Pilotprojekt gefertigt

„Es geht uns weniger darum, damit Geld zu verdienen“, sagt Peter Born, in dessen Betrieb die Messer geschliffen werden. „Wir möchten mit dieser Idee etwas zur Wertschöpfung beitragen.“ Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden zunächst 200 Messer gefertigt, für die bereits Bestellungen vorliegen. Bei Erfolg solle die Produktion ausgeweitet werden.

Das Grundkonzept haben Wissenschaftler der Bergischen Universität Wuppertal entwickelt. „Ziel war es, eine industrielle Symbiose zu erzeugen, indem man die Abfälle des einen Unternehmens mit dem Input des anderen kombiniert“, erläutert Projektleiter Franz Wieck vom Fachgebiet Produktsicherheit und Qualität bei der Bergischen Universität. So erfassten die Projektverantwortlichen zunächst verarbeitende Betriebe, untersuchten sie auf ihre Materialien hin und erstellten Verknüpfungen für die Kooperation. Dabei sei das Zirkelmesser nur ein erstes Produkt, um die Idee hinter „RegRess“, ein Teil des Projektdachs „Urbane Produktion im Bergischen Städtedreieck“, erlebbar zu machen. Das Prinzip, Roh- und Abfallmaterialien aus Herstellungsprozessen verschiedener Unternehmen im Bergischen gemeinsam zu nutzen, sei den Planern zufolge auch für andere Produkte denkbar.

Für das Zirkelmesser bringt zunächst die TKM GmbH aus Remscheid verschlissene Kreismesser in den Prozess ein, die normalerweise entsorgt werden würden, während die Wuppertaler K. A. Schmersal GmbH & Co. KG Kunststoffreste für die Griffe beisteuert. Für die Weiterverarbeitung kommen gleich drei Solinger Unternehmen auf den Plan: Die Hans Mensler Blechverarbeitung lasert die Rohbauteile aus den ausrangierten Kreismessern heraus, die bei Güde geschliffen werden – die Hermann & Schmachtenberg GmbH fertigt schließlich den Kunststoffgriff. Für die nachhaltige Verpackung zeichnet mit der Frank Fischer GmbH schlussendlich ein Unternehmen aus Haan verantwortlich.

Bei so vielen Beteiligten sei ein hohes Maß an Austausch und Vernetzung der Unternehmen gefordert, betont Franz Wieck.

Kurze Transportwege & Co.: CO2-Abdruck verringert sich

Dann könnten alle in mehrfacher Hinsicht profitieren: So sind die Transportwege kurz, Materialien müssen nicht entsorgt, sondern können weiterverwertet werden, für die Herstellung wird jeweils nur ein Bruchteil des sonst verbrauchten Wassers und der Energie benötigt und der CO2-Abdruck verringert sich den Wissenschaftlern zufolge auf ein Sechstel.

Teurer sei das Messer für den Verbraucher später nicht, versichert Peter Born. „Der Preis liegt bei rund 40 Euro. Die würden Sie sonst im Handel auch zahlen.“ So sei das Zirkelmesser auch ein Beispiel für den bergischen Tüftlergeist.

Projektdach

Unter dem Dach „Urbane Produktion im Bergischen Städtedreieck“ sind sieben Projekte vereint. Dazu gehört auch die in Solingen geplante Gläserne Werkstatt, in der heimische Produkte präsentiert werden sollen. Das Thema Nachhaltigkeit steht bei der Kooperation im Vordergrund.

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