Befragung

Umbau macht Döppersberg sicherer

Passantin Agnès Schantora fühlt sich am Döppersberg sicher. Foto: Anna Schwartz
+
Passantin Agnès Schantora fühlt sich am Döppersberg sicher.

Wuppertal. Ein empirischer Forschungsbericht der Bergischen Universität liegt vor.

Von Andreas Boller

Die meisten Wuppertaler empfinden den neu gestalteten Döppersberg in der Mehrzahl als weitläufig, eher sauber, eher attraktiv, einladend und sicher. Dies sind einige der Ergebnisse des Forschungsprojekts Kooperation Sicherheit Innenstadt Döppersberg (KoSID), in dem mittels einer stichprobenartigen Befragung, leitfadengestützer Experteninterviews, teilnehmender Beobachtungen und strukturierter Begehungen der Frage nachgegangen worden ist, welche Effekte das neue Tor zur Innenstadt für Wuppertal und seine Bewohner hat. Erstellt wurde der empirische Forschungsbericht von der Fakultät Sicherheitstechnik Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe der Bergischen Universität unter Leitung von Prof. Frank Fiedrich und Tim Lukas. Unter anderem wurde eine postalische Befragung im Frühjahr 2021 vorgenommen. 8000 Fragebögen wurden versandt, von denen 1762 ausgefüllt zurückgeschickt wurden.

Wichtigste Erkenntnis der Forscher: Der grundlegende Neubau wird mehrheitlich als positiver Wandel bezeichnet, der zu mehr Aufenthaltsqualität und einem gesteigerten Sicherheitsempfinden führt. Ein Bruchteil von zehn Prozent der Befragten gibt an, sich auch tagsüber am neuen Döppersberg, an den Haltestellen und auch in der Elberfelder Innenstadt unsicher zu fühlen. Bei Dunkelheit sind es laut Forschungsbericht mehr als ein Drittel der Befragten, die sich an den genannten Orten sicher fühlen. Am neuen Döppersberg fühlen sich 43 Prozent sicher oder sehr sicher, in der Elberfelder Innenstadt 37 Prozent und an öffentlichen Haltestellen 41 Prozent.

Die Angaben über das subjektive Sicherheitsempfinden decken sich mit der Einschätzung der Sicherheitslage durch die Polizei. „Wir können in Bezug auf den neuen Döppersberg grundsätzlich von einem sicheren Ort sprechen. Die Situation hat sich aus polizeilicher Sicht zum Positiven gewendet“, sagt Polizeihauptkommissar Stefan Weiand. Es gebe dort die für einen derart belebten Platz typischen Delikte der Kleinkriminalität, aber deren Zahl sei zurückgegangen, so der Polizeisprecher.

Unsicher fühlen sich Passanten weniger am Döppersberg als in den anliegenden Straßen oder auf der Wupperbrücke vor der Schwebebahnstation. Dort, wo sich die Alkohol- und Rauschgiftszene aufhält, löst die fehlende Sozialkontrolle Unsicherheitsgefühle aus. Müll und zerstörte Gegenstände oder subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen, wie öffentliches Urinieren, Alkohol- oder Drogenkonsum sowie Drogenhandel, werden als persönliche Belästigung, aber auch als Bedrohung empfunden. Die Forscher der Bergischen Universität weisen daraufhin, dass teilweise eine Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung und der Stärke des Einflusses auf das Sicherheitsempfinden vorliegt.

So seien es Straftaten, wie körperliche Auseinandersetzungen und Streitereien, die unter den Befragten die größten Ängste auslösten. Diese würden jedoch seltener im öffentlichen Raum wahrgenommen. Die größte Angst bestehe darin, selbst zum Opfer einer Straftat zu werden. Immerhin 12 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal in ihrem Leben bestohlen worden zu sein. Wuppertaler Ordnungsdezernent Matthias Nocke bewertet die Ergebnisse des Forschungsberichtes als Bestätigung der Planungsziele. „Das Eingangstor zur Stadt hat sich zum Positiven hin verändert. Dieser Effekt wird sich noch einmal steigern, wenn zum Jahreswechsel 2024/2025 Verwaltungseinheiten, Jobcenter und die Uni in die Bahndirektion einziehen“, sagt Nocke. Er hofft, dass die Arbeit des KoSID-Netzwerkes im Zuge der Planung zur Umgestaltung des Berliner Platzes beiträgt und das Projekt fortgesetzt werden kann.

Unterschiedlich bewerten die Befragten die Effektivität von Polizei und Ordnungsdienst. Rund 70 Prozent attestieren der Polizei, dass sie „da ist, wenn man sie braucht“. In Bezug auf den Ordnungsdienst sind nur 32 Prozent davon überzeugt. „Das liegt daran, dass die Polizei ein Präsenzkonzept hat, während der Ordnungsdienst in der Regel nur zu Einsätzen angefordert wird“, sagt Nocke. Allerdings sei die Polizei personell weit breiter aufgestellt. Im aktuellen Haushaltsentwurf sind sechs zusätzliche Stellen für den Ordnungsdienst vorgesehen.Verbesserungsbedarf sehen die Befragten am Döppersberg beim Angebot an öffentlichen Grünflächen (71 Prozent), Aufenthaltsmöglichkeiten an der Wupper (73 Prozent) und öffentlichen Toiletten (74 Prozent).

Befragung

Im April 2019 nahmen die Forscher die Arbeit für das Projekt KoSID auf. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen konnte, war der Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Corona veränderte auch die Passantenströme am Döppersberg. Erst im Frühjahr 2021, zum Zeitpunkt der Lockerungen, konnte die postalische Befragung beginnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Schwerer Verkehrsunfall bei Wendemanöver
Schwerer Verkehrsunfall bei Wendemanöver
Schwerer Verkehrsunfall bei Wendemanöver
Unfall: Motorradfahrer im Krankenhaus gestorben
Unfall: Motorradfahrer im Krankenhaus gestorben
Unfall: Motorradfahrer im Krankenhaus gestorben
Im Quartiersprojekt treffen sich verschiedene Lebenswelten
Im Quartiersprojekt treffen sich verschiedene Lebenswelten
Im Quartiersprojekt treffen sich verschiedene Lebenswelten
Firmengruppe legt Gesamtkonzept zum Umbau des Stadions am Zoo vor
Firmengruppe legt Gesamtkonzept zum Umbau des Stadions am Zoo vor
Firmengruppe legt Gesamtkonzept zum Umbau des Stadions am Zoo vor

Kommentare