Schadstoffbelastung

Tempo 40 und Ampelschaltungen zeigen Wirkung

An der Briller Straße in Wuppertal gilt seit Juni Tempo 40. 
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An der Briller Straße in Wuppertal gilt seit Juni Tempo 40. 

Die Schadstoffbelastung durch Stickstoffdioxid an allen Messpunkten in Wuppertal ist rückläufig.

Von Sebastian Appianing

Wuppertal. Die Luft wird besser in Wuppertal. Die Grenzwerte für Stickstoffdioxid gehen an mehreren Stellen stetig zurück. Vergleicht man die Zahlen von 2019 und 2020 miteinander, wird deutlich, dass der Anteil von Stickstoffdioxid in der Luft an den fünf besonders belasteten Messpunkten in diesem Jahr gesunken ist. Die Stadt zeigt sich aufgrund der sinkenden Schadstoffwerte sehr zufrieden. Ansgar Toennes, Ressortleiter Umweltschutz, ist optimistisch: „Die Messwerte gehen kontinuierlich zurück und wir haben aktuell keinen Standort, an dem die Grenzwerte überschritten werden.“

Laut Toennes spielen viele Faktoren eine Rolle. Auch die „Harmonisierung des Verkehrs“, bei dem möglichst ohne Halt die Steigungsstrecken zur Autobahn bewältigt werden sollen, zeige ihre Wirkung. „In naher Zukunft soll es weitere Geräte zur Echtzeitmessung geben, die minutenweise Ergebnisse liefern und individuell die Ampelsteuerung übernehmen“, erklärt Toennes weitere Möglichkeiten.

Ein Thema beim Stickstoffausstoß ist der Anteil der Busse. An der Gathe werden etwa 30 Prozent aller Schadstoffe durch Busse ausgestoßen, denn an der ansteigenden Straße liegt die Bushaltestelle nahe an der Messstation.

Deshalb will die Stadt die Umrüstung der Busse forcieren. Der Ausfall der Schwebebahn und der damit verbundene Ersatzverkehr hat jedoch laut Toennes keine großen Auswirkungen auf die Schadstoffbelastung: „Die Probleme liegen nicht auf der Talachse, sondern auf den Steigungsstrecken.“

Die von vielen angestrebte Mobilitätswende sieht Toennes „als Lösung, um für noch mehr Entlastung auf stark befahrenen Straßen zu sorgen“.

Das sieht auch die Vorsitzende des Wuppertaler Umweltausschusses, Bettina Brücher (Grüne), so: „Es ist wichtig, den Umweltverbund konsequent zu stärken und zügig die Maßnahmen aus dem Radverkehrskonzept umzusetzen, Umweltspuren anzulegen und Fußwege zu optimieren. Dabei ist die Verbesserung der Luftqualität mit einer Verbesserung der Lebensqualität verbunden.“

Schadstoffwerte in diesem Jahr deutlich geringer

Die Messwerte für Stickstoffdioxid an der Briller Straße und am Steinweg/ Carnaper Straße lagen im Juli bei jeweils 35 Mikrogramm (1µg ist 1 Millionstel Gramm) pro Kubikmeter, an der Gathe bei 36µ/m³, an der Westkotter Straße bei 31µg/m³ und an der Haeseler Straße sogar bei nur 25µg/m³ und damit weit unter dem Grenzwert. Vor einem Jahr war die Luft deutlich belasteter. An allen fünf Messstationen wurde der Jahresmittelwert von 40µg/m³ überschritten. An der Briller Straße wurde im Juli 2019 ein negativer Spitzenwert von 48µg/m³ gemessen.

Seitdem ist viel passiert. Nicht nur haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie die Verkehrsbelastung gesenkt. Nachdem ein Vergleich mit der Deutschen Umwelthilfe geschlossen wurden, wurden im Juni Tempo-40-Zonen auf den fünf genannten Straßen eingerichtet und zusätzlich Blitzer installiert. Außerdem wurden die Ampelschaltungen angepasst, um den Verkehrsfluss zu optimieren.

Wie hoch der Einfluss der Geschwindigkeitsbeschränkungen auf die Schadstoffwerte tatsächlich ist, sollen jetzt weitere Studien belegen. Die Deutsche Umwelthilfe sieht die Verbesserung des Verkehrsflusses als Auslöser für den Rückgang: „Mit einer niedrigeren Geschwindigkeit geht ein besserer Verkehrsfluss einher. Im Luftreinhalteplan wird diese Anpassung der Ampelschaltungen und Tempo 40 daher als Optimierung des Verkehrsflusses bezeichnet. Die Maßnahme bringt eine Minderung der NO2-Belastung um 1 µg/m³. Diese Größenordnung ist realistisch“, erklärt Marlen Bachmann, Sprecherin der Deutschen Umwelthilfe.

Luftkontrolle durch verschiedene Messstationen

Seit 2008 gibt es den Luftreinhalteplan der Stadt. Unter Federführung der Bezirksregierung Düsseldorf wurde er erstellt und regelmäßig angepasst. Um auf aktuelle und belastbare Messdaten zur Luftqualität zurückgreifen zu können, werden im Stadtgebiet von Wuppertal neben den kontinuierlichen Messungen des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (kurz LANUV-NRW) auch Messungen von Stickstoffdioxid (NO2) mittels Passivsammlern an einer großen Anzahl von Messpunkten durchgeführt.

Da die Ausbreitungsbedingungen der bodennahen Atmosphäre neben den Emissionen maßgeblich für die Immissionssituation verantwortlich sind, werden neben den Spurenstoffmessungen auch meteorologischen Daten in Wuppertal erfasst. Die Ergebnisse der NO2-Messungen (Passivsammler) werden monatlich, die Ergebnisse der meteorologischen Messungen täglich aktualisiert.

Das Lanuv zeigt sich zufrieden auf Grund der Entwicklung der Stickstoffdioxid-Werte, will diese jedoch zunächst über einen längeren Zeitraum beobachten. „Die Monatswerte der Station am Verkehrs-Hotspot Gathe lagen im ersten Halbjahr 2020 im Durchschnitt acht Mikrogramm pro Kubikmeter unter denen des Vorjahres. Worauf diese Änderung zurückzuführen ist, kann noch nicht beurteilt werden.“ In diesem Halbjahr habe sich zum einen das reduzierte Verkehrsaufkommen durch den Corona-Lockdown auf die verkehrsbedingten Emissionen mindernd ausgewirkt. Zum anderen könne das Wetter und Maßnahmen der Stadt Wuppertal aus dem Luftreinhalteplan günstig auf die Belastung gewirkt haben“, bilanziert Birgit Kaiser de Garcia, Sprecherin des Lanuv.

Messstationen

Die Deutsche Umwelthilfe fordert in Wuppertal die Errichtung einer neuen NO 2 -Messstation an der Bahnstraße in Vohwinkel. Die DUH will damit sichergehen, dass die Stickstoffdioxid-Grenzwerte dort eingehalten werden. Bisher weigerte sich das Land jedoch eine weitere Messstation aufzustellen.

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