Umstrittener Ex-V-Mann wieder als Trainer aktiv

Solingen. Seit einem Jahr steht er nicht mehr auf der Gehaltsliste des Innenministeriums: Der umstrittene Ex-V(erbindungs)-Mann des NRW-Verfassungsschutzes und Leiter der ehemaligen Kampfsportschule "Hak-Pao" in Gräfrath will ab 1. Juli die sportliche Leitung eines neuen privaten Sportstudios an der Solinger Burgstraße übernehmen.

Kaum bekannt geworden, rief dies Proteste von linken Gruppen hervor. Für Donnerstag abend hatten Autonome landesweit zu einer "antifaschistischen Kundgebung" vor der neuen Sportschule aufgerufen. Doch einem großen Polizeiaufgebot standen gerade einmal 40 Protestierende gegenüber. S. war bereits vor dem Brandanschlag in die Schlagzeilen geraten, weil er in seiner damaligen Sportschule auch junge Rechtsradikale im Kampfsport ausbildete. So trainierten drei der vier als Brandstifter und Mörder Verurteilten bei ihm. Insbesondere als bekannt wurde, daß er seine Räume in Gräfrath auch altgedienten Rechtsextremisten als Treff zur Verfügung stellte, verdichteten sich Vermutungen, er sei V-Mann des Verfassungsschutzes. S., der sich noch heute als "unpolitisch" bezeichnet, und "befreundete Sportler" stellten mehrfach Saalschutz für Veranstaltungen rechtsextremer Parteien und Gruppen. Ihm wurden sogar Kontakte zu der inzwischen verbotenen, rechtsextremistischen Nationalistischen Front, die bundesweit bewaffnete Nationale Einsatzkommandos gründen wollte, nachgewiesen. Doch erst beim Strafprozeß gegen die Brandleger von Solingen wurde er offiziell vom Innenministerium als V-Mann enttarnt. Seitdem standen S., der Verfassungsschutz und der damalige Innenminister, Dr. Herbert Schnoor, in der Medien-Kritik.

Bislang nicht widerlegter Vorwurf: In Solingen habe sich durch Schmitts Sportschule eine Neonazistruktur mit bundesweitem Einfluß entwickelt. Dabei sei S. mit Duldung, Billigung und teils sogar auf Veranlassung des Verfassungsschutzes aktiv geworden. Letzteres bestätigte der Solinger als Zeuge im Brandanschlagsprozeß, dies unterstrich er am Donnerstag erneut im Gespräch mit dem Solinger Tageblatt. Strafbare Handlungen beim "politisch-sportlichen Spagat" als "nachrichtenehrlicher" V-Mann in der rechten Szene, so damals Schnoor, wurden S. nach "intensiven Ermittlungen" der Staatsanwaltschaft nicht nachgewiesen. So blieb er weiter auf der Gehaltsliste des Verfassungsschützer. "Jetzt will ich endlich wieder das machen, was ich kann und womit ich mir meinen Lebensunterhalt verdienen muß", erklärt der 54jährige und fragt: "Warum macht man mir immer noch den absurden Vorwurf, daß ich dem Staat geholfen habe? Ich will endlich Ruhe haben", fühlt sich S. inzwischen als "Bauernopfer mit Berufsverbot". Das neue, 400 Quadratmeter große Sportstudio für Selbstverteidigung, "Gym 2000" an der Burgstraße, hat eine Solinger Gerüstbau-Unternehmerin angemietet. Sie betreibt auch das Studio. Als "Strohfrau" will sie nicht gelten: "Es ist ein zweites Standbein. Bernd S. werde ich anstellen, weil er einer der besten Trainer ist." Seit Montag liegt die Genehmigung der Stadt Solingen für die Nutzungsänderung der ehemaligen Büros vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Nach Tod in Polizeigewahrsam: Gutachter finden Drogencocktail im Blut
Nach Tod in Polizeigewahrsam: Gutachter finden Drogencocktail im Blut
Nach Tod in Polizeigewahrsam: Gutachter finden Drogencocktail im Blut
Fristlose Kündigung: Fahrer zeigen Taxizentrale Wuppertal an
Fristlose Kündigung: Fahrer zeigen Taxizentrale Wuppertal an
Fristlose Kündigung: Fahrer zeigen Taxizentrale Wuppertal an
Corona: Intensivpatienten sind meist ungeimpft
Corona: Intensivpatienten sind meist ungeimpft
Corona: Intensivpatienten sind meist ungeimpft
Schwarzfahrer nahm sich in seiner Zelle in Wuppertal das Leben
Schwarzfahrer nahm sich in seiner Zelle in Wuppertal das Leben
Schwarzfahrer nahm sich in seiner Zelle in Wuppertal das Leben

Kommentare