Bergische Universität

Uni: Mensa kann Essenspreise nicht halten

Zu günstigen Preisen können Studierende in der Mensa essen. Aber auch dort spürt man den Preisdruck.
+
Zu günstigen Preisen können Studierende in der Mensa essen. Aber auch dort spürt man den Preisdruck.

Hochschulsozialwerk hat bereits im Juni sieben Prozent mehr verlangt – weitere Erhöhungen sind geplant.

Von Alina Komorek

Wuppertal. Der Ruf vom Studentenleben, das vor allem aus Feten, romantischen Verwicklungen und spontanen Freizeitunternehmungen besteht, stimmt schon länger nicht mehr mit der Realität überein – denn viele junge Menschen müssen arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren, lernen wie am Fließband für Klausuren und machen sich Sorgen: Denn mehr als jeder dritte Studierende ist laut Statistischem Bundesamt von Armut bedroht.

Dazu kommt, dass zurzeit alles teurer wird: die Mieten, die Nebenkosten auch, die Lebensmittel. Nun hat der digitale Versicherer Ottonova über mehrere Wochen die Preise in den Mensen der 40 größten Unis beobachtet und festgestellt, dass die Preise rund fünf Prozent höher sind als noch im Juli – Tendenz steigend. Weil die Mensen der Uni Wuppertal auf dieser Liste nicht aufgeführt sind, erklärte Ursula Dumsch, Geschäftsführerin des Hochschulsozialwerks (HSW) Wuppertal: „Wir haben alle Mensapreise zum 1. Juni um sieben Prozent erhöht“, sagt sie und fügt hinzu: „Vielleicht muss bald die nächste Preiserhöhung kommen.“ Das liege vor allem daran, dass die Lieferanten ihre Preise erhöhten, zuletzt um bis zu 20 Prozent.

Bevor die Preise in den Mensen der Bergischen Uni erneut erhöht werden könnten, müsse aber der Verwaltungsrat zustimmen. Zunächst gehe es vor allem um Preiserhöhungen bei den Beilagen, die nun diskutiert werden müssten. Aktuell liegt der Preis für eine Beilage, etwa eine Portion Nachtisch, Rösti oder Bohnengemüse, bei 40 Cent. Bei dem Preis könne das HSW wohl nicht bleiben, so Dumsch.

Im Verwaltungsrat sind allerdings auch Studierende vertreten, die ihre Stimmen für oder gegen eine Erhöhung abgeben können. Joshua Gottschalk ist Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) an der Uni Wuppertal. Er hält die Preiserhöhungen für „sehr kritisch“, denn „die Studierenden brauchen Essensangebote vor Ort – wenn die wegfallen, suchen sie sich halt etwas anderes“. Er sieht das Problem in der Aufteilung der Kosten, die die Studierenden und der Staat tragen: „Das HSW wird über den Semesterbeitrag und den Staat bezahlt – und während die Studierenden immer mehr zahlen, wächst der Anteil des Staates nicht“, sagt Gottschalk.

Das führe schließlich zu einer Unwucht. Am Ende müsse das Essen in der Mensa subventioniert werden. Es gehe auch um die Qualität des Essens. Gottschalk ergänzt, dass er viele Kommilitonen habe, die zum Essen noch eine Beilage bräuchten, um überhaupt satt zu werden. „Und das läppert sich.“ Viele wählten bei den Menüs, in denen entweder ein Salat oder ein Nachtisch enthalten sei, die Süßspeise. „Und das kann es doch auch nicht sein“, findet der AStA-Vorsitzende.

Gottschalk erklärt, dass er die Erhöhungen aufgrund der teureren Einkaufspreise zwar verstehen könne, erklärt aber: „Über drei Euro für ein Mittagessen wären schon viel.“ Auch Ursula Dumsch wisse, dass sie den Studierenden nicht jeden Preis zumuten könne. Doch die Mensen gerieten in die Bredouille, da durch die Inflation und die Energiekrise eigentlich sämtliche Kosten stiegen. „Ich muss sehr genau schauen, was man noch machen kann, die Studierenden reagieren sehr preissensibel“, sagt Dumsch.

So bestehe das traditionelle Weihnachtsessen in diesem Jahr nicht aus Gans, denn durch die grassierende Vogelpest sei der Preis zusätzlich gestiegen. Stattdessen werde in diesem Jahr Hirschgulasch gereicht. Um Energie zu sparen, habe sie schon den Betrieb der Grillstation eingestellt. „Wir versuchen, Kosten einzusparen und zum Beispiel das Thema Lebensmittelverschwendung in den Griff zu bekommen“, erklärt sie. Viel wegzuschmeißen, sei schließlich auch teuer.

Gegen Verschwendung gibt es Aktionen – Essen zum halben Preis

Das Projekt der Mensen, innerhalb der letzten 15 Minuten der Öffnungszeiten das Essen für die Hälfte des Preises zu verkaufen, um möglichst wenig wegzuschmeißen, lobt Joshua Gottschalk. Was viele Studierende in Schwierigkeiten bringe, seien auch nicht bloß die steigenden Preise für das Mensa-Mittagessen, sondern „der Mix aus allem – aus Mieten, Nebenkosten, den Preisen im Supermarkt“. Er kenne viele, die sich gerade einen Nebenjob suchten, um sich das Studium weiterhin finanzieren zu können. „Und das wird ja zur Abwärtsspirale: Je mehr ich arbeite, desto weniger studiere ich, desto länger brauche ich für das Studium, desto mehr muss ich arbeiten ...“ Gottschalk bleibt dabei: Es sei am Staat, etwas gegen die Armutsgefährdung von Studierenden zu tun.

Vergleich

Ein Blick auf die Speisepläne an den umliegenden Unis zeigt: Wählt man nicht gerade einen Eintopf in Dortmund oder Düsseldorf, sind die Preise in Wuppertal noch die günstigsten. Der Renner ist laut Ursula Dumsch die Currywurst für 2,20 Euro, die es jeden Tag gibt. Ansonsten kosten das vegane, das vegetarische und das Fleischgericht etwa 2,70 bis 2,90 Euro. In Düsseldorf werden für das vegane Gericht sogar 4 Euro verlangt, dafür liegt das Schnitzel bei 2,30 Euro.

Lesen Sie auch: So wurde aus einer Idee die Bergische Uni Wuppertal

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

LKW-Unfall: A46 zwischen Haan und Wuppertal derzeit voll gesperrt
LKW-Unfall: A46 zwischen Haan und Wuppertal derzeit voll gesperrt
LKW-Unfall: A46 zwischen Haan und Wuppertal derzeit voll gesperrt
Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Lkw-Fahrer stirbt bei Unfall auf A 46: Neue Erkenntnisse
Lkw-Fahrer stirbt bei Unfall auf A 46: Neue Erkenntnisse
Lkw-Fahrer stirbt bei Unfall auf A 46: Neue Erkenntnisse
Frau verliert die Kontrolle über ihr Auto: Das hatte schwere Folgen – Vollsperrung aufgehoben
Frau verliert die Kontrolle über ihr Auto: Das hatte schwere Folgen – Vollsperrung aufgehoben
Frau verliert die Kontrolle über ihr Auto: Das hatte schwere Folgen – Vollsperrung aufgehoben

Kommentare